KI-Wirtschaft

Anthropic und Accenture investieren 2 Milliarden Dollar in KI-Prüfung

3 Min. Lesezeit

TL;DR Too Long; Didn’t read

Anthropic und die Beratungsfirma Accenture bauen ein Team unabhängiger Prüfer auf, das dauerhaft mit Mitarbeiterzugang in Anthropics Räumen arbeitet. Beide Unternehmen investieren dafür in den kommenden fünf Jahren jeweils mindestens eine Milliarde Dollar. Die Accenture-Tochter Faculty testet Anthropics Modelle künftig auf Schwachstellen, Zielabweichungen und Sicherheitslücken – ein erster konkreter Schritt zu Amodeis Ankündigung vom 12. September.

Eine Lupe mit dem Anthropic-Logo schwebt über einem Serverschrank, auf dem ein Accenture-Logo-Aufkleber wie ein Prüfsiegel klebt. Generiertes Bild mit GPT Image 2

Das Wichtigste in Kürze

  • Beide Firmen wollen binnen fünf Jahren zusammen mindestens zwei Milliarden Dollar in die externe Modellprüfung stecken.
  • Accentures Sparte Faculty erhält Bürozugang und Rechte, die denen interner Anthropic-Mitarbeiter entsprechen.
  • Amodei hatte externe Prüfer mit Mitarbeiterstatus bereits in seinem Essay vom 12. September angekündigt.
  • Anthropic sucht laut eigenen Angaben weitere Partner, etwa die Prüforganisation METR.
  • Kritiker bezweifeln, ob ein von Anthropic mitfinanziertes Prüfteam wirklich unabhängig urteilen kann.
  • Konkrete Regeln für Zugang und Veröffentlichung der Prüfergebnisse fehlen laut Anthropic noch.

Anthropic und die Unternehmensberatung Accenture bauen gemeinsam ein Team externer Prüfer auf, das dauerhaft und mit Mitarbeiterzugang in Anthropics Büros arbeitet. Beide Firmen investieren dafür in den kommenden fünf Jahren jeweils mindestens eine Milliarde Dollar. Die Accenture-Sparte Faculty testet ab sofort Anthropics KI-Modelle auf Schwachstellen und Zielabweichungen.

Faculty prüft Modelle mit Zugang wie eigene Mitarbeiter

Das Konzept nennt Anthropic eingebettete Evaluation: Externe Prüfer arbeiten direkt in den Räumen des Unternehmens und erhalten Zugangsrechte, die denen fest angestellter Mitarbeiter entsprechen. Sie sollen Modelle während des Trainings beobachten, Entscheidungen zum Modellbau und zur Freigabe begleiten und direkt mit Anthropic-Beschäftigten sprechen. Für die praktische Prüfarbeit ist die Accenture-Tochter Faculty zuständig, die auf KI-Sicherheitstests spezialisiert ist und demnach Red-Teaming durchführt, bewertet, ob sich Modelle an ihre erklärten Ziele halten, und eingebaute Schutzmechanismen testet.

Insgesamt wollen beide Unternehmen binnen fünf Jahren mindestens zwei Milliarden Dollar in den Aufbau dieser Prüfkapazität stecken – eine Zahl, die bislang allein von den beiden Vertragspartnern selbst stammt und unabhängig nicht verifiziert ist. Anthropic finanziert die Arbeit von Faculty zunächst direkt; langfristig sollen laut eigenem Sicherheitsrahmenwerk gebündelte Mittel mehrerer Unternehmen oder staatliche Gelder an ihre Stelle treten.

Deal setzt Amodeis Pacing-Essay in die Praxis um

Anthropic verortet die Partnerschaft als ersten konkreten Schritt zu einer Zusage, die Amodei bereits im September in seinem Essay angekündigt hatte: dauerhafter, mitarbeitergleicher Zugang für externe Prüfer als Gegenleistung für ein bewusst gedrosseltes Entwicklungstempo. Accenture-Chefin Julie Sweet erklärte, Sicherheit brauche sowohl technisches Fachwissen als auch ein klares Verständnis dafür, wie KI in der Praxis eingesetzt werde. Faculty-Gründer Marc Warner beschrieb sein Team als Einheit, die KI „safe by design, not safe by accident” machen wolle.

Anthropic erklärte zudem, mit der Prüforganisation METR und weiteren gemeinnützigen Stellen im Gespräch zu sein, um einzelne Elemente der eingebetteten Evaluation zu erproben. Zwei frühere Sicherheitsforscher waren erst vor wenigen Tagen von Anthropic und Google DeepMind zu genau dieser Organisation gewechselt und hatten dabei fehlende verbindliche Transparenzpflichten kritisiert. Weitere Prüfpartner will Anthropic nach eigenen Angaben in den kommenden Wochen bekanntgeben.

Beobachter bezweifeln die Unabhängigkeit der Prüfer

Die Wahl überraschte Branchenbeobachter: Wie TechCrunch berichtet, hatten viele Fachleute eher mit spezialisierten Sicherheitsorganisationen wie METR, Redwood Research oder Apollo Research gerechnet als mit einem Beratungskonzern. Kritiker bezweifeln zudem, ob ein Prüfteam, das Anthropic selbst mitbezahlt und mitfinanziert, wirklich unabhängig urteilen kann. Einige verweisen dabei auch auf Anthropics bevorstehenden Börsengang und fragen, ob Selbstkontrolle in dieser Phase ausreicht.

Besonders vor dem Hintergrund realer Vorfälle wiegt der Einwand schwer: Erst im Sommer hatten Claude-Modelle bei internen Sicherheitstests unbeabsichtigt Zugriff auf Systeme fremder Firmen erhalten, ohne dass dies zunächst auffiel. Anthropic räumt selbst ein, dass für Zugang und Veröffentlichungsrechte externer Prüfer noch keine verbindlichen Standards existieren, und erwartet, dass sich der Ansatz mit der Zeit weiterentwickelt.

Offen bleibt, ob aus der Ankündigung tatsächlich veröffentlichte, für Außenstehende nachprüfbare Befunde werden oder ob Faculty-Ergebnisse allein intern bei Anthropic verbleiben. Ebenso unklar ist, wann die langfristige Finanzierung durch gebündelte oder staatliche Mittel einsetzt, die Anthropics eigenes Sicherheitsrahmenwerk als Ziel nennt. Erste konkrete Ergebnisse der eingebetteten Prüfer dürften frühestens in den kommenden Monaten vorliegen, wenn Anthropic wie angekündigt weitere Partner neben Accenture bekanntgibt.

Häufige Fragen

Wann beginnt das eingebettete Prüfteam bei Anthropic mit der Arbeit?

Ein festes Startdatum nennen beide Unternehmen nicht. Anthropic erklärt, viele Details zu Zugang und Ablauf würden noch ausgearbeitet.

Zahlt Anthropic Accenture für die Prüfung seiner eigenen Modelle?

Ja, Anthropic finanziert die Arbeit von Faculty zunächst direkt. Langfristig sollen laut Anthropics eigenem Sicherheitsrahmenwerk gebündelte Mittel mehrerer Unternehmen oder staatliche Gelder an ihre Stelle treten.

Ist Accenture die einzige externe Organisation, die Anthropics Modelle prüft?

Nein. Anthropic erklärt, zusätzlich mit der Prüforganisation METR und weiteren gemeinnützigen Stellen im Gespräch zu sein, und kündigt weitere Partner für die kommenden Wochen an.

Worin unterscheidet sich eingebettete Evaluation von bisherigen externen Sicherheitstests?

Statt einzelner Testläufe erhalten die Prüfer dauerhaften, mitarbeitergleichen Zugang. Sie sollen Training und Freigabeentscheidungen fortlaufend begleiten statt nur punktuell zu testen.

Haben andere KI-Anbieter wie OpenAI oder Google Ähnliches angekündigt?

Bislang nicht in vergleichbarem Umfang. Sam Altman hatte im September lediglich angekündigt, dass auch OpenAI unabhängige Prüfer mit Mitarbeiterzugang einsetzen wolle, ohne bereits einen konkreten Partner zu benennen.

Quellen (3)
  1. Anthropic: Partnering with Accenture on embedded evaluation
  2. TechCrunch: Anthropic's first embedded evaluator is … Accenture?
  3. Investing.com (Reuters): Accenture partners with Anthropic on AI safety evaluation

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