Recht

Hachette und Elsevier verklagen Google wegen Gemini-Training

2 Min. Lesezeit
Bücherstapel von Hachette, Elsevier und Cengage vor dem Google-Logo, Symbolbild zur Sammelklage der Verlage gegen den Konzern wegen des KI-Trainings von Gemini. Generiertes Bild mit GPT Image 2
Bücherstapel von Hachette, Elsevier und Cengage vor dem Google-Logo, Symbolbild zur Sammelklage der Verlage gegen den Konzern wegen des KI-Trainings von Gemini.

TL;DR Too Long; Didn’t read

Hachette, Elsevier, Cengage und Autor Scott Turow reichen am 13. Juli 2026 eine Sammelklage gegen Google ein. Sie werfen dem Konzern vor, Gemini mit Millionen urheberrechtlich geschützter Bücher und Fachartikel trainiert zu haben, teils aus illegalen Quellen. Ein internes Google-Dokument warnte laut Klageschrift vor Strafen von zehn bis hundert Milliarden Dollar.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Klage nennt als Gerichtsstand das Bundesgericht für den Southern District of New York.
  • Google soll Copyright-Management-Informationen entfernt haben, um Trainingsquellen zu verschleiern.
  • Gemini erzeugte laut Klageschrift eine rund 2000 Wörter lange Zusammenfassung von Turows Roman „Innocent".
  • Dieselben vier Kläger verklagten bereits im Mai 2026 Meta wegen vergleichbarer Vorwürfe.
  • Anthropic zahlte 1,5 Milliarden Dollar, um eine ähnliche Sammelklage beizulegen – bislang der höchste US-Vergleichsbetrag in einem Urheberrechtsfall.
  • Google äußerte sich bislang nicht öffentlich zu den neuen Vorwürfen.

Die US-Verlage Hachette, Elsevier und Cengage sowie Bestsellerautor Scott Turow haben am 13. Juli 2026 vor einem Bundesgericht in New York eine Sammelklage gegen Google eingereicht. Der Konzern habe Millionen urheberrechtlich geschützter Bücher und Fachartikel ohne Erlaubnis für das Training seines KI-Modells Gemini verwendet, teils aus illegalen Quellen im Internet.

Klageschrift listet konkrete Vorwürfe gegen Google auf

Die Klageschrift, verfasst von den Kanzleien Oppenheim + Zebrak und Keller Rohrback, wirft Google vor, Bücher aus dem Programm Google Books zweckentfremdet zu haben: Diese seien der Verlagsgruppe Hachette Book Group zufolge ursprünglich nur für begrenzte Zwecke wie die Volltextsuche freigegeben worden. Zusätzlich habe der Konzern große Teile des Internets abgegriffen, darunter Inhalte aus bekannten Piraterie-Quellen und von kostenpflichtigen Angeboten hinter Bezahlschranken.

Der Klage zufolge habe Google außerdem sogenannte Copyright-Management-Informationen aus den Werken entfernt, um die Herkunft der Trainingsdaten zu verschleiern. Gemini erzeuge zudem Inhalte, die Originalwerke direkt ersetzen könnten: Das Modell habe laut TechCrunch etwa eine rund 2000 Wörter lange Zusammenfassung von Turows Roman „Innocent” erzeugt. Ein solcher Output stehe in direkter Konkurrenz zu offiziellen Studienführern und Buchbesprechungen, argumentieren die Kläger.

Auch Lehrbuchverlag Cengage berichtet von Fällen, in denen Gemini vollständige Kapitel akademischer Werke nahezu wortgleich reproduziert habe. Die Kläger werten das als Beleg, dass Google die ursprünglich erteilten Nutzungsrechte weit überschritten habe.

Internes Dokument warnt vor Milliardenstrafen

Zentraler Beleg der Klage ist ein internes Google-Dokument, das die Nutzung urheberrechtlich geschützter Bücher für das KI-Training als „hochproblematisch” eingestuft habe. Die Analyse habe vor möglichen Strafzahlungen in Höhe von zehn bis hundert Milliarden Dollar gewarnt – eine Zahl, die unabhängig nicht verifiziert ist und ausschließlich aus der Klageschrift selbst stammt.

Der Fall ist nicht der erste seiner Art: Dieselben vier Kläger reichten bereits im Mai 2026 eine nahezu identische Klage gegen Meta ein. Zwei kalifornische Bundesrichter hatten zuvor in separaten Verfahren entschieden, dass das Training von KI-Modellen mit urheberrechtlich geschütztem Material grundsätzlich unter die Fair-Use-Doktrin fallen kann. Die Kläger im aktuellen Fall argumentieren jedoch, Google habe zusätzlich gegen Vertragsbedingungen und gegen das Verbot der Entfernung von Copyright-Informationen verstoßen, was über eine reine Fair-Use-Frage hinausgehe.

Wie kostspielig ein KI-Urheberrechtsstreit für ein Unternehmen werden kann, zeigte zuletzt Adweek zufolge Anthropic: Der Konzern zahlte 1,5 Milliarden Dollar, um eine ähnliche Sammelklage beizulegen – der bislang höchste bekannte Vergleichsbetrag in einem US-Urheberrechtsfall. Google äußerte sich bislang nicht öffentlich zu den neuen Vorwürfen.

Entscheidend wird, ob das zuständige Gericht die Trainingspraxis trotz der zusätzlichen Vorwürfe rund um entfernte Copyright-Informationen und mutmaßlichen Vertragsbruch als Fair Use einstuft, wie es amerikanische Bundesrichter in den Verfahren gegen Meta und OpenAI bereits getan haben. Einen Termin für eine erste Anhörung hat das Gericht bislang nicht angesetzt; bis zu einer Entscheidung dürften angesichts vergleichbarer Verfahren mehrere Monate vergehen.

Häufige Fragen

Wer klagt gegen Google?

Die Verlage Hachette Book Group, Cengage Learning und Elsevier sowie der Autor Scott Turow reichten die Sammelklage gemeinsam ein.

Vor welchem Gericht läuft das Verfahren?

Die Klage liegt beim Bundesgericht für den Southern District of New York.

Gab es zuvor bereits vergleichbare Klagen gegen KI-Unternehmen?

Ja, dieselben Kläger gingen im Mai 2026 mit einer fast identischen Klage gegen Meta vor, und Anthropic beglich 2025 einen ähnlichen Streit mit einer Zahlung von 1,5 Milliarden Dollar.

Wie hoch könnte eine Strafe für Google ausfallen?

Ein in der Klage zitiertes internes Google-Dokument nennt eine Größenordnung von zehn bis hundert Milliarden Dollar; diese Zahl stammt allein aus der Klageschrift und ist unabhängig nicht bestätigt.

Hat sich Google bereits zu den Vorwürfen geäußert?

Nein, der Konzern hat bislang keine öffentliche Stellungnahme abgegeben.


← Zurück zum Blog