Fed-Chef Kevin Warsh hat den KI-Investor Marc Andreessen zum Co-Leiter einer neuen Taskforce berufen, die die wirtschaftlichen Folgen künstlicher Intelligenz für die US-Notenbank untersucht. Andreessen leitet das Gremium gemeinsam mit dem Stanford-Ökonomen Charles Jones und der Microsoft-Managerin Asha Sharma. Insgesamt richtete Warsh fünf Arbeitsgruppen ein, die bis Jahresende Reformvorschläge vorlegen sollen.
Taskforce bewertet KI-Folgen für Beschäftigung und Preise
Die Arbeitsgruppe trägt den Namen Productivity and Jobs Task Force und ist eine von fünf Gremien, die Fed-Chef Kevin Warsh am 9. Juli ins Leben rief. Sie soll laut der Aufgabenbeschreibung der Notenbank die wirtschaftlichen Auswirkungen neuer Basistechnologien wie künstlicher Intelligenz untersuchen und daraus Empfehlungen für die Geldpolitik ableiten. Im Mittelpunkt steht das doppelte Mandat der Fed aus Preisstabilität und Vollbeschäftigung: Die Ergebnisse sollen zeigen, wie KI Arbeitsmärkte verändert und ob sie Inflationstrends beeinflusst. Neben Andreessen leiten der Stanford-Ökonom Charles Jones, der derzeit bei Anthropic beurlaubt forscht, sowie die Microsoft-Managerin und Xbox-Chefin Asha Sharma das Gremium. Warsh begründete den Schritt damit, dass sich die US-Wirtschaft binnen einer Generation grundlegend gewandelt habe und die Notenbank prüfen müsse, ob ihre analytischen Werkzeuge und Prognosemodelle noch zeitgemäß sind. Ein konkretes Enddatum für den Abschlussbericht nennt die Fed bislang nicht, verweist aber auf das laufende Jahr als Zielrahmen für erste Reformvorschläge an den Offenmarktausschuss.
Vier weitere Gremien reformieren Fed-Institutionen
Neben der KI-Taskforce rief Warsh vier weitere Arbeitsgruppen ins Leben, die sich mit unterschiedlichen Aspekten der Notenbankarbeit befassen. Eine Gruppe um die Ökonomin Karen Dynan sowie die früheren Notenbanker Raghuram Rajan und Jeremy Stein prüft Kosten und Nutzen der aktuellen Bilanzpolitik der Fed. Ein zweites Team um den Harvard-Ökonomen Raj Chetty und den früheren Walmart-Chef Doug McMillon soll die Qualität und Aktualität wirtschaftlicher Datenerhebungen verbessern, auf denen viele Zinsentscheidungen der Notenbank beruhen. Eine dritte Gruppe befasst sich mit der Kommunikation der Notenbank gegenüber Märkten und Öffentlichkeit in Phasen wirtschaftlicher Unsicherheit, eine vierte mit dem Rahmenwerk zur Inflationsmessung; ihr gehören unter anderem der Harvard-Ökonom Greg Mankiw, der frühere Notenbanker William White und der Nobelpreisträger Thomas Sargent an. Laut Axios ordnet Warsh die Initiative in eine breitere institutionelle Reformagenda ein, mit der er erstmals in großem Umfang externen Sachverstand – auch aus Technologie und Wirtschaft – in die traditionell eher verschlossene Institution holt.
Kritiker sehen einseitige Besetzung mit KI-Befürwortern
An der Zusammensetzung der KI-Taskforce gibt es bereits Kritik. Andreessen vertritt seit Jahren eine dezidiert optimistische Haltung zu künstlicher Intelligenz und hatte öffentlich erklärt, das größere Risiko liege nicht im Jobverlust, sondern darin, KI nicht einzusetzen. Sharma wiederum strich als Xbox-Chefin nach eigenen Angaben rund 3.200 Stellen und begründete dies mit im Branchenvergleich zu geringen Gewinnmargen – eine Zahl, die unabhängig nicht verifiziert ist. Jones nimmt eine vermittelnde Position ein: Er bezeichnet KI als zweischneidiges Schwert mit Potenzial für Wachstum, aber auch für gravierende Risiken, und plädiert dafür, den Einsatz nur so lange auszuweiten, wie der Nutzen die Gefahren überwiegt. Der Branchendienst Cybernews beschreibt das Trio pointiert als Mischung aus risikofreudiger Managerin, KI-Enthusiast und abwägendem Ökonomen und wirft die Frage auf, ob die Perspektiven von Beschäftigten in der Analyse ausreichend berücksichtigt werden. Ein möglicher Interessenkonflikt bleibt dabei unkommentiert: Andreessens Firma Andreessen Horowitz zählt zu den größten Investoren in KI-Start-ups weltweit und profitiert direkt davon, wie die Fed regulatorisch und geldpolitisch auf die Technologie reagiert.
Entscheidend wird, ob die Taskforce bis Jahresende konkrete Kennzahlen liefert, mit denen die Fed KI-bedingte Produktivitätsgewinne von regulärer Konjunkturdynamik unterscheiden kann. Bislang fehlt der Notenbank ein belastbares Modell dafür, wie schnell Automatisierung Löhne und Beschäftigung in einzelnen Branchen verändert. Warsh hat angekündigt, die Ergebnisse aller fünf Gremien in laufende geldpolitische Entscheidungen einfließen zu lassen – wie stark KI-Fragen dabei tatsächlich Gewicht erhalten, zeigt sich erst mit den ersten Berichten.


