KI-Wirtschaft

Google verknüpft Kredite über 200 Milliarden Dollar für Anthropic

3 Min. Lesezeit

TL;DR Too Long; Didn’t read

Google hat mit Broadcom, Apollo, Blackstone und Morgan Stanley Verträge im Volumen von rund 200 Milliarden Dollar verknüpft, um Anthropic mit Rechenchips zu versorgen. Eine eigens gegründete Zweckgesellschaft kauft die Chips und verleast sie an das Start-up, das über kein Kreditrating verfügt. Blackstone verhandelt bereits über ein weiteres Darlehen von mindestens 36 Milliarden Dollar.

Ein Kran mit dem Google-Logo hebt eine Palette voller KI-Chips über eine Fabrikhalle, darunter steht ein Gebäude mit dem Anthropic-Logo neben Geldbündeln und einem gestempelten Vertrag Generiertes Bild mit GPT Image 2

Das Wichtigste in Kürze

  • Rund 150 der insgesamt 200 Milliarden Dollar entfallen konkret auf den Kauf von KI-Chips für Anthropic.
  • Eine Zweckgesellschaft kauft Chips mit Fremdkapital und verleast sie an Anthropic – nach dem Vorbild der Flugzeug-Finanzierung von Boeing.
  • Anthropic besitzt kein eigenes Kreditrating, weshalb klassische Bankkredite in dieser Größenordnung ausscheiden.
  • Blackstone verhandelt über ein zweites Darlehen von mindestens 36 Milliarden Dollar – mehr als beim ersten Deal im Juni.
  • Google haftet über Garantien für bis zu 44 Milliarden Dollar, falls Leasingverträge platzen.
  • Anthropic bereitet parallel Investorengespräche vor einem möglichen Börsengang im Oktober vor.

Google hat gemeinsam mit Broadcom, Apollo, Blackstone und Morgan Stanley ein Geflecht aus Verträgen im Volumen von rund 200 Milliarden Dollar geknüpft, um den KI-Anbieter Anthropic mit Rechenchips zu versorgen. Rund 150 Milliarden Dollar davon entfallen auf Chip-Käufe, wie die Financial Times rekonstruiert. Unabhängig von den beteiligten Unternehmen bestätigt ist die Gesamtsumme bislang nicht.

Zweckgesellschaft kauft Chips ohne Bilanzrisiko

Kern der Konstruktion ist eine eigens gegründete Zweckgesellschaft namens Compute SPV: Sie kauft die Chips mit Fremdkapital externer Investoren und verleast sie an Anthropic, das die Leasingraten aus laufenden Einnahmen bedient. Das Modell ähnelt der Flugzeugfinanzierung, mit der Boeing und General Electric seit Jahrzehnten Maschinen und Triebwerke verkaufen, ohne das volle Ausfallrisiko selbst zu tragen. Nötig wird der Umweg, weil Anthropic über kein eigenes Kreditrating verfügt und Banken dem noch nicht profitablen Unternehmen keinen klassischen Milliardenkredit gewähren. Die erste Tranche bezifferte Apollo Global Management bereits am 9. Juni 2026 auf 35 Milliarden Dollar für rund ein Gigawatt Rechenleistung, umgerechnet etwa eine Million Chips der sogenannten AI-XPV-Plattform von Broadcom. Apollo und Blackstone stellen dabei das Fremdkapital, Morgan Stanley arrangierte die Kreditstruktur, und Broadcom sichert als Hersteller einen Teil des Wiederverkaufswerts der Hardware ab. Anleihen, die an Googles Garantien hängen, sollen Investoren Berichten zufolge zu einem Zins von rund 7,1 Prozent handeln – vergleichbare Papiere ohne Bezug zu einem großen Cloud-Anbieter kosten demnach eher 9,3 Prozent. Der Abstand gilt als Indiz dafür, wie stark Googles Bonität das Risiko des noch jungen KI-Anbieters abfedert.

Blackstone verhandelt zweites Milliardendarlehen

Nur zwei Monate nach der ersten Tranche verhandelt Blackstone laut Bloomberg bereits über ein zweites Darlehen von mindestens 36 Milliarden Dollar – mehr als beim Juni-Deal. Details zu Volumen, Tranchenstruktur und der Frage, ob Blackstone erneut als Konsortialführer auftritt, stehen laut dem Bericht noch nicht fest; Anfragen an Google, Apollo und Broadcom blieben demnach unbeantwortet oder unkommentiert. Der Zeitpunkt fällt mit Anthropics Vorbereitungen auf einen möglichen Börsengang im Oktober zusammen: Zusätzliche Rechenkapazität ohne neue Eigenkapitalverwässerung stärkt die Wachstumsstory vor dem Listing. Anthropic hatte erst im Mai bei einer Bewertung von 965 Milliarden Dollar frisches Kapital eingesammelt und im Sommer mit der Verpflichtung von Compute-Fachleuten die eigene Infrastrukturplanung ausgebaut. Parallel zum Google-Geflecht hat sich das Unternehmen laut Berichten zusätzlich rund 10 Milliarden Dollar Rechenkapazität beim Nvidia-nahen Anbieter Volta Infra Holdings gesichert – ein Zeichen dafür, wie breit Anthropic seine Chip-Lieferketten inzwischen streut, um nicht von einem einzelnen Partner abhängig zu sein.

Google übernimmt das größte Restrisiko

Trotz der ausgelagerten Bilanzstruktur bleibt Google das größte Risiko: Der Konzern garantiert den Betrieb der angemieteten Rechenzentren und haftet damit für bis zu 44 Milliarden Dollar, sollte Anthropic Leasingzahlungen nicht mehr bedienen können. Broadcom sichert im Gegenzug einen Teil der Chip-Käufe ab, während spezialisierte Betreiber wie TeraWulf, Cipher Digital und Hut 8 mit Google-Rückendeckung Rechenzentren mit einer Gesamtleistung von 2,4 Gigawatt errichten. Ursprünglich als Krypto-Miner gestartet, verlagern diese Firmen ihr Geschäft zunehmend auf KI-Infrastruktur. Kreditanalysten werten die Konstruktion als Signal für den Reifegrad des Marktes: Schuldtitel, die an Google-Garantien hängen, sollen laut Berichten zu günstigeren Zinsen gehandelt werden als vergleichbare Anleihen ohne Bezug zu einem der großen Cloud-Anbieter.

Entscheidend wird, ob Anthropics Umsatzwachstum die Leasingraten langfristig trägt – bislang bleibt unklar, wie profitabel das Unternehmen jenseits einzelner Großkunden tatsächlich arbeitet. Sollte sich das Wachstum verlangsamen, träfe das Ausfallrisiko nicht nur Anthropic, sondern über die Garantiekette auch Google und die beteiligten Kreditgeber.

Häufige Fragen

Was ist die "Compute SPV"?

Eine eigens gegründete Zweckgesellschaft, die mit Fremdkapital externer Investoren KI-Chips kauft und sie an Anthropic verleast, statt sie direkt zu verkaufen.

Warum kann Anthropic die Chips nicht einfach selbst kaufen?

Dem Unternehmen fehlt ein eigenes Kreditrating, weshalb Banken keinen klassischen Kredit in dieser Größenordnung vergeben. Die Leasingkonstruktion verteilt das Risiko stattdessen auf mehrere Partner.

Wie groß ist Googles finanzielles Risiko?

Sollte Anthropic seine Leasingverpflichtungen nicht mehr erfüllen können, müsste Google laut Berichten mit bis zu 44 Milliarden Dollar einspringen – weil der Konzern die Rechenzentrums-Garantien für die Zweckgesellschaft übernommen hat.

Was unterscheidet das neue Blackstone-Darlehen vom ersten Deal im Juni?

Das im August verhandelte Paket soll mit mindestens 36 Milliarden Dollar größer ausfallen als die 35-Milliarden-Dollar-Tranche vom Juni; die genaue Struktur steht noch nicht fest.

Wann könnte Anthropic an die Börse gehen?

Das Unternehmen hat laut Medienberichten bereits Investorengespräche für einen möglichen Börsengang im Oktober 2026 aufgenommen.

Quellen (3)
  1. Financial Times: Inside Google's $200bn Wall Street finance machine for Anthropic
  2. Apollo Global Management: Apollo Leads $35 Billion Capital Solution for Broadcom AI XPV Platform
  3. Bloomberg: Blackstone Has Pitched Mega Debt Package for Anthropic Chip Deal

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