OpenAI verkauft mit dem Codex Micro erstmals ein eigenes Hardware-Produkt: eine Zusatztastatur zur Steuerung von KI-Programmier-Agenten für 230 US-Dollar. Entwickelt hat das Unternehmen das Gerät gemeinsam mit dem Zubehörhersteller Work Louder unter dem internen Namen kbd-1.0-codex-micro. Die erste Auflage war innerhalb weniger Tage ausverkauft.
Deine Agenten, in Farbe
Das zentrale Verkaufsargument ist das Live-Feedback: Jede der Agenten-Tasten leuchtet laut OpenAIs eigener Produktbeschreibung im Echtzeit-RGB-Status aus Codex auf. So lässt sich auf einen Blick erkennen, ob ein Agent gerade nachdenkt, aktiv arbeitet, auf eine Freigabe wartet oder fertig ist - ganz ohne zwischen Chat-Fenstern hin- und herzuwechseln. Bei mehreren parallel laufenden Codex-Sitzungen soll das den Überblick erheblich erleichtern.
Drei Bedienelemente für den Agenten-Alltag
Skills per Joystick auslösen. Eine kurze Bewegung des 2D-Joysticks startet gängige Codex-Workflows direkt, etwa das Prüfen eines Pull Requests, das Debugging eines Fehlers oder ein Code-Refactoring - ohne den entsprechenden Befehl erst zu tippen.
Command-Tasten für wiederkehrende Aktionen. Feste Tasten sind fix mit den häufigsten Aktionen belegt: Vorschläge annehmen oder ablehnen, per Push-to-Talk sprechen, einen neuen Chat starten. OpenAI bewirbt das schlicht mit weniger Hin und Her, mehr Shipping.
Reasoning-Tiefe per Drehregler. Ein gerändelter Encoder passt die Denkleistung des Modells unmittelbar an: schnell und sparsam für einfache Aufgaben, spürbar tiefer, sobald ein Problem mehr Rechenaufwand verlangt.

Technische Daten im Überblick
| Kategorie | Spezifikation |
|---|---|
| Preis | 230 US-Dollar |
| Verbindung | Bluetooth / USB-C |
| Kompatibilität | Mac, Windows (aktiver ChatGPT-Codex-Zugang erforderlich) |
| Beleuchtung | RGB je Agenten-Taste |
| Gehäuse | CNC-gefrästes Polycarbonat & Aluminium, sandgestrahlte eloxierte Unterseite |
| Tastenkappen-Material | PBT/ABS |
| Bedienelemente | 12 mechanische Switches, 1 Touchsensor, 1 Drehencoder, 2D-Joystick |
| Tastenkappen-Set | 31 Tasten mit individuellen Codex-Icons, 14 einfarbige Tasten |
| Switch-Typ | Clicky oder Leise, Low-Profile aus POM/POK, Stem-Farbe Orange |
| Betätigungskraft | 40 ± 10 gF |
| Tastenweg | 2,8 ± 0,25 mm |
| Schaltlebensdauer | 50 Millionen Tastenanschläge |
| Lieferumfang | Codex Creator Micro V2, geflochtenes USB-C-Kabel, Bonus-Tastenkappen-Set (44 × 1U, 1 × 2U) |
| Software | ChatGPT Codex, Work Louder Input |
| Garantie | Herstellergarantie und Support inklusive |
Quelle: OpenAI Supply Co. × Work Louder, Produktseite, Stand 17. Juli 2026.
Apple-Klage und Ives Lautsprecher überschatten den Start
Der Verkaufsstart fällt in eine Phase juristischer Spannungen zwischen OpenAI und Apple. Apple hatte das Unternehmen laut einem Bericht von CNBC wenige Tage zuvor verklagt und wirft zwei früheren Apple-Mitarbeitern vor, Geschäftsgeheimnisse zur Hardware-Entwicklung an OpenAI weitergegeben zu haben. Die Klage richtet sich auch gegen io Products, jenes Hardware-Studio, das OpenAI im Vorjahr für rund 6,5 Milliarden Dollar übernommen hatte. OpenAI weist die Vorwürfe zurück: Man kenne keine Belege für deren Berechtigung und glaube an fairen Wettbewerb sowie an die Freiheit von Beschäftigten, den Arbeitgeber zu wechseln. Der Codex Micro selbst ist von der Klage nicht direkt betroffen, da ihn Work Louder fertigt und nicht io Products. Die zeitliche Nähe von Klage und Produktstart lenkte in der Berichterstattung dennoch zusätzliche Aufmerksamkeit auf OpenAIs Hardware-Ambitionen insgesamt. Diese zeigen sich auch an einem zweiten, deutlich größeren Vorhaben: einem bildschirmlosen KI-Lautsprecher, den io Products gemeinsam mit Design-Ikone Jony Ive entwickelt. OpenAI-Chef Sam Altman bezeichnete dieses separate Gerät nach Angaben mehrerer Medien als das “coolste Stück Technologie, das die Welt je gesehen hat” - ein Werturteil, das bislang nicht unabhängig geprüft ist. Ein Marktstart des Lautsprechers wird für 2027 erwartet, während der Codex Micro schon jetzt zeigt, dass OpenAI physische Schnittstellen für den Umgang mit KI-Agenten ernst nimmt.
Einordnung
Entscheidend wird, ob sich physische Bedienelemente für KI-Agenten als eigene Produktkategorie etablieren oder eine Randerscheinung für Vielnutzer bleiben. Für Entwickler, die mehrere Codex-Agenten parallel laufen lassen, adressiert der Codex Micro ein reales Problem: den Überblick über den Status verteilter Agenten-Sitzungen zu behalten, ohne ständig zwischen Fenstern zu wechseln. Der eigentliche Knackpunkt liegt aber im für 2027 angekündigten Lautsprecher-Projekt mit Jony Ive: Erst dort zeigt sich, ob OpenAI aus einem limitierten Nischenzubehör für 230 Dollar ein massentaugliches Hardware-Geschäft aufbauen kann.
Echte Produktfotos des Codex Micro gibt es auf der offiziellen OpenAI-Produktseite.


