ChatGPT lässt sich seit dem 13. Juli 2026 wieder direkt über WhatsApp nutzen – ganz ohne zusätzliche App. Eine Anordnung der EU-Kommission zwingt Meta, den Messenger erneut für fremde KI-Chatbots zu öffnen. Der Dienst ist kostenlos und startet über eine einzige gespeicherte Kontaktnummer.
Meta öffnet WhatsApp erneut für ChatGPT
Seit Mitte Januar 2026 hatte Meta fremde KI-Chatbots aus der WhatsApp Business API ausgeschlossen. Betroffen war auch ChatGPT, das zuvor jahrelang über den Kontakt „1-800-CHATGPT” erreichbar war und das monatlich rund 50 Millionen Menschen nutzten. Die EU-Kommission wertete die Sperre als Missbrauch von Marktmacht und leitete ein Verfahren gegen Meta ein. Am 9. Juni 2026 ordnete sie vorläufige Maßnahmen an. Meta müsse WhatsApp innerhalb von fünf Werktagen wieder zu den Bedingungen öffnen, die vor Oktober 2025 galten, also kostenlos und ohne Einschränkungen. Bei Missachtung drohe laut Kommission ein Bußgeld von bis zu zehn Prozent des weltweiten Jahresumsatzes. OpenAI bestätigte die Rückkehr in einer eigenen Mitteilung: ChatGPT sei wieder auf WhatsApp im Europäischen Wirtschaftsraum verfügbar. Der Zugang gilt für alle 27 EU-Mitgliedstaaten sowie für Island, Liechtenstein und Norwegen, wobei die Freischaltung je nach Rufnummer zeitversetzt erfolgen kann. Deutschland zählt als EU-Mitgliedstaat ebenfalls dazu. Die Anordnung bleibt vorerst gültig, bis das Kartellverfahren gegen Meta endgültig entschieden ist.
Im Büroalltag ersetzt der Chat schnelle Zwischenfragen
Der Vorteil im Arbeitsalltag: Niemand muss eine zusätzliche App installieren oder sich anmelden. Eine Assistentin am Empfang erhält am Diensthandy eine englische Anfrage eines Geschäftspartners. Statt an den PC zu wechseln, leitet sie den Text im selben Chat an den ChatGPT-Kontakt weiter. Innerhalb weniger Sekunden erhält sie eine deutsche Übersetzung und einen höflichen Antwortvorschlag zurück, den sie direkt weiterverwenden kann. Genauso lassen sich unterwegs kurze Rechenaufgaben, Formulierungshilfen für E-Mails oder Erklärungen zu Fachbegriffen abfragen, etwa während einer Zugfahrt zum Kundentermin. Auch das Nachfragen zu einer Excel-Formel oder das Umformulieren eines kurzen Vermerks gelingt auf diesem Weg, ohne dass eine gesonderte Anmeldung nötig wird. Der Chat merkt sich frühere Nachrichten innerhalb der laufenden Unterhaltung, sodass Rückfragen ohne erneute Erklärung möglich sind. Wer möchte, kann zusätzlich Fotos schicken, etwa von einem handschriftlichen Vermerk, einer Quittung oder einer Tabelle, und sich den Inhalt in Stichpunkten zusammenfassen lassen. Für kurze Zwischenfragen zwischen zwei Terminen ersetzt der WhatsApp-Chat damit oft den Umweg über Notizzettel oder eine separate Such-App.
Zugang, Kosten und Einrichtung in wenigen Schritten
Die Nutzung ist komplett kostenlos, ein Abonnement ist nicht nötig. Ein bestehendes ChatGPT-Konto wird nicht vorausgesetzt. Wer eines besitzt, kann es freiwillig verknüpfen und erhält dadurch ein höheres Nutzungslimit sowie einen gemeinsamen Verlauf mit der ChatGPT-App. Ohne Verknüpfung gilt ein niedrigeres, für gelegentliche Zwischenfragen aber ausreichendes Limit an Nachrichten pro Tag. Genaue Zahlen dazu veröffentlicht OpenAI bislang nicht. Der Einstieg gelingt in wenigen Schritten:
- WhatsApp öffnen und einen neuen Kontakt anlegen.
- Die Nummer +1 800 242 8478 unter dem Namen „1-800-CHATGPT” speichern.
- Einen Chat mit diesem Kontakt starten.
- Eine Frage als Text, Foto oder Sprachnachricht senden.
- Optional in den Einstellungen das eigene ChatGPT-Konto verknüpfen.
Wichtig: Es kursieren gefälschte Kontakte mit ähnlichem Namen, die auf Betrug abzielen. Nur die offiziell verifizierte Nummer nutzen, erkennbar am blauen Häkchen neben dem Kontaktnamen in WhatsApp. Unternehmen, die WhatsApp bereits für den Kundenkontakt nutzen, können denselben verifizierten Kontakt auch auf Firmengeräten einrichten. Weitere Details zu Funktionsumfang und Grenzen veröffentlicht OpenAI laufend in den offiziellen Versionshinweisen.
Entscheidend wird, ob Meta die Vorgabe der EU-Kommission auch nach Abschluss des laufenden Kartellverfahrens dauerhaft respektiert oder den Zugang später erneut einschränkt. Offen bleibt zudem, wie lange die unkomplizierte Freischaltung ohne Konto bestehen bleibt. Für den Arbeitsalltag gilt: Wer vertrauliche Kunden- oder Firmendaten per WhatsApp an ChatGPT schickt, sollte vorher die internen Richtlinien prüfen. Die Nachrichten verlassen in jedem Fall das Firmennetz und werden bei OpenAI verarbeitet.


