Google hat gemeinsam mit Broadcom, Apollo, Blackstone und Morgan Stanley ein Geflecht aus Verträgen im Volumen von rund 200 Milliarden Dollar geknüpft, um den KI-Anbieter Anthropic mit Rechenchips zu versorgen. Rund 150 Milliarden Dollar davon entfallen auf Chip-Käufe, wie die Financial Times rekonstruiert. Unabhängig von den beteiligten Unternehmen bestätigt ist die Gesamtsumme bislang nicht.
Zweckgesellschaft kauft Chips ohne Bilanzrisiko
Kern der Konstruktion ist eine eigens gegründete Zweckgesellschaft namens Compute SPV: Sie kauft die Chips mit Fremdkapital externer Investoren und verleast sie an Anthropic, das die Leasingraten aus laufenden Einnahmen bedient. Das Modell ähnelt der Flugzeugfinanzierung, mit der Boeing und General Electric seit Jahrzehnten Maschinen und Triebwerke verkaufen, ohne das volle Ausfallrisiko selbst zu tragen. Nötig wird der Umweg, weil Anthropic über kein eigenes Kreditrating verfügt und Banken dem noch nicht profitablen Unternehmen keinen klassischen Milliardenkredit gewähren. Die erste Tranche bezifferte Apollo Global Management bereits am 9. Juni 2026 auf 35 Milliarden Dollar für rund ein Gigawatt Rechenleistung, umgerechnet etwa eine Million Chips der sogenannten AI-XPV-Plattform von Broadcom. Apollo und Blackstone stellen dabei das Fremdkapital, Morgan Stanley arrangierte die Kreditstruktur, und Broadcom sichert als Hersteller einen Teil des Wiederverkaufswerts der Hardware ab. Anleihen, die an Googles Garantien hängen, sollen Investoren Berichten zufolge zu einem Zins von rund 7,1 Prozent handeln – vergleichbare Papiere ohne Bezug zu einem großen Cloud-Anbieter kosten demnach eher 9,3 Prozent. Der Abstand gilt als Indiz dafür, wie stark Googles Bonität das Risiko des noch jungen KI-Anbieters abfedert.
Blackstone verhandelt zweites Milliardendarlehen
Nur zwei Monate nach der ersten Tranche verhandelt Blackstone laut Bloomberg bereits über ein zweites Darlehen von mindestens 36 Milliarden Dollar – mehr als beim Juni-Deal. Details zu Volumen, Tranchenstruktur und der Frage, ob Blackstone erneut als Konsortialführer auftritt, stehen laut dem Bericht noch nicht fest; Anfragen an Google, Apollo und Broadcom blieben demnach unbeantwortet oder unkommentiert. Der Zeitpunkt fällt mit Anthropics Vorbereitungen auf einen möglichen Börsengang im Oktober zusammen: Zusätzliche Rechenkapazität ohne neue Eigenkapitalverwässerung stärkt die Wachstumsstory vor dem Listing. Anthropic hatte erst im Mai bei einer Bewertung von 965 Milliarden Dollar frisches Kapital eingesammelt und im Sommer mit der Verpflichtung von Compute-Fachleuten die eigene Infrastrukturplanung ausgebaut. Parallel zum Google-Geflecht hat sich das Unternehmen laut Berichten zusätzlich rund 10 Milliarden Dollar Rechenkapazität beim Nvidia-nahen Anbieter Volta Infra Holdings gesichert – ein Zeichen dafür, wie breit Anthropic seine Chip-Lieferketten inzwischen streut, um nicht von einem einzelnen Partner abhängig zu sein.
Google übernimmt das größte Restrisiko
Trotz der ausgelagerten Bilanzstruktur bleibt Google das größte Risiko: Der Konzern garantiert den Betrieb der angemieteten Rechenzentren und haftet damit für bis zu 44 Milliarden Dollar, sollte Anthropic Leasingzahlungen nicht mehr bedienen können. Broadcom sichert im Gegenzug einen Teil der Chip-Käufe ab, während spezialisierte Betreiber wie TeraWulf, Cipher Digital und Hut 8 mit Google-Rückendeckung Rechenzentren mit einer Gesamtleistung von 2,4 Gigawatt errichten. Ursprünglich als Krypto-Miner gestartet, verlagern diese Firmen ihr Geschäft zunehmend auf KI-Infrastruktur. Kreditanalysten werten die Konstruktion als Signal für den Reifegrad des Marktes: Schuldtitel, die an Google-Garantien hängen, sollen laut Berichten zu günstigeren Zinsen gehandelt werden als vergleichbare Anleihen ohne Bezug zu einem der großen Cloud-Anbieter.
Entscheidend wird, ob Anthropics Umsatzwachstum die Leasingraten langfristig trägt – bislang bleibt unklar, wie profitabel das Unternehmen jenseits einzelner Großkunden tatsächlich arbeitet. Sollte sich das Wachstum verlangsamen, träfe das Ausfallrisiko nicht nur Anthropic, sondern über die Garantiekette auch Google und die beteiligten Kreditgeber.


