Google hat die Drive-App für Android und iPhone um eine neue KI-Funktion erweitert. Ab sofort lassen sich Fragen zu mehreren Dateien gleichzeitig stellen, statt jedes Dokument einzeln zu öffnen. Die KI Gemini durchsucht dafür Verträge, Tabellen oder Präsentationen und fasst die Antwort in wenigen Sätzen zusammen. Die Funktion rollt seit Ende Juni schrittweise aus, kostet aber ein bezahltes Google-Abo.
Gemini beantwortet Fragen direkt in der Drive-Suche
Bisher half in Google Drive nur die klassische Suche nach Dateinamen oder einzelnen Stichworten. Jetzt kommen zwei neue Bausteine hinzu, wie Google im offiziellen Workspace-Blog mitteilt. „KI-Übersichten“ fassen die Treffer einer Suche automatisch in wenigen Sätzen zusammen. Niemand muss sich dafür mehr durch jede einzelne Datei klicken.
Wer tiefer nachfragen will, öffnet stattdessen „Gemini fragen“. Das ist eine Art Unterhaltung mit den eigenen Dateien. Gemini beantwortet dabei Rückfragen zu Verträgen, Tabellen oder Präsentationen, ohne die Originaldateien zu verändern oder zu kopieren. Beide Funktionen greifen auf Inhalte aus Drive, anderen Workspace-Apps und dem Web zurück, bestehende Zugriffsrechte bleiben dabei unangetastet.
Am Computer gab es eine ähnliche Gemini-Seitenleiste in Drive bereits seit einiger Zeit. Neu ist vor allem, dass beide Funktionen jetzt auch auf dem Smartphone laufen. Wer unterwegs schnell etwas nachschlagen muss, ist damit nicht mehr auf den Rechner im Büro angewiesen und kann die gleiche Frage aus der Bahn oder zwischen zwei Terminen stellen.
Im Büroalltag erspart das langes Suchen in Aktenordnern
Ein Beispiel aus dem Sachbearbeitungsalltag: Eine Mitarbeiterin im Einkauf soll herausfinden, welche Lieferantenverträge eine kurze Kündigungsfrist haben. Zwölf PDF-Dateien liegen dafür im gemeinsamen Ordner. Statt jede Datei einzeln zu öffnen, tippt sie die Frage direkt in die Drive-Suche auf dem Smartphone ein und erhält eine Zusammenfassung mit Verweis auf die jeweilige Quelldatei.
Genauso lassen sich offene Rechnungen in einem Ordner aufspüren. Auch die wichtigsten Beschlüsse aus einem langen Besprechungsprotokoll lassen sich so herausziehen, ohne den Text komplett zu lesen. Die Funktion durchsucht dabei immer nur Dateien, auf die die jeweilige Person ohnehin Zugriff hat. Jede Antwort zeigt zudem an, aus welcher Datei die Information stammt, sodass sich Angaben im Zweifel schnell nachprüfen lassen.
So lässt sich die Funktion in der Praxis starten:
- Drive-App auf dem Smartphone öffnen.
- In der Suchleiste auf „Gemini fragen“ tippen.
- Frage in normalen Sätzen eingeben, etwa nach einer bestimmten Klausel in mehreren Verträgen.
- Antwort und die verlinkten Quelldateien prüfen.
- Bei Bedarf mit einer Rückfrage nachhaken.
Die Funktion kostet Geld und ist nicht überall gleich schnell sichtbar
Kostenlos ist die neue Such- und Antwortfunktion nicht. Nötig ist gemäß der Google-Drive-Hilfe entweder ein privates Abo Google AI Pro oder Ultra, alternativ reicht ein Firmenkonto mit Google Workspace ab der Stufe Business Standard. Google AI Pro kostet 21,99 Euro im Monat und bringt zusätzlich 5 Terabyte Speicher mit.
Workspace Business Standard beginnt bei 11,50 Euro pro Nutzer und Monat bei jährlicher Zahlung, monatlich sind es 13,80 Euro. Der kostenlose Google-Basiszugang mit begrenztem Gemini-Zugriff reicht für die neue Funktion dagegen nicht aus. Deutsch gehört zu den unterstützten Sprachen, insgesamt sind es mehr als 28.
Wer ein passendes Abo besitzt, sieht die Funktion trotzdem nicht zwangsläufig sofort. Der Rollout begann Ende Juni und zieht sich je nach Konto und Region über mehrere Wochen hin. In Firmenkonten müssen IT-Verantwortliche zudem die „intelligenten Funktionen“ für Workspace aktiviert lassen, sonst bleibt die Funktion für die Belegschaft unsichtbar, selbst wenn das passende Abo längst gebucht ist.
Entscheidend wird, ob Arbeitgeber ihren Beschäftigten das nötige Abo überhaupt zur Verfügung stellen. Ohne Business- oder KI-Pro-Zugang bleibt Gemini in der Drive-Suche unsichtbar. Das Portal schieb.de rät dazu, KI-Zusammenfassungen bei Verträgen, Rechnungen oder anderen rechtlich relevanten Unterlagen stets mit dem Original abzugleichen. Die KI fasst Formulierungen frei zusammen und kann dabei auch Fehler machen. Wer Kunden- oder Firmendaten über die Funktion durchsuchen lässt, sollte vorher einen Blick in interne Vorgaben zum Umgang mit sensiblen Informationen werfen.


