KI-Wirtschaft

Amazon: KI-Projekt sprengt Budget um 860 Prozent

3 Min. Lesezeit
Ein stark ansteigendes Kostendiagramm auf einem Bildschirm vor einem Amazon-Logistikzentrum symbolisiert die Budgetüberschreitungen bei Amazons KI-Projekten. Generiertes Bild mit GPT Image 2
Ein stark ansteigendes Kostendiagramm auf einem Bildschirm vor einem Amazon-Logistikzentrum symbolisiert die Budgetüberschreitungen bei Amazons KI-Projekten.

TL;DR Too Long; Didn’t read

Bei einem internen Meeting deckte Amazon nach eigener Darstellung drei KI-Projekte mit drastischen Budgetüberschreitungen auf. Ein Vorhaben mit Claude Sonnet kostete am Ende 1,8 Millionen Dollar und lag 860 Prozent über Plan. Zwei weitere Projekte verursachten unerwartete Zusatzkosten von 541.000 und 134.000 Dollar. Als Reaktion baut der Konzern nun automatisierte Ausgabenkontrollen auf.

Das Wichtigste in Kürze

  • Amazon deckte die Kostenüberschreitungen bei einem internen Meeting am 28. Juli 2026 auf und sprach von „katastrophal teuren“ Ergebnissen.
  • Ein Datenabgleichs-Projekt mit Claude Sonnet kostete am Ende 1,8 Millionen Dollar – 860 Prozent über Plan.
  • Ein Finanzprüfungs-Tool verursachte 541.000 Dollar, ein Logistik-Projekt 134.000 Dollar an unerwarteten Zusatzkosten.
  • Amazon hatte zuvor eine interne Rangliste zum KI-Tool-Verbrauch betrieben und diese im Mai 2026 wieder abgeschaltet.
  • Ein Amazon-Sprecher bezeichnete die Fälle als Einzelfälle und widersprach einer Darstellung als Regelfall.
  • Amazon plant automatisierte Ausgabenobergrenzen und Pflichtprüfungen, ähnlich wie zuvor bereits Tesla, Uber und Meta.

Amazon hat nach eigenen Angaben mehrere KI-Projekte mit drastischen Kostenüberschreitungen identifiziert. Ein Vorhaben, das mithilfe von Anthropics Sprachmodell Claude Sonnet Autoren- mit Produktdaten abgleichen sollte, kostete 1,8 Millionen Dollar und überschritt sein Budget um 860 Prozent – der Fehlbetrag fiel erst nach fünf Monaten auf. Das Projekt lieferte am Ende kein brauchbares Ergebnis.

Drei KI-Projekte überziehen ihre Budgets deutlich

Bei einem internen Meeting am 28. Juli 2026, über das zuerst die Financial Times berichtete, legten Amazons leitende Ingenieure ihren Kolleginnen und Kollegen mehrere Fälle offen und bezeichneten die Ergebnisse als „katastrophal teuer”. Im größten Fall sollte Claude Sonnet doppelte oder falsch zugeordnete Autoreneinträge im Produktkatalog erkennen und mit den Einträgen auf der E-Commerce-Website abgleichen; die Kosten summierten sich auf 1,8 Millionen Dollar bei einer Budgetüberschreitung um 860 Prozent. Das zuständige Team hatte schrittweise handgeschriebenen Code durch KI-generierte Abfragen ersetzt, ohne die dabei nutzungsabhängig abgerechneten Token-Kosten laufend zu überwachen oder ein Ausgabenlimit festzulegen.

Bei einem Werkzeug zur Finanzprüfung fielen zusätzlich 541.000 Dollar an unvorhergesehenen Kosten an. Ein drittes Projekt, das Lieferzeiten im Logistiknetzwerk verkürzen sollte, verursachte 134.000 Dollar an ungeplanten Ausgaben – hier fiel der Fehler bereits nach rund zwei Wochen auf, beim Sonnet-Projekt hingegen erst nach fünf Monaten. Betroffen waren nur wenige Teams innerhalb der rund 300.000 Beschäftigten zählenden Amazon-Unternehmenssparte.

Amazon baut automatisierte Kostenkontrollen für KI-Projekte auf

Ursache der Überschreitungen sei die nutzungsabhängige Abrechnung moderner KI-Modelle: Programmfehler, die bei klassischem Code praktisch kostenlos zu beheben gewesen wären, könnten unter KI-Systemen schnell mehrere Hunderttausend Dollar verschlingen. Ein Amazon-Verantwortlicher räumte gegenüber den Kolleginnen und Kollegen ein: „Es ist schwierig herauszufinden, was KI-Nutzung im Einzelfall tatsächlich kostet.”

Amazon hatte zuvor eine interne Rangliste betrieben, die Beschäftigte nach ihrem KI-Tool-Verbrauch einstufte, und diese im Mai 2026 abgeschaltet, weil sie unbeabsichtigt zum reinen Token-Verbrauch anstachelte, statt Kosten zu sparen. Nun arbeiten die zuständigen Ingenieure an automatisierten Kontrollmechanismen mit festen Ausgabenobergrenzen und verpflichtenden Prüfungen durch Kolleginnen und Kollegen, die durchlaufende Kosten künftig frühzeitig stoppen sollen. Geplant sind unter anderem automatisierte Warnmeldungen bei ungewöhnlichem Kostenanstieg sowie eine verpflichtende interne Freigabe, bevor ein Team von klassischem Code auf KI-gestützte Verfahren umsteigt. Auch andere Konzerne wie Tesla, Uber, Meta und Walmart haben ihren Mitarbeitenden zuletzt feste Obergrenzen für KI-Ausgaben gesetzt, nachdem ähnliche Probleme aufgefallen waren.

Amazon widerspricht der Darstellung als Regelfall

Ein Amazon-Sprecher wies gegenüber der Financial Times zurück, dass die geschilderten Fälle den üblichen Umgang mit KI-Ausgaben im Konzern widerspiegelten, und bezeichnete sie als Einzelfälle. Der Bericht erscheint wenige Tage nach Amazons Quartalszahlen vom 30. Juli 2026, in denen der Konzern sein Investitionsbudget für 2026 auf rund 200 Milliarden Dollar bezifferte – größtenteils für KI- und Rechenzentrums-Infrastruktur. Amazon hatte zugleich zuletzt Zehntausende Stellen im Konzern gestrichen; Konzernchef Andy Jassy verwies dabei wiederholt auf künftige Effizienzgewinne durch KI, während das Unternehmen zugleich betont, KI sei nicht der Hauptgrund der meisten Kürzungen gewesen. Das Kostenproblem ist branchenweit bekannt: Erst kürzlich hatte OpenAI-Finanzchefin Sarah Friar öffentlich eingeräumt, dass viele Unternehmen den wirtschaftlichen Nutzen ihrer KI-Ausgaben nur schwer beziffern können.

Offen bleibt, ob die angekündigten Ausgabenobergrenzen ausreichen, um ähnliche Fehlkalkulationen zu verhindern, oder ob Amazon damit lediglich Symptome eines branchenweiten Problems mit der nutzungsabhängigen KI-Abrechnung behandelt. Entscheidend wird, ob sich die milliardenschweren KI-Investitionen der kommenden Quartale in nachweisbaren Effizienzgewinnen niederschlagen.

Häufige Fragen

Welche weiteren Unternehmen haben ähnliche KI-Ausgabenlimits eingeführt?

Neben Amazon haben zuletzt auch Tesla, Uber, Meta und Walmart ihren Beschäftigten feste Obergrenzen für KI-Ausgaben gesetzt, nachdem dort ähnliche Kostenprobleme aufgetreten waren.

Wie hoch sind Amazons gesamte KI-Investitionen für 2026?

Der Konzern bezifferte sein Investitionsbudget für 2026 bei den jüngsten Quartalszahlen auf rund 200 Milliarden Dollar, größtenteils für KI- und Rechenzentrums-Infrastruktur.

Wurde das fehlerhafte Datenabgleichs-Projekt inzwischen eingestellt?

Laut Bericht lieferte das Projekt am Ende kein brauchbares Ergebnis; ob es komplett eingestellt oder neu aufgesetzt wurde, ist nicht bekannt.

Warum werden KI-bedingte Programmfehler teurer als klassische Bugs?

Weil moderne KI-Modelle nutzungsabhängig pro verarbeitetem Token abgerechnet werden – ein Fehler, der wiederholt unnötige Anfragen auslöst, summiert sich dadurch schnell zu hohen Rechnungen, während klassischer Code meist ohne laufende Kosten korrigiert werden kann.

Bestreitet Amazon die Vorwürfe komplett?

Nein, Amazon bestreitet nicht die einzelnen Vorfälle, weist aber zurück, dass sie den üblichen Umgang mit KI-Ausgaben im Konzern widerspiegeln.


← Zurück zum Blog