KI-Wirtschaft

OpenAI kauft Kamera-Spezialist Glass Imaging für 300 Millionen

2 Min. Lesezeit

TL;DR Too Long; Didn’t read

OpenAI übernimmt das Kamera-Start-up Glass Imaging für mehr als 300 Millionen Dollar, berichtet das Wall Street Journal. Die Software des 2019 gegründeten Unternehmens verbessert Fotos direkt beim Auslösen statt nachträglich. Die Gründer arbeiteten zuvor bei Apple am Porträtmodus des iPhones. Weder OpenAI noch Glass Imaging haben den Kauf bislang offiziell bestätigt.

Eine Hand mit aufgeklebtem OpenAI-Logo hebt eine Kamera-Linse mit einem leuchtenden Auge im Inneren von einem Schreibtisch, auf dem ein kleines Apple-Logo klebt. Generiertes Bild mit GPT Image 2

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Kaufpreis liegt bei über 300 Millionen Dollar – rund zehnmal die bisherige Finanzierung von Glass Imaging.
  • Ziv Attar und Tom Bishop entwickelten bei Apple gemeinsam den Porträtmodus, bevor sie 2019 ein eigenes Unternehmen gründeten.
  • Die Software GlassAI verarbeitet Sensordaten in einem einzigen neuronalen Schritt statt in mehreren Bearbeitungsstufen.
  • OpenAI kaufte bereits 2025 das Hardware-Studio des Ex-Apple-Designers Jony Ive für 6,5 Milliarden Dollar.
  • Ein Bundesrichter verhandelt am 1. Oktober über Apples Klage wegen mutmaßlich gestohlener Hardware-Geheimnisse.
  • OpenAI und Glass Imaging äußerten sich auf Presseanfragen zum Deal bislang nicht.

OpenAI hat laut einem Bericht des Wall Street Journal das Kamera-Start-up Glass Imaging für mehr als 300 Millionen Dollar übernommen, wie unter anderem TechCrunch bestätigt. Die neuronale Bildsoftware des Unternehmens verbessert Fotos direkt beim Fotografieren statt in der Nachbearbeitung – zum Zehnfachen der bisherigen Finanzierung von rund 30 Millionen Dollar.

Gründer bauten bei Apple gemeinsam den Porträtmodus

Ziv Attar und Tom Bishop gründeten Glass Imaging 2019 in Los Altos, nachdem beide zuvor bei Apple an der Kamera-Software des iPhones gearbeitet hatten. Attar war 2015 zu Apple gekommen, als der Konzern sein israelisches Start-up LinX Imaging für rund 20 Millionen Dollar übernahm; gemeinsam mit Bishop entwickelte er anschließend über mehrere iPhone-Generationen hinweg den Porträtmodus, der Hintergründe unscharf zeichnet. Mit Glass Imaging bauten die beiden Ingenieure ein eigenes Verfahren namens GlassAI auf, das laut SiliconANGLE die Rohdaten des Kamerasensors in einem einzigen neuronalen Rechenschritt verarbeitet. Entrauschung, Farbrekonstruktion, Schärfung und die Zusammenführung mehrerer Belichtungen laufen dabei gleichzeitig statt wie bei anderen Systemen getrennt nacheinander. Für jede Kombination aus Objektiv und Sensor trainiert das Unternehmen ein eigenes neuronales Netz. Bis zur Übernahme hatte Glass Imaging nach verfügbaren Angaben rund 30 Millionen Dollar eingesammelt, darunter eine von Insight Venture Management angeführte Finanzierungsrunde über 20 Millionen Dollar im Mai 2025, an der sich auch bereits bestehende Geldgeber erneut beteiligten.

OpenAI baut inmitten des Apple-Rechtsstreits an eigener Hardware

Die Übernahme reiht sich in OpenAIs wachsende Hardware-Sparte ein. Das Unternehmen hatte bereits im Mai 2025 das Studio des früheren Apple-Chefdesigners Jony Ive für 6,5 Milliarden Dollar in Aktien gekauft und mit Codex Micro im Juli ein erstes physisches Zubehörprodukt für Entwickler auf den Markt gebracht. Als nächstes größeres Gerät arbeitet OpenAI Berichten zufolge an einem donutförmigen Lautsprecher mit eingebauter Kamera, der 2027 starten und mehr als 300 Dollar kosten soll. Für ein Gerät mit Kamera dürfte die Bildtechnologie von Glass Imaging unmittelbar nutzbar sein, auch wenn OpenAI eigene Pläne für die Technik bislang nicht offengelegt hat. Der Zukauf fällt zugleich mitten in einen Rechtsstreit mit Apple: Der iPhone-Hersteller wirft OpenAI in einer im Juli eingereichten Klage vor, über ehemalige Apple-Beschäftigte systematisch Hardware-Geheimnisse entwendet zu haben. Mit Attar und Bishop kommen nun zwei weitere frühere Apple-Kamera-Ingenieure zu einem Unternehmen, dessen Personalpraxis bereits Gegenstand des Verfahrens ist – ohne dass die Klage den neuen Deal namentlich erwähnt.

Offen bleibt, ob OpenAI die GlassAI-Technik zuerst im geplanten Lautsprecher oder in einem noch unangekündigten Gerät einsetzt – zu konkreten Produktplänen äußerte sich das Unternehmen bislang nicht. Eine offizielle Bestätigung des Kaufpreises fehlt von beiden Seiten, die Zahl ist damit unabhängig nicht verifiziert. Der nächste feste Termin im Hintergrund des Deals ist der 1. Oktober, wenn ein Bundesrichter in Nordkalifornien über Apples Klage gegen OpenAIs Hardware-Geschäft verhandelt – ein Verfahren, das über Tempo und Spielraum der gesamten Gerätesparte mitentscheiden dürfte.

Häufige Fragen

Haben OpenAI und Glass Imaging die Übernahme offiziell bestätigt?

Nein. Beide Unternehmen äußerten sich bislang nicht zu dem vom Wall Street Journal berichteten Deal, OpenAI reagierte laut TechCrunch nicht auf eine Presseanfrage.

Was genau macht die Software von Glass Imaging?

GlassAI verarbeitet die Rohdaten eines Kamerasensors in einem einzigen neuronalen Schritt und verbessert Rauschen, Farben und Schärfe direkt beim Auslösen, nicht erst nachträglich am fertigen Bild.

Für welches Produkt will OpenAI die Technik einsetzen?

Das ist offen. Am naheliegendsten gilt der für 2027 geplante Lautsprecher mit eingebauter Kamera, offizielle Angaben dazu fehlen aber bislang.

Wie hängt der Kauf mit Apples Klage gegen OpenAI zusammen?

Direkt gar nicht: Die im Juli eingereichte Klage nennt Glass Imaging nicht. Sie zeigt aber, dass OpenAI weiter Fachleute mit Apple-Vergangenheit für sein Hardware-Geschäft gewinnt, während der Vorwurf systematischer Abwerbung vor Gericht verhandelt wird.

Wie viel Geld hatte Glass Imaging vor der Übernahme eingesammelt?

Nach verfügbaren Angaben rund 30 Millionen Dollar, darunter eine 20-Millionen-Dollar-Runde unter Führung von Insight Venture Management im Mai 2025.

Quellen (3)
  1. OpenAI buys smartphone camera maker Glass Imaging for $300 million, report says (TechCrunch)
  2. OpenAI reportedly buys AI camera startup Glass Imaging for more than $300M (SiliconANGLE)
  3. OpenAI Said to Buy Startup Glass Imaging for $300 Million (The Information)

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