Amazon baut in Pecos County, Texas, ein eigenes Gaskraftwerk, um ein neues KI-Rechenzentrum mit Strom zu versorgen. Die Umweltgenehmigung erlaubt einen Ausstoß von bis zu 33 Millionen Tonnen Kohlendioxid pro Jahr – mehr als doppelt so viel wie das bislang größte Einzelkraftwerk der USA. Die Anlage soll zunächst nicht ans öffentliche Stromnetz angeschlossen werden.
Pacifico Energy errichtet 35 Turbinen auf der GW Ranch
Auf einem als GW Ranch bezeichneten Gelände in Pecos County entstehen 35 Gasturbinen mit einer gemeinsamen Kapazität von 7,65 Gigawatt. Bauherr und Betreiber ist der Energieentwickler Pacifico Energy; die texanische Umweltbehörde TCEQ genehmigte die Anlage bereits am 26. Januar 2026, Amazon kauft den Strom über einen langfristigen Liefervertrag, ohne die Anlage selbst zu besitzen. Dass der Onlinehändler hinter dem Projekt steckt, deckte der Branchendienst Distilled Earth erst Anfang August auf; der Bau begann im Juli 2026, erste Stromlieferungen sind für das erste Quartal 2027 vorgesehen.
Ergänzend kündigte Pacifico Energy bis zu 750 Megawatt Solarstrom und 1,8 Gigawatt Batteriespeicher an – ein Zusatz, kein Ersatz für die Gasturbinen. Für den Betrieb nutzt die Anlage nicht trinkbares Brackwasser, das sich weder zum Trinken noch zur Bewässerung eignet. Das Kraftwerk soll zunächst nicht an das texanische Verbundnetz angeschlossen werden, wie The Next Web berichtet. Amazon umgeht damit die langen Wartezeiten für Netzanschlüsse, an denen derzeit viele geplante KI-Rechenzentren in den USA scheitern – Anschlussanfragen an US-Netzbetreiber stauen sich vielerorts über Jahre, weil Leitungen und Umspannwerke für den plötzlichen Strombedarf der Branche fehlen.
Umweltorganisationen warnen vor Folgen für die Gesundheit
Kathryn Guerra, Kampagnenleiterin bei der Verbraucherschutzorganisation Public Citizen, sagte gegenüber GV Wire, die Anlage werde “enorme Auswirkungen auf Umwelt und öffentliche Gesundheit” haben. Gasbefeuerte Kraftwerke stoßen smogbildende Schadstoffe aus, die mit Herz-Kreislauf- und Atemwegserkrankungen in Verbindung gebracht werden. Zum Vergleich: Das bislang größte Einzelkraftwerk der USA, das Kohlekraftwerk James H. Miller Jr. in Alabama, stößt rund 16 Millionen Tonnen Kohlendioxid im Jahr aus – die Genehmigung für die texanische Anlage erlaubt gut das Doppelte.
Die TCEQ prüft bei solchen Genehmigungen Luftqualitäts-Auflagen für die einzelne Anlage, nicht aber deren Beitrag zum bundesweiten Ausstoß. Genau das kritisieren Umweltgruppen: Weil Texas mehrere off-grid-Kraftwerke parallel genehmigt, summiert sich die Belastung in der Region, ohne dass eine Behörde die Gesamtwirkung bewertet.
Auch jenseits von Amazon nimmt der Wettlauf um Rechenzentrums-Strom zu: Erst diese Woche investierte Nvidia drei Milliarden Dollar in den Stromversorger Lancium, um sich Kapazität für das Rechenzentrums-Projekt Stargate zu sichern.
Amazon verweist auf Klimaziele und wachsenden Strombedarf
Amazon erklärte laut The Next Web, das Unternehmen wolle für die vollen Kosten seiner Stromversorgung selbst aufkommen, und wolle die Anlage an das öffentliche Netz anschließen, sobald die Kapazitäten dafür bereitstehen. Der Konzern verweist zudem auf sein Klimaversprechen, bis 2040 netto keine Emissionen mehr zu verursachen, sowie auf zehn Gigawatt zugesagte emissionsfreie Energie in rund 40 Texas-Projekten.
Der Bedarf treibt Amazons Investitionen insgesamt: Erst kürzlich hob der Konzern seine Ausgabenprognose für Rechenzentren und KI-Infrastruktur 2026 auf 220 Milliarden Dollar an, weil die Cloud-Sparte AWS so schnell wächst wie seit Jahren nicht mehr. Rund 50 Kilometer von der GW Ranch entfernt bauen Microsoft und der Ölkonzern Chevron eine ähnliche, rund zwei Gigawatt große Anlage – ebenfalls ohne direkten Netzanschluss.
Entscheidend wird, ob Pacifico Energy die zugesagte Solar- und Speicherkapazität zügig nachrüstet oder das Gaskraftwerk über Jahre hinweg die Hauptlast trägt. Cleanview-Gründer Michael Thomas bezeichnete das Projekt gegenüber GV Wire als möglichen Vorboten für weitere Kraftwerke dieser Art abseits des öffentlichen Netzes – offen bleibt, ob texanische Behörden das off-grid-Modell künftig strenger prüfen, wenn weitere Tech-Konzerne dem Beispiel folgen.


