OpenAI entwickelt laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg sein erstes eigenes Hardware-Produkt: einen beweglichen Lautsprecher ohne Bildschirm, der als ständiger KI-Begleiter im Haushalt dienen soll. Das Gerät ist eines von rund fünf Hardware-Projekten, an denen OpenAI gemeinsam mit dem 2025 übernommenen Designstudio io von Jony Ive arbeitet.
Lautsprecher kombiniert Kamera, Sensoren und bewegliche Mechanik
Das Gerät kommt ohne Bildschirm aus, verfügt aber über eine Kamera und mehrere Sensoren, die die Umgebung erfassen sollen. Mechanische Elemente ermöglichen eigenständige Bewegungen, wodurch der Lautsprecher lebendiger wirken soll als klassische Smart-Speaker. Ein Akku erlaubt laut TechCrunch den Betrieb ohne Kabel. Das Gerät lässt sich so zwischen Küche, Wohnzimmer und Schlafzimmer mitnehmen oder dauerhaft angeschlossen betreiben. Die verbauten KI-Modelle sollen leistungsfähiger sein als jene in herkömmlichen Smart-Speakern von Amazon oder Google.
OpenAI positioniert den Lautsprecher intern als physische Verkörperung von ChatGPT mit eigener Persönlichkeit. Das Produkt soll sich über Zeit an seine Besitzer anpassen, lernt demnach deren Gewohnheiten und erhält Zugriff auf digitale Dienste wie E-Mails. An der Entwicklung arbeiten laut Bloomberg auch zahlreiche frühere Apple-Ingenieure mit, die zuvor an iPhone und Mac beteiligt waren. Jony Ive kam im Mai 2025 durch die Übernahme seines Studios io zu OpenAI und leitet seither die Hardware-Sparte des Unternehmens mit. Kamera und Dauerzugriff auf persönliche Daten dürften dabei auch Fragen zum Datenschutz aufwerfen.
Apple wirft OpenAI Diebstahl von Geschäftsgeheimnissen vor
Die Hardware-Pläne fallen in eine Phase juristischer Auseinandersetzung mit Apple. Der Konzern reichte am zehnten Juli 2026 vor einem Bundesgericht in Nordkalifornien Klage gegen OpenAI ein. Er wirft dem Unternehmen sowie zwei früheren Apple-Mitarbeitern den Diebstahl vertraulicher Informationen zu unveröffentlichten Produkten vor. Namentlich genannt werden OpenAIs Hardware-Chef Tang Tan, ein 24 Jahre lang bei Apple beschäftigter früherer Produktdesign-Verantwortlicher für iPhone und Apple Watch, sowie der frühere Apple-Systemingenieur Chang Liu. Tan habe demnach interne Apple-Codenamen im Recruiting verwendet und Bewerber gebeten, Apple-Bauteile zu Gesprächen mitzubringen. Liu soll ein Apple-Laptop behalten und vertrauliche technische Dokumente heruntergeladen haben.
OpenAIs Kommunikationsdirektor Drew Pusateri reagierte noch am selben Tag auf X: Man habe kein Interesse an fremden Geschäftsgeheimnissen und konzentriere sich auf die Entwicklung eigener Technologie. Wenige Tage später erklärte OpenAI zusätzlich, es lägen keine Belege vor, die Apples Vorwürfe stützten. Dem Bloomberg-Bericht zufolge weiche das geplante Lautsprecher-Gerät deutlich von Apples aktuellen Produkten ab, weshalb eine Verletzung von Geschäftsgeheimnissen unwahrscheinlich sei.
Weitere Hardware-Geräte sollen folgen
Der Lautsprecher ist nach Bloomberg-Angaben nur eines von mehreren Geräten, die OpenAI parallel entwickelt. OpenAI hatte io im Jahr 2025 für rund 6,5 Milliarden Dollar übernommen, um sich Hardware-Expertise ins Haus zu holen. Langfristig soll ein mobiles KI-Gerät entstehen, das Smartphones ersetzen könnte. Zudem habe das Unternehmen bereits Wearables in Form von Anhängern sowie Ansätze für Heimrobotik geprüft. Ein früherer Rechtsstreit um die Marke iyO habe zudem festgelegt, dass das aktuelle Gerät weder als Wearable noch als Im-Ohr-Produkt gelten dürfe. Diese Abgrenzung gewinnt angesichts der Apple-Klage zusätzlich an Bedeutung.
Zeitplan und Preis des Lautsprechers nennt keine der Quellen. OpenAI äußerte sich bislang nicht offiziell zu den Produktdetails. Die Angaben stammen ausschließlich aus Bloombergs Bericht, der sich auf mit der Sache vertraute Personen beruft und unabhängig nicht verifiziert ist. Eine offizielle Vorstellung des Geräts durch OpenAI selbst steht damit weiterhin aus, ebenso eine Stellungnahme des Unternehmens zu den technischen Details.
Entscheidend wird, ob OpenAI das Gerät tatsächlich auf den Markt bringt, während Apples Klage im Hintergrund weiterläuft und im Beweisverfahren auch auf interne Hardware-Dokumente zielen dürfte. Offen bleibt zudem, wie sich ein KI-Lautsprecher mit Zugriff auf E-Mails und Alltagsgewohnheiten von etablierten Anbietern wie Amazon oder Google abheben will, ohne neue Datenschutzbedenken auszulösen.


