Anthropic bringt mit Claude for Teachers ein kostenloses KI-Werkzeug für Lehrkräfte an US-amerikanischen Schulen auf den Markt. Verifizierte Pädagoginnen und Pädagogen der Klassenstufen K bis 12 erhalten damit ohne Kosten Zugriff auf Funktionen für Unterrichtsplanung und Differenzierung. Bislang waren diese Funktionen kostenpflichtigen Nutzern vorbehalten. Die Anmeldung ist bis zum 30. Juni 2027 möglich.
Paket bündelt Unterrichtsplanung und Klassendatenanalyse
Wie Anthropic am 14. Juli 2026 mitteilte, richtet sich Claude for Teachers an etablierte Unterrichtspraktiken. Dazu zählen Differenzierung nach Leistungsniveau sowie mastery-based learning, bei dem Lernstoff erst nach nachgewiesenem Verständnis vertieft wird. Die Software erstellt Unterrichtspläne, die über die Plattform Learning Commons an staatliche Lehrpläne angebunden sind. Sie wertet zudem Klassendaten für die weitere Planung aus. Wiederkehrende Aufgaben wie die tägliche Auswertung von Verständnischecks übernimmt das Werkzeug automatisiert.
Zum Funktionsumfang gehören außerdem Claude Code und Cowork sowie eine mit Learning Commons entwickelte Bibliothek an Lehr-Skills, deren Quellcode offen zugänglich ist. Neun Bildungsplattformen lassen sich direkt einbinden, darunter Canva Education, MagicSchool, Diffit und Brisk Teaching. Für die Ausrichtung an geprüften Lehrplänen kooperiert Anthropic zusätzlich mit den Anbietern OpenSciEd und Illustrative Mathematics. Unterstützt wird das Programm nach eigenen Angaben zudem von der Gates Foundation und der Organisation Teach for America. Ergänzend bietet Anthropic einen frei lizenzierten Kurs zur KI-Kompetenz für Lehrkräfte an. Hinzu kommen Video-Tutorials, in denen Lehrkräfte den Einsatz der Werkzeuge im eigenen Unterricht zeigen.
Google und Microsoft ringen um denselben Bildungsmarkt
Der Vorstoß reiht sich in einen Wettlauf mehrerer Anbieter um US-Klassenzimmer ein. Google hatte bereits im Juni 2026 eine Vereinbarung mit der Bildungsbehörde Utahs geschlossen. Sie bringt Gemini an sämtliche öffentlichen K-12-Schulen des Bundesstaats – ein landesweiter Behördenvertrag, der über einzelne Lehrerkonten hinausgeht. OpenAI und Microsoft kooperieren nach Angaben von Chalkbeat ebenfalls mit der Lehrergewerkschaft American Federation of Teachers (AFT) an Datenschutzstandards und Fortbildungsprogrammen. Die gemeinnützige Khan Academy ist mit ihrem Chatbot Khanmigo bereits länger in Schulen vertreten und diente den anderen Anbietern teils als Referenzprojekt.
Die Nachfrage wächst unabhängig von einzelnen Anbietern. Der Anteil der Lehrkräfte, die eigenen Angaben zufolge KI-Werkzeuge im Unterricht einsetzen, stieg von 32 Prozent im Jahr 2024 auf 61 Prozent im Jahr 2025. Das zeigt eine Erhebung von Education Week. Anthropic positioniert sein Angebot damit in einem Markt, in dem kostenlose Basisversionen für öffentliche Schulen inzwischen zum Standard gehören. Die Anbieter konkurrieren zunehmend um Exklusivpartnerschaften mit Landesbehörden und Gewerkschaften.
Gewerkschaft und Kritiker bewerten Datenschutz unterschiedlich
Anthropic entwickelte die Datenschutzvorgaben nach eigenen Angaben gemeinsam mit der AFT. Das Unternehmen verweist auf eine Selbstverpflichtung, wonach Schülerdaten nicht in das Training der Modelle einfließen. Ergänzt wird das Angebot um eine eigene Datenverarbeitungsvereinbarung für den K-12-Bereich, die die Vorgaben des US-Bildungsdatenschutzgesetzes FERPA umsetzen soll. AFT-Präsidentin Randi Weingarten erklärte, es sei wichtig, dass sich das Unternehmen mit Claude for Teachers zu diesen Prinzipien verpflichte.
Nicht alle Beobachter bewerten den Vorstoß positiv. Der Bildungsforscher Daniel Buck vom American Enterprise Institute warnte laut Chalkbeat, Klassengemeinschaft und Lernergebnisse könnten rasch leiden, wenn Lehrkräfte pädagogische Aufgaben an KI-Systeme auslagerten. Datenschutzvertreter kritisieren zusätzlich das Risiko, dass Schülerinnen und Schüler persönliche Informationen in Sprachmodelle eingeben. Hinzu kommt die Sorge vor kognitiver Entlastung, bei der Denkprozesse zunehmend an die Software abgegeben werden. Parallel dazu mobilisieren Elterninitiativen in mehreren US-Bundesstaaten gegen einen aus ihrer Sicht ausufernden Technikeinsatz in Klassenzimmern. Einzelne Schulbezirke prüfen deshalb bereits bestehende Edtech-Verträge neu.
Entscheidend wird, ob sich die zugesagten Datenschutzstandards in der Praxis bewähren. Erste Hinweise darauf dürften die Ergebnisse aus dem Pilotprogramm im Detroiter Schulbezirk liefern. Offen bleibt zudem, ob Anthropic das Angebot nach der Testphase auf weitere Länder ausweitet. Bislang bleibt es auf den US-Markt beschränkt, auf dem sich mit Google, Microsoft und OpenAI bereits mehrere Wettbewerber um Schulen bemühen.


