Das US-Handelsministerium hat die Vereinigten Arabischen Emirate am 10. Juli 2026 in die höchste Exportkategorie A:5 eingestuft. Das Land darf damit als erster arabischer Staat fortschrittliche KI-Chips und weitere sensible Technologien ohne Einzelgenehmigung beziehen. Die Entscheidung baut auf dem im Mai 2025 geschlossenen KI-Kooperationsabkommen beider Staaten auf.
Neue Kategorie öffnet Zugang zu KI-Chips
Das Bureau of Industry and Security, die Exportkontrollbehörde des US-Handelsministeriums, entfernte die Emirate am 10. Juli 2026 aus den bisherigen Ländergruppen D:3 und D:4 und ordnete das Land der privilegierten Gruppe A:5 zu. Diese Einstufung gilt bislang vor allem für enge US-Verbündete mit eigenen multilateralen Exportkontrollregimen, denen die Emirate bislang nicht angehörten. Mit dem neuen Status erhalten die Emirate Zugang zur Lizenzausnahme Strategic Trade Authorization, kurz STA, sowie zu weiteren Ausnahmeregeln für Regierungsgeschäfte, Technologietransfer sowie Luft- und Raumfahrtgüter.
Betroffen sind laut BIS mehrere Produktgruppen: KI-Chips und Server für Rechenzentren, bestimmte Militärgüter, Kommunikationssatelliten und Raumfahrzeuge sowie Technik für Öl- und Gasförderung, Meerwasserentsalzung und zivile Kernkraft. Die Regierung der Emirate sowie eigens zugelassene kommerzielle Unternehmen im Land dürfen diese Güter künftig ohne Einzelgenehmigung importieren. Zuvor hatten strenge Kontrollen den Zugang zu fortschrittlicher US-Rechentechnik erheblich verzögert; der Branchendienst AGBI beschrieb die bisherige Lage als technologische Überholspur, von der die Emirate lange ausgeschlossen geblieben seien.
Emirate müssen Investitionszusagen und Firmenumbau erfüllen
Die Lockerung ist an Bedingungen geknüpft. Sie baut auf dem im Mai 2025 unterzeichneten Rahmenabkommen zur KI-Kooperation zwischen beiden Ländern auf, das die Emirate zu Investitionen in den Aufbau US-amerikanischer KI-Infrastruktur verpflichtet. Das Handelsministerium knüpft die neue Exportkategorie ausdrücklich an die Einhaltung dieser Zusagen sowie an wirksame Maßnahmen gegen die Umleitung sensibler Technologie an Drittstaaten. Bleiben diese Zusagen aus, kann die Einstufung nach den Angaben der Behörde grundsätzlich wieder rückgängig gemacht werden.
Eine weitere Auflage betrifft zwei zentrale Akteure der emiratischen KI-Industrie: G42 Holding und die Tochtergesellschaft Core42 müssen laut Handelsministerium binnen neun Monaten zu US-kontrollierten Unternehmen umgebaut werden oder ihren privilegierten Status erneut beantragen. Der Branchendienst Export Compliance Daily berichtet, dass die Regel damit direkt an die Unternehmensstruktur der beiden Firmen anknüpft, die zuvor wegen möglicher Verbindungen nach China unter besonderer Beobachtung amerikanischer Behörden standen. Die Frist soll verhindern, dass sensible Technologie über Umwege an nicht genehmigte Abnehmer gelangt.
Reaktionen reichen von Zustimmung bis Sicherheitsbedenken
Der emiratische Staatsminister Saeed Al Hajeri bezeichnete die Entscheidung laut Gulf News als historischen Schritt und verwies darauf, dass sein Land als erster arabischer Staat die Einstufung A:5 erreiche. Die Anerkennung spiegele das internationale Vertrauen in das Exportkontroll- und Compliance-System der Emirate wider und bestätige die Rolle des Landes als verlässlicher US-Partner. Der Nahost-Experte Mohammed Soliman von der Beratungsfirma McLarty Associates wertete den Schritt gegenüber AGBI als bedeutenden Moment für die technologische Partnerschaft beider Länder.
Nicht alle Beobachter äußern sich zustimmend. Chris McGuire vom Council on Foreign Relations warnt laut AGBI vor erheblichen Sicherheitsrisiken durch die gelockerten Regeln und rechnet damit, dass der Aufbau von KI-Kapazitäten in den USA selbst dadurch langsamer vorankommen könnte, weil Kapazitäten stattdessen in die Emirate abwandern. Nach Angaben von AGBI soll die vollständige Fassung der neuen Regel am 15. Juli 2026 im Federal Register veröffentlicht werden – unabhängig nicht verifiziert ist bislang, welche konkreten US-Unternehmen als Erste von lizenzfreien Chip-Lieferungen in die Emirate profitieren.
Entscheidend wird, wie schnell G42 Holding und Core42 die geforderte Umstrukturierung zu US-kontrollierten Unternehmen tatsächlich umsetzen, denn davon hängt ab, ob die Vorteile der neuen Exportkategorie dauerhaft bestehen bleiben. Die für den 15. Juli angekündigte Veröffentlichung im Federal Register dürfte zusätzliche Details zu Fristen und Ausnahmen liefern, die bislang nur in Umrissen bekannt sind.


