Anthropic hat sich laut Bloomberg-Quellen milliardenschwere Rechenzentrumskapazität beim erst sieben Monate alten Start-up Volta gesichert. Der Vertrag über 10 Milliarden Dollar läuft sechs Jahre und versorgt Anthropic aus einer neuen Anlage in Norwegen mit Nvidia-Rechenleistung. Volta selbst nennt den Kunden in der eigenen Mitteilung nur ein „führendes KI-Labor”.
Volta baut Rechenzentrum in Norwegen mit Nvidia-Chips
Die Anlage entsteht im norwegischen Tydal und soll nach Fertigstellung mit einer Leistungseffizienz (PUE-Wert) von rund 1,1 – nahe am physikalisch möglichen Optimum – zu den größten und sparsamsten KI-Rechenzentren des Landes zählen, komplett betrieben mit erneuerbarer Wasserkraft aus der Region. Der Infrastrukturkonzern Bitdeer, eigentlich als Kryptowährungs-Miner bekannt, hat laut eigener Mitteilung einen Colocation-Vertrag über 16 Jahre und 4,7 Milliarden Dollar für die Fläche unterzeichnet, mit einer Verlängerungsoption über acht weitere Jahre, die das Volumen auf bis zu 8 Milliarden Dollar heben könnte. Für Bitdeer ist es der bislang größte Schritt weg vom Kerngeschäft Krypto-Mining hin zu vermieteter KI-Infrastruktur.
Die 133 Megawatt IT-Kapazität sollen komplett mit Nvidias neuen Vera-Rubin-Systemen bestückt werden. Finanzinstitute um JPMorgan sichern rund 1,3 Milliarden Dollar der Anlage über Kreditbriefe ab. Bitdeer plant den ersten von zwei etwa gleich großen Bauabschnitten bis Ende 2026, den zweiten bis Ende März 2027. Norwegens kühles Klima und günstiger Wasserkraftstrom machen das Land neben Standorten in den USA zunehmend attraktiv für energiehungrige KI-Rechenzentren.
Start-up finanziert Rechenleistung wie Infrastruktur statt wie Software
Volta wurde im Januar 2026 von den früheren Brookfield-Managern Ricard Boada und Sofia Gumuzio gegründet, die zuvor die Infrastruktursparte des Vermögensverwalters aufgebaut hatten. Nach eigenen Angaben sammelte das Unternehmen in einer Seed- und Serie-A-Runde 300 Millionen Dollar ein, angeführt von Andreessen Horowitz und Altimeter Capital, mit Beteiligung von Nvidia und Michael Dells Familienbüro. Das bewertet das Start-up mit 2,4 Milliarden Dollar. „Volta baut die Neocloud für Little Tech”, begründet ein a16z-Partner das Investment. Rund 100 Mitarbeitende verteilen sich bereits auf Standorte in London, Palo Alto und New York.
Anders als klassische Cloud-Anbieter bündelt Volta Kapitalstrukturierung und Betrieb: Für Kunden ohne eigenes Kreditrating stellt das Unternehmen Kreditbriefe, Projektkapital und Fremdkapital bereit, statt Rechenleistung nur zu vermieten. Mit der übernommenen Genesis Cloud bringt das Start-up bereits bestehenden Cloud-Betrieb seit 2018 mit. Ein zusätzliches Fünf-Milliarden-Dollar-Programm mit dem Investmentpartner Azora soll weitere Rechenzentren finanzieren; bis 2030 peilt Volta mehrere Gigawatt Kapazität in Nordamerika und Europa an.
Anthropic baut Rechenleistung über mehrere parallele Deals aus
Der mutmaßliche Volta-Vertrag reiht sich in eine Serie ähnlicher Abkommen ein. Erst im August verknüpfte Google mit Broadcom, Apollo, Blackstone und Morgan Stanley Kreditverträge über rund 200 Milliarden Dollar, um Anthropic mit Rechenchips zu versorgen. Parallel dazu verhandelte Anthropic laut Berichten von New York Times und Reuters mit Meta über einen weiteren Zehn-Milliarden-Dollar-Deal für Rechenkapazität.
Anthropic begründet den Kapazitätshunger mit der wachsenden Nachfrage nach Claude-Modellen; das Unternehmen hatte zuletzt im Mai 2026 bei einer Bewertung von 965 Milliarden Dollar frisches Kapital eingesammelt. Weder für den Meta- noch für den Volta-Deal liegt bislang eine offizielle Bestätigung von Anthropic vor.
Entscheidend wird, ob sich Boadas Wette auszahlt, Rechenleistung wie ein handelbares Infrastrukturgut zu finanzieren statt wie ein Software-Investment – gerade während Anleger an der Nasdaq zunehmend an der Rendite milliardenschwerer KI-Ausgaben zweifeln. Der erste Bauabschnitt in Tydal soll bis Ende 2026 ans Netz gehen; ob Anthropic den Kundenstatus dann offiziell bestätigt, bleibt vorerst offen.


