Obsidian ist eine kostenlose Notizen-App, die Texte als Markdown-Dateien lokal auf dem eigenen Gerät speichert und über Links zu einem durchsuchbaren Wissensnetz verbindet. Dieser Guide zeigt konkret, wie der erste Vault entsteht, wie Vorlagen und Plugins funktionieren und was Obsidian am Ende kostet. Das Stand-Datum oben markiert die letzte Überarbeitung.
Was ein Vault ist und warum das wichtig ist
Ein Vault ist technisch nichts anderes als ein normaler Ordner mit .md-Dateien – keine proprietäre Datenbank, kein Cloud-Zwang. Jede Datei lässt sich auch mit einem einfachen Texteditor öffnen und bleibt dadurch über Jahrzehnte lesbar, unabhängig davon, ob es Obsidian in zehn Jahren noch gibt. Entwickelt wird die Software seit 2020 von Dynalist Inc., seit 2023 unter Leitung von CEO Steph Ango, und läuft nativ auf Windows, macOS, Linux, iOS und Android. Eine offizielle Web-Version gibt es bewusst nicht, weil der lokale Ansatz zentral zum Konzept gehört.
Vault anlegen und die erste Notiz verlinken
Nach der Installation zeigt Obsidian einen Startbildschirm mit der Option „Create new vault”: Name und Speicherort festlegen, fertig – ein Konto ist dafür nicht nötig. In der ersten Notiz reicht es, einen Begriff in doppelte eckige Klammern zu setzen, etwa [[Projektidee]]: Obsidian erstellt die Zielnotiz automatisch, falls sie noch fehlt, und trägt den Verweis in beide Richtungen ein. Im Backlinks-Panel erscheint dadurch bei jeder Notiz automatisch, welche anderen Notizen auf sie verweisen. Die Graph-Ansicht macht dieses Netz als interaktive Punktwolke sichtbar und zeigt Themencluster, die in einer reinen Ordnerstruktur verborgen blieben – ein Prinzip, das an die analoge Zettelkasten-Methode erinnert, bei der Wissen durch Verknüpfung statt durch Kategorisierung wächst.

Struktur ohne Zwang: Ordner, Tags oder lieber Maps of Content
Der häufigste Anfängerfehler ist eine perfekte Ordnerhierarchie von Tag eins an – das bremst genau das freie Verlinken aus, das Obsidian stark macht. Sinnvoller ist es, zunächst einfach zu schreiben und zu verknüpfen und Struktur erst nachträglich entstehen zu lassen. Bewährt hat sich dafür das Konzept der Maps of Content (MOCs): eine Übersichtsnotiz pro Thema, die auf die relevanten Einzelnotizen verlinkt, statt sie in feste Ordner zu zwingen. Tags eignen sich ergänzend für Querschnittsmerkmale wie Status oder Notiztyp, etwa #entwurf oder #buchnotiz, während Ordner höchstens für grobe Kategorien wie „Archiv” oder „Vorlagen” sinnvoll bleiben.
Vorlagen und Daily Notes einrichten
Das Core-Plugin „Templates” legt eine Vorlage einmal an und fügt sie per Befehl wieder ein: In den Einstellungen unter „Templates” den Namen eines Vorlagenordners eintragen, dort eine Markdown-Datei mit Platzhaltern wie {{date}} oder {{time}} anlegen, und anschließend über die Befehlspalette (Strg/Cmd+P) „Templates: Insert template” aufrufen. Wer mehr Dynamik braucht, greift zum Community-Plugin Templater: Es erlaubt Funktionsaufrufe wie tp.date.now(“YYYY-MM-DD”, 1) für das morgige Datum und damit Vorlagen, die sich bei jeder Nutzung neu berechnen. Das Core-Plugin „Daily notes” legt in Kombination damit auf Tastendruck eine Notiz für den aktuellen Tag an – ein guter fester Einstiegspunkt für Journaling oder Aufgabenlisten.
Community-Plugins installieren – Schritt für Schritt
Community-Plugins sind standardmäßig deaktiviert und müssen bewusst freigeschaltet werden: Einstellungen öffnen, unter „Community plugins” auf „Turn on community plugins” klicken, dann „Browse” wählen, ein Plugin suchen, „Install” und danach „Enable” anklicken. Für den Einstieg lohnen sich Dataview, das aus Notizeigenschaften durchsuchbare Tabellen und Listen baut, sowie Templater für dynamische Vorlagen. Weil ein fehlerhaftes Plugin Daten beschädigen und ein bösartiges sie sogar stehlen könnte, empfiehlt es sich, nur etablierte, weit verbreitete Plugins zu nutzen, regelmäßig Backups anzulegen und bei besonders sensiblen Vaults ganz auf Drittanbieter-Plugins zu verzichten.
Tastenkürzel für den Alltag
Die folgenden Standard-Shortcuts (Windows/Linux; auf dem Mac Strg durch Cmd ersetzen) sparen im Alltag die meiste Zeit:
| Aktion | Tastenkürzel |
|---|---|
| Quick Switcher (Notiz öffnen) | Strg + O |
| Befehlspalette | Strg + P |
| Neue Notiz | Strg + N |
| Im gesamten Vault suchen | Strg + Umschalt + F |
| Bearbeiten-/Lesemodus umschalten | Strg + E |
| Graph-Ansicht öffnen | Strg + G |
| Vor/Zurück navigieren | Strg + Alt + Pfeiltasten |
KI-Erweiterungen praktisch einrichten
Auch KI-Funktionen laufen als Community-Plugins und werden über denselben Browse-Dialog installiert. Smart Connections durchsucht den Vault semantisch – also nach Bedeutung statt nach exakten Suchbegriffen – und funktioniert dabei vollständig lokal, ohne dass Daten das Gerät verlassen. Copilot for Obsidian ergänzt eine Chat-Funktion („Vault QA”), mit der sich Fragen in natürlicher Sprache an die eigenen Notizen stellen lassen; dafür lässt sich wahlweise ein Cloud-Modell wie OpenAI oder Claude per API-Schlüssel anbinden oder ein lokales Modell über Ollama nutzen. Für sensible Notizen ist die lokale Variante die datenschutzfreundlichere Wahl, da dann keine Inhalte an einen externen Anbieter gesendet werden.
Kosten im Überblick
Die Kernanwendung bleibt dauerhaft kostenlos, auch für den kommerziellen Einsatz. Kostenpflichtig sind ausschließlich optionale Zusatzdienste:
| Dienst | Preis | Funktion |
|---|---|---|
| Kernanwendung | kostenlos | Alle Grundfunktionen, privat und kommerziell |
| Obsidian Sync | ab 4 USD/Monat (jährlich) | Ende-zu-Ende-verschlüsselte Synchronisierung zwischen Geräten inklusive Versionshistorie |
| Obsidian Publish | ab 8 USD/Monat (jährlich) | Notizen als öffentliche Website oder digitalen Garten veröffentlichen |
| Commercial License | 50 USD pro Nutzer/Jahr | Optionale Lizenz zur Unterstützung der Entwicklung |
Wer weder Sync noch Publish bucht, kann Vaults trotzdem manuell über einen eigenen Cloud-Speicher wie Dropbox oder iCloud abgleichen oder per Git versionieren.
Der größte Unterschied zu Notion oder Evernote liegt nicht im Preis, sondern im Speicherort: Obsidian hält Daten lokal in offenen Dateien, während cloud-basierte Alternativen Inhalte in einem proprietären Format auf fremden Servern verwalten. Das macht Obsidian unabhängiger vom Anbieter, verlangt im Gegenzug aber mehr Eigenverantwortung bei Backup und Synchronisierung.


