KI-Wirtschaft

Zhipu kündigt trotz Kurssturz neuen KI-Forschungskurs an

2 Min. Lesezeit
Führungskraft eines chinesischen KI-Unternehmens unterschreibt einen Brief an einem Schreibtisch, im Hintergrund eine Kurstafel mit rotem Abwärtspfeil zu „ZHIPU 02513.HK“ und ein Bildschirm mit dem Schriftzug „GLM-5.2“. Generiertes Bild mit GPT Image 2
Führungskraft eines chinesischen KI-Unternehmens unterschreibt einen Brief an einem Schreibtisch, im Hintergrund eine Kurstafel mit rotem Abwärtspfeil zu „ZHIPU 02513.HK“ und ein Bildschirm mit dem Schriftzug „GLM-5.2“.

TL;DR Too Long; Didn’t read

Der chinesische KI-Konzern Zhipu stellt für zwei Jahre Gewinnziele hinter Grundlagenforschung zurück: Firmenchef Tang Jie kündigt vier Forschungsschwerpunkte an, von autonomen Agenten bis zu Sicherheitsforschung. Die Ankündigung folgt auf einen Kurssturz von rund 17 Prozent nach Ablauf einer Aktiensperrfrist Anfang Juli.

Das Wichtigste in Kürze

  • Zhipu-Chef Tang Jie stellt in einem internen Brief Gewinnziele zwei Jahre lang hinter AGI-Forschung zurück.
  • Die Zhipu-Aktie brach an einem Handelstag um rund 17 Prozent ein, nachdem eine Haltefrist auslief.
  • Vier Schwerpunkte: langfristige Aufgaben, autonome Agentennetzwerke, Selbsttraining und Sicherheitsforschung mit Milliardenbudget.
  • Flaggschiffmodell GLM-5.2 läuft unter offener MIT-Lizenz ohne Nutzungsbeschränkungen.
  • Zhipu ging im Januar 2026 in Hongkong an die Börse und plant zusätzlich eine Notierung in Shanghai.
  • Auch Konkurrent MiniMax verlor nach eigener Lockup-Freigabe zweistellig an der Börse.

Zhipu-Mitgründer Tang Jie kündigt in einem internen Schreiben an alle Beschäftigten den „Touch-High”-Plan an: Das chinesische KI-Unternehmen konzentriert sich zwei Jahre lang auf AGI-Forschung statt auf schnelle Kommerzialisierung. Die Ankündigung vom 11. Juli fällt in eine Woche, in der die an der Hongkonger Börse gehandelte Zhipu-Aktie nach einer ausgelaufenen Haltefrist an einem Handelstag rund 17 Prozent verlor.

Vier Forschungsfelder bündeln Milliardeninvestitionen

Der „Touch-High”-Plan (chinesisch 摸高, wörtlich „nach oben greifen”) nennt vier Schwerpunkte. Erstens sollen KI-Systeme von kurzen Antworten zu Aufgaben übergehen, die sich über Wochen oder Monate erstrecken, etwa vollständige technische Projekte. Zweitens investiert Zhipu in Netzwerke autonomer Agenten, die rund um die Uhr zusammenarbeiten und einzelne Arbeitsschritte eigenständig übernehmen sollen. Drittens setzt das Unternehmen auf vollständiges Selbsttraining: Modelle erzeugen eigene Trainingsdaten und verbessern sich über Self-Play-Mechanismen, ein Verfahren, bei dem Systeme gegen frühere eigene Versionen antreten. Viertens kündigt Tang Jie eine „Ressourceninvestition im Hundert-Milliarden-Bereich” für Sicherheitsforschung an, konkret für mechanistische Interpretierbarkeit – Methoden, mit denen sich nachvollziehen lässt, wie ein neuronales Netz zu einer Entscheidung kommt. Sein Flaggschiffmodell GLM-5.2 hat Zhipu bereits unter einer MIT-Lizenz veröffentlicht, die Herunterladen, Anpassung und kommerzielle Nutzung ohne Einschränkungen erlaubt und damit deutlich weniger Auflagen enthält als vergleichbare Lizenzen westlicher Anbieter. „Nicht den Gipfel zu erreichen, ist Scheitern”, schreibt Tang Jie in dem Brief, den mehrere chinesische Medien zitieren.

Kurssturz nach Aktiensperrfrist testet Anlegergeduld

Der Brief erscheint drei Tage, nachdem am achten Juli eine Haltefrist für Ankerinvestoren auslief: Rund 25,68 Millionen Aktien, etwa 5,76 Prozent des Kapitals, wurden erstmals handelbar. Die Zhipu-Aktie fiel laut Daten des Finanzportals BigGo binnen eines Handelstags um fast 17 Prozent auf 1.754 Hongkong-Dollar und riss die Marktkapitalisierung unter 800 Milliarden Hongkong-Dollar, umgerechnet rund 102 Milliarden US-Dollar. Vom bisherigen Rekordhoch bei knapp 2.980 Hongkong-Dollar bedeutet das einen Rückgang von mehr als 40 Prozent, obwohl der Kurs seit dem Börsengang im Januar 2026 zeitweise um mehr als 2.000 Prozent gestiegen war. Auch der Wettbewerber MiniMax, ebenfalls in Hongkong notiert, verlor nach einer eigenen Lockup-Freigabe zweistellig. Erst wenige Tage zuvor hatte Zhipu laut Bloomberg eine Kapitalerhöhung von rund vier Milliarden US-Dollar über eine Aktienplatzierung angekündigt und zusätzlich eine Notierung am Shanghaier STAR Market in Aussicht gestellt. Diese Angaben zur Kapitalerhöhung sind unabhängig nicht verifiziert.

Entscheidend wird, ob sich Tangs Wette auf Grundlagenforschung auszahlt, während Investoren nach dem Rekordanstieg der Aktie eher kurzfristige Erträge erwarten dürften. Mit der offenen MIT-Lizenz von GLM-5.2 positioniert sich Zhipu zudem als Gegenmodell zu den stärker abgeschotteten Zugängen von Anthropic und OpenAI. Ob der „Touch-High”-Plan Bestand hat, dürfte sich an der für 2027 erwarteten Bewertung im Rahmen der geplanten Shanghai-Notierung zeigen.

Häufige Fragen

Was bedeutet der Name „Touch-High"-Plan?

Der chinesische Ausdruck 摸高 bedeutet wörtlich „nach oben greifen" und beschreibt Zhipus Anspruch, technische Grenzen aktueller KI-Systeme zu überschreiten.

Wer ist Tang Jie?

Tang Jie ist Mitgründer und Chef des chinesischen KI-Unternehmens Zhipu sowie Professor an der Tsinghua-Universität in Peking.

Ist GLM-5.2 kostenlos nutzbar?

Ja, das Modell steht unter einer MIT-Lizenz, die Herunterladen, Anpassung und auch kommerzielle Nutzung ohne Lizenzgebühren erlaubt.

Wie unterscheidet sich Zhipus Strategie von Anthropic und OpenAI?

Anthropic und OpenAI beschränken den Zugang zu ihren leistungsfähigsten Modellen, während Zhipu seine Spitzenmodelle offen veröffentlicht und dies mit mehr Sicherheit durch breite Kontrolle begründet.

Plant Zhipu weitere Börsengänge?

Das Unternehmen hat eine zusätzliche Notierung am Shanghaier STAR Market in Aussicht gestellt, ein genauer Termin steht bislang nicht fest.


← Zurück zum Blog