Der Generatorenhersteller Generac und der Cloud-Konzern Amazon haben einen langfristigen Liefervertrag über Notstromtechnik für Rechenzentren geschlossen, wie aus einer Mitteilung an die US-Börsenaufsicht SEC hervorgeht. Das Gesamtvolumen kann auf bis zu acht Milliarden Dollar steigen, wovon 2,4 Milliarden Dollar bereits für die Jahre 2027 und 2028 verbindlich vereinbart sind.
Optionsschein koppelt Amazon-Beteiligung an künftige Zahlungen
Der Optionsschein umfasst bis zu 1.693.745 Generac-Aktien zu einem Ausübungspreis von 200,93 Dollar je Anteil. Rund 308.000 Aktien kann Amazon sofort ausüben, der Rest wird erst freigeschaltet, sobald Generac tatsächliche Zahlungen aus dem Liefervertrag erhält – gestaffelt bis zur Acht-Milliarden-Grenze. Der Optionsschein läuft bis zum 16. September 2033. Nach Presseberichten könnte Amazon damit auf einen Anteil von rund drei Prozent an Generac kommen; die SEC-Mitteilung selbst nennt keinen Prozentwert.
Amazon kann den Optionsschein wahlweise bar oder unbar, also durch Verrechnung mit dem Aktienwert, ausüben. Die Mitteilung räumt Amazon zudem Registrierungsrechte für die Aktien ein, mit denen der Konzern die Anteile später am Markt verkaufen könnte, ohne eine separate Zulassung zu beantragen. Solche Optionsscheine binden Zulieferer wirtschaftlich an ihre Großkunden: Steigt der Aktienkurs infolge des Auftrags, profitiert der Käufer zusätzlich vom Kursgewinn, ohne selbst dauerhaft als Aktionär auftreten zu müssen. Für Generac sichert der Großauftrag im Gegenzug die Auslastung der eigenen Fertigung über mehrere Jahre ab, unabhängig vom kurzfristigen Kursverlauf der eigenen Aktie.
Generac-Aktie schwankt nach Rekordsprung deutlich
Generac veröffentlichte die Mitteilung am Mittwochabend, die Aktie sprang im nachbörslichen Handel um bis zu 45 Prozent nach oben. Am Donnerstag pendelte der Kurs zwischen rund 250 und 208 Dollar, nachdem er vor der Ankündigung bei etwa 175 Dollar gelegen hatte – ein Plus von rund 19 Prozent zum Handelsschluss. Vorstandschef Aaron Jagdfeld erklärte laut dem US-Sender WPR, die Vereinbarung positioniere das Unternehmen für „diese generationelle Wachstumschance”.
Generac stellt Notstromaggregate für Privathaushalte und Unternehmen her und beschäftigt nach eigenen Angaben mehr als 4.800 Menschen an elf Standorten in Wisconsin, darunter sieben Fertigungswerke. Das Rechenzentrumsgeschäft wuchs im zweiten Quartal 2026 um 29 Prozent und sei der Haupttreiber des gewerblichen Umsatzwachstums gewesen. Der Deal fällt in eine Phase, in der die Stromnachfrage von KI-Rechenzentren 2025 weltweit um 50 Prozent gestiegen ist, zeigen Daten der Internationalen Energieagentur – deutlich schneller als der Rechenzentrums-Stromverbrauch insgesamt mit 17 Prozent oder der weltweite Stromverbrauch mit 3 Prozent.
Ähnliche Optionsschein-Deals häufen sich in der Branche
Vergleichbare Konstruktionen sind zuletzt üblicher geworden: Erst im September ließ sich Amazon bei einem 60-Milliarden-Dollar-Chip-Liefervertrag mit Qualcomm ähnliche Kaufoptionen einräumen. Nvidia wiederum sicherte sich im August mit einer Investition von bis zu drei Milliarden Dollar rund ein Fünftel des Stromversorgers Lancium. Auch der Softwarekonzern Oracle erhielt im April einen Optionsschein über 400 Millionen Dollar auf den Brennstoffzellen-Hersteller Bloom Energy, nachdem beide Firmen ihre Zusammenarbeit auf bis zu 2,8 Gigawatt ausgeweitet hatten.
Auch beim Netzausbau selbst kooperieren große KI-Anbieter inzwischen direkt: Google, Nvidia und Anthropic gründeten im September mit 18 weiteren Partnern eine Stromallianz für KI-Rechenzentren, die rund 100 Gigawatt zusätzliche Netzkapazität in den USA erschließen soll. Der Generac-Deal setzt dagegen nicht auf Netzanschluss, sondern auf autarke Notstromversorgung vor Ort. Amazon selbst treibt parallel eigene Kraftwerksprojekte voran, etwa ein Gaskraftwerk in Texas mit bis zu 7,65 Gigawatt Leistung für ein neues Rechenzentrum.
Offen bleibt, ob Amazon die Optionsscheine tatsächlich vollständig ausübt oder sie nur als Absicherung hält, solange der Generac-Kurs schwankt. Entscheidend wird zudem, ob Generac die für 2027 und 2028 zugesagten 2,4 Milliarden Dollar an Aufträgen abrufen kann – die übrigen 5,6 Milliarden Dollar des Acht-Milliarden-Rahmens hängen von noch nicht bezifferten Folgeaufträgen ab.


