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KI-Wirtschaft

Anthropic verpflichtet Monzo-Gründer Blomfield fürs Compute-Team

Y Combinator verliert vorübergehend einen Vollpartner – Tom Blomfield wechselt zum 13. Juli 2026 ins Compute-Team von Anthropic. Dort arbeitet er mit Mitgründer Tom Brown an der Rechenkapazität für Claude. Anthropic hatte im Mai 2026 bei einer Bewertung von 965 Milliarden Dollar frisches Kapital eingesammelt.

Von Brian Beckmann · 15. Juli 2026 · 3 Min

Symbolische Aufnahme eines Rechenzentrum-Kontrollraums mit Serverreihen und Monitoren zu Rechenkapazität, passend zum Wechsel von Tom Blomfield ins Compute-Team von Anthropic

Der britische Fintech-Gründer Tom Blomfield wechselt von Y Combinator zu Anthropic und arbeitet dort künftig im Compute-Team an der Rechenkapazität für Claude. Das gab er am 13.

Juli 2026 selbst auf der Plattform X bekannt. Anthropic hatte wenige Wochen zuvor eine Finanzierungsrunde über 65 Milliarden Dollar bei einer Bewertung von 965 Milliarden Dollar abgeschlossen.

Blomfield wechselt für die Rechenkapazität ins Compute-Team

Blomfield wird laut eigenen Angaben Mitglied des technischen Stabs und arbeitet direkt mit Tom Brown zusammen, Mitgründer von Anthropic und Chief Compute Officer des Unternehmens. Er nimmt dafür eine Auszeit von Y Combinator, wo er seit Mai 2023 Vollpartner war und zuvor ab November 2021 als Gastpartner Gründerteams im Fintech-Bereich beriet.

Auf X begründete er den Wechsel damit, dass leistungsfähige KI das Potenzial habe, das Leben jedes Menschen zu verbessern, und dass die Verfügbarkeit von Rechenkapazität in der frühen Phase rekursiver Selbstverbesserung zu einer der wichtigsten offenen Fragen werde.

Die Personalie folgt auf eine Reihe prominenter externer Einstellungen bei Anthropic: Im Mai 2026 wechselte der frühere OpenAI-Mitgründer Andrej Karpathy ins Pretraining-Team, zudem holte das Unternehmen den ehemaligen Microsoft-Manager Eric Boyd in eine Führungsposition.

Anthropic setzt damit erkennbar auf Persönlichkeiten mit unternehmerischer und kommerzieller Erfahrung statt ausschließlich auf klassische Forschungsprofile. Brown selbst hatte Anthropic 2021 mitgegründet, nachdem er zuvor bei OpenAI am Training des Sprachmodells GPT-3 beteiligt gewesen war.

Anthropic sichert sich Kapazität über mehrere Milliardendeals

Anthropics Ausbau der Recheninfrastruktur stützt sich, wie The Next Web berichtet, auf mehrere parallele Vereinbarungen. Vorgesehen ist der Einsatz von rund einer Million Google-TPUs, wobei mehr als ein Gigawatt Kapazität noch 2026 ans Netz gehen soll – das zugrunde liegende Google-Abkommen soll laut Tech Funding News einen zweistelligen Milliardenbetrag umfassen.

Eine weitere Vereinbarung mit Google und dem Chiphersteller Broadcom bringe ab 2027 zusätzliche 3,5 Gigawatt der nächsten TPU-Generation. Über eine im Mai 2026 geschlossene Kooperation mit xAI erhält Anthropic zudem Zugriff auf mehr als 220.000 Nvidia-GPUs in dessen Colossus-Rechenzentren, die ursprünglich im Rahmen einer Partnerschaft mit SpaceX aufgebaut wurden.

Die britische KI-Beraterin Gail Weiner ordnet den Wechsel gegenüber PYMNTS als Zeichen dafür ein, dass Rechenkapazität längst kein rein technisches Problem mehr sei, sondern zunehmend ein kommerzielles und operatives.

Für Vertragsverhandlungen mit Chip- und Energieanbietern erscheinen Dealmacher wie Blomfield damit geeigneter als klassische Infrastruktur-Ingenieure, da es um Vorauszahlungen, Lieferzusagen und Kapazitätsreservierungen im Wettbewerb mit Google, Microsoft und OpenAI geht, in dem Rechenzentrumsflächen und Energieanschlüsse ebenso knapp sind wie die Chips selbst.

Blomfield bringt Erfahrung aus zwei Milliarden-Exits mit

Blomfield gründete 2015 die britische Mobile-Bank Monzo und war dort bis 2020 Vorstandschef; bereits 2011 hatte er den Zahlungsdienstleister GoCardless mitgegründet. GoCardless ging inzwischen für 1,05 Milliarden Euro an den Zahlungsanbieter Mollie, die kombinierte Spitzenbewertung beider Unternehmen habe zuletzt bei über neun Milliarden Dollar gelegen.

Anthropic selbst hatte im Mai 2026 in einer eigenen Mitteilung die Serie-H-Runde von 65 Milliarden Dollar bei einer Bewertung von 965 Milliarden Dollar bekanntgegeben, verbunden mit einer laufenden Jahresumsatzrate von mehr als 47 Milliarden Dollar und einer Investorengruppe um Altimeter Capital, Dragoneer, Greenoaks und Sequoia.

Mit dieser Bewertung löste Anthropic laut CNBC OpenAI als wertvollstes reines KI-Unternehmen ab – unabhängig nicht verifiziert ist, wie belastbar dieser direkte Vergleich zweier privat gehaltener Unternehmen ausfällt.

Das Unternehmen peilt für Oktober 2026 einen Börsengang an, zu dessen Rahmenbedingungen bislang keine offiziellen Angaben vorliegen; Monzo bereitet unterdessen parallel einen eigenen Börsengang in London vor, mit einer erwarteten Bewertung von sechs bis sieben Milliarden Pfund.

Entscheidend wird, ob sich Anthropics Wette auf kommerzielle Verhandlungsstärke statt reiner Ingenieurskapazität auszahlt: Die angekündigten Gigawatt-Kapazitäten müssen erst noch tatsächlich ans Netz gehen, während der Wettbewerb um Chips, Energie und Rechenzentrumsflächen zwischen den großen KI-Anbietern weiter zunimmt.

Quellen

  1. Tom Blomfield auf X: Personal update
  2. The Next Web: Monzo founder Tom Blomfield joins Anthropic's compute team
  3. Tech Funding News: Monzo co-founder Tom Blomfield takes leave from Y Combinator to join Anthropic
  4. PYMNTS: Anthropic Recruits Monzo Co-Founder to Tackle Compute Issues
  5. Anthropic: Anthropic raises $65B in Series H funding at $965B post-money valuation
  6. CNBC: Anthropic tops OpenAI as most valuable AI startup, nears $1 trillion valuation in latest round

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