KI-Wirtschaft

Amazon erhöht KI-Investitionen auf 220 Milliarden Dollar

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Ein Amazon-Rechenzentrum mit langen Serverreihen und sichtbarem AWS-Logo, davor auf einem Bildschirm ein steigendes Balkendiagramm mit der Beschriftung 220 Milliarden Dollar. Generiertes Bild mit GPT Image 2
Ein Amazon-Rechenzentrum mit langen Serverreihen und sichtbarem AWS-Logo, davor auf einem Bildschirm ein steigendes Balkendiagramm mit der Beschriftung 220 Milliarden Dollar.

TL;DR Too Long; Didn’t read

Amazon hat seine Investitionsprognose für Rechenzentren und KI-Infrastruktur 2026 von 200 auf 220 Milliarden Dollar angehoben. Der Konzern begründet den Sprung mit gestiegenen Preisen für Speicherchips. Gleichzeitig wuchs die Cloud-Sparte AWS im zweiten Quartal so schnell wie seit über vier Jahren nicht mehr. Vorstandschef Andy Jassy erwartet, dass die Nachfrage die verfügbare Kapazität noch bis mindestens 2027 übersteigt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Amazon hebt die Kapitalausgaben für 2026 um 20 Milliarden auf insgesamt 220 Milliarden Dollar an.
  • Grund sind laut Unternehmen steigende Preise für Speicherchips, die KI-Rechenzentren benötigen.
  • AWS wuchs im zweiten Quartal 36,7 Prozent – das schnellste Tempo seit 18 Quartalen.
  • Der Gewinn verdreifachte sich auch dank Kursgewinnen aus Amazons Beteiligung an Anthropic.
  • Jassy rechnet damit, dass die Nachfrage die verfügbare Kapazität mindestens bis 2027 übersteigt.
  • Der AWS-Auftragsbestand erreichte 496 Milliarden Dollar bei dreistelligen Wachstumsraten.

Amazon hat seine geplanten Investitionen in Rechenzentren und Künstliche Intelligenz für das laufende Jahr von 200 auf 220 Milliarden Dollar angehoben. Das gab der Konzern am Donnerstag bei der Vorlage der Quartalszahlen bekannt und verwies auf gestiegene Preise für Speicherchips. Gleichzeitig verdreifachte sich der Gewinn auf 62,6 Milliarden Dollar, vor allem dank Kursgewinnen aus der Beteiligung an Anthropic.

AWS wächst so schnell wie seit vier Jahren nicht mehr

Der Konzernumsatz stieg im zweiten Quartal um 20 Prozent auf 200,6 Milliarden Dollar, der operative Gewinn kletterte um 43 Prozent auf 27,5 Milliarden Dollar. Das nordamerikanische Geschäft wuchs um 16 Prozent, das internationale Geschäft um 15 Prozent. Haupttreiber war jedoch die Cloud-Sparte AWS: Sie legte laut den am Donnerstag veröffentlichten Quartalszahlen um 36,7 Prozent auf 42,2 Milliarden Dollar zu – das schnellste Wachstum seit 18 Quartalen, also seit mehr als vier Jahren. Der operative AWS-Gewinn stieg um 63 Prozent, die Marge erreichte 39 Prozent. Die KI- und Chip-Geschäfte von AWS erreichten laut Amazon jeweils eine Jahresrate von mehr als 25 Milliarden Dollar. Der Auftragsbestand der Sparte wuchs im dreistelligen Prozentbereich auf 496 Milliarden Dollar. Diese vertraglich gebundene künftige Nachfrage zeigt, wie stark Firmenkunden weiterhin auf Cloud- und KI-Kapazität von Amazon setzen, obwohl die Konkurrenz von Microsoft und Google um dieselben Kunden wirbt. Der freie Cashflow der vergangenen zwölf Monate rutschte dabei wegen der hohen Investitionen ins Minus.

Steigende Speicherchip-Preise treiben die Investitionsprognose

Die Anhebung der Kapitalausgaben um 20 Milliarden Dollar begründet Amazon laut einem Bericht von Fortune in erster Linie mit gestiegenen Preisen für Speicherchips. Der Effekt betrifft die gesamte Branche: Wie beckmann.ai bereits berichtete, hat auch Samsung seine Preise für KI-Speicherchips um bis zu 20 Prozent angehoben, weil Fertigungskapazitäten für HBM4-Bausteine knapp sind; Marktforscher rechnen bis 2027 sogar mit einer Verdopplung der Vertragspreise für solche Speicherchips. Diese Kosten schlagen unmittelbar auf den Bau neuer Rechenzentren durch, da moderne KI-Beschleuniger auf besonders große Mengen an Hochleistungsspeicher angewiesen sind. Selbst mit dem höheren Budget werde Amazon die Nachfrage nach Rechenkapazität in diesem Jahr nicht vollständig decken können, räumte Vorstandschef Andy Jassy laut CNBC ein. Dieselbe Kapazitätslücke bleibe seiner Einschätzung nach auch 2027 bestehen. Bereits für 2028 zeichne sich eine auffällig hohe Nachfrage ab, auch wenn Amazon dazu bislang keine Zahlen genannt hat. Für Firmenkunden bedeutet das absehbar längere Wartezeiten auf neue Cloud-Kapazität und möglicherweise höhere Preise für Rechenleistung, sollte sich der Engpass wie angekündigt bis mindestens 2027 fortsetzen.

Rekordgewinn wirft Fragen zur Bewertung auf

Der Nettogewinn stieg von 18,2 auf 62,6 Milliarden Dollar. Ein Großteil des Sprungs stammt jedoch nicht aus dem operativen Geschäft, sondern aus einem nicht-operativen Sondereffekt von 53,4 Milliarden Dollar, den Amazon vor allem auf Kursgewinne seiner Beteiligung an Anthropic zurückführt. Der Effekt fällt in eine Woche, in der Investoren die KI-Ausgaben der gesamten Branche kritischer hinterfragen: Nach vergleichbaren Quartalszahlen waren die Aktien von Meta und Alphabet zeitweise deutlich gefallen, weil Anlegerinnen und Anleger an der kurzfristigen Rendite der Investitionen zweifelten. Wie beckmann.ai bereits zu einem Kursrutsch am Nasdaq berichtete, ist diese Skepsis in den vergangenen Wochen gewachsen. Amazons operatives AWS-Wachstum dämpfte die Sorge zunächst, der überwiegend bilanzielle Gewinnsprung dürfte sich in dieser Form aber nicht wiederholen.

Entscheidend wird, ob sich die höheren Ausgaben in messbarem Umsatzwachstum niederschlagen, bevor Investoren ungeduldig werden. Amazon selbst hatte erst im Juli in einer internen Präsentation eingeräumt, dass einzelne KI-Projekte ihr Budget um bis zu 860 Prozent überschritten – ein Kontrast zur nun offensiv kommunizierten Wachstumsstrategie. Der nächste Prüfstein ist das dritte Quartal, für das Amazon einen Umsatz zwischen 197 und 202 Milliarden Dollar in Aussicht stellt.

Häufige Fragen

Wie schneidet Amazon damit im Vergleich zu Meta und Alphabet ab?

Anders als Meta und Alphabet, deren Aktien nach den jüngsten Quartalszahlen wegen hoher KI-Ausgaben zeitweise deutlich fielen, reagierten Anlegerinnen und Anleger auf Amazons Zahlen zunächst positiver, weil das AWS-Wachstum die höheren Investitionen unterlegte.

Welche Rolle spielt die Beteiligung an Anthropic für Amazons Bilanz?

Ein Großteil des gestiegenen Nettogewinns stammt aus einem nicht-operativen Bewertungsgewinn von 53,4 Milliarden Dollar auf Amazons Anteile an Anthropic – ein bilanzieller Effekt, kein zusätzlicher Cashflow aus dem operativen Geschäft.

Wann rechnet Amazon damit, die Nachfrage nach Cloud-Kapazität vollständig zu decken?

Nicht vor 2027, so Vorstandschef Andy Jassy. Bereits für 2028 zeichnet sich laut Unternehmen weitere hohe Nachfrage ab, konkrete Zahlen dazu nennt Amazon bislang nicht.

Was bedeutet der Rekord-Auftragsbestand von AWS für Firmenkunden?

Der auf 496 Milliarden Dollar gewachsene Auftragsbestand zeigt, dass viele Unternehmen bereits langfristig Cloud- und KI-Kapazität bei Amazon gebucht haben – bei knapper werdenden Ressourcen kann das zu längeren Wartezeiten für neue Kunden führen.

Ist die Gewinnverdreifachung bei Amazon nachhaltig?

Nur teilweise: Das operative Geschäft wuchs solide um 43 Prozent, der Großteil des Gewinnsprungs geht aber auf den einmaligen Bewertungseffekt der Anthropic-Beteiligung zurück und dürfte sich in dieser Höhe nicht wiederholen.


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