Tencent verhandelt mit den Manus-Frühinvestoren ZhenFund und HSG über den Rückkauf des chinesischen KI-Agenten-Start-ups von Meta – für mindestens zwei Milliarden Dollar. Peking hatte Meta zuvor angewiesen, die im Dezember 2025 geschlossene Übernahme rückabzuwickeln. Bei einem Abschluss würde Tencent größter Anteilseigner von Manus.
Peking ordnet Rückabwicklung des Milliarden-Deals an
Meta hatte Manus nach eigenen Angaben am 29. Dezember 2025 übernommen; der Kaufpreis lag bei über zwei Milliarden Dollar. Das 2025 gegründete, ursprünglich aus China stammende und inzwischen in Singapur ansässige Start-up entwickelt autonome KI-Agenten, die mehrstufige Aufgaben eigenständig in virtuellen Computerumgebungen ausführen und dabei selbstständig Software bedienen. Nach Firmenangaben verarbeitete der Manus-Agent bis zur Übernahme mehr als 147 Billionen Tokens und erzeugte über 80 Millionen virtuelle Rechner für Nutzer weltweit. Manus-Chefin Xiao Hong begründete den ursprünglichen Verkauf an Meta mit einer stabileren finanziellen Basis für das Unternehmen.
Im April 2026 leitete die chinesische Regierung eine Überprüfung des Deals ein. Behörden werteten die Agenten-Technologie als strategisches Gut und sahen, wie TechCrunch berichtete, einen möglichen Verstoß gegen Vorschriften zu Auslandsinvestitionen. Peking ordnete daraufhin die vollständige Rückabwicklung der Übernahme an. Meta begann in der Folge, Manus von internen Systemen zu trennen, den Datenaustausch zu stoppen und Mitarbeitenden den Zugriff auf Manus-Werkzeuge zu entziehen.
Tencent und Altinvestoren planen Rückkauf
Tencent, das bereits in frühen Finanzierungsrunden in Manus investiert war, verhandelt nun gemeinsam mit den Investmentfirmen ZhenFund und HSG über eine Rückübernahme. Der Kaufpreis soll, wie Reuters unter Berufung auf die Financial Times berichtete, mindestens den zwei Milliarden Dollar entsprechen, die Meta gezahlt hatte. Kommt die Einigung zustande, würde Tencent größter Anteilseigner von Manus. Frühere US-Investoren wie Benchmark dürften sich an der Transaktion künftig nicht mehr beteiligen. Parallel sollen auch die Manus-Gründer selbst rund eine Milliarde Dollar von externen Geldgebern einsammeln, um eigene Anteile zurückzukaufen – ein Schritt, der später auch eine Struktur als chinesisches Gemeinschaftsunternehmen und einen Börsengang in Hongkong ermöglichen könnte.
Tencent, Manus und Meta äußerten sich auf Presseanfragen bislang nicht offiziell zu den Verhandlungen. Manus soll organisatorisch eigenständig bleiben, während Tencent vor allem als Kapitalgeber und Infrastrukturpartner auftritt – ähnlich wie bei anderen Beteiligungen des Konzerns an KI-Start-ups. Das Geschäft passt zu Tencents Strategie, KI-Agenten stärker auf der eigenen Plattform zu hosten und dafür Nutzungsgebühren einzunehmen.
Agentenbasierte KI wird zum geopolitischen Faktor
Der Fall zeigt, wie stark Regierungen den Besitz an fortschrittlicher KI-Technologie inzwischen kontrollieren. Chinesische Behörden bewerteten Metas Zugriff auf Manus als Risiko für die heimische Technologiebasis, weil Agenten-Systeme zunehmend als sicherheitsrelevante Infrastruktur gelten – vergleichbar mit Halbleitern oder Basismodellen. Der Fall gilt als eine der bislang deutlichsten Interventionen Pekings gegen eine grenzüberschreitende KI-Übernahme durch ein US-Unternehmen und dürfte weitere US-Konzerne bei Investments in chinesische KI-Start-ups künftig vorsichtiger werden lassen.
Nach Angaben von Tech Startups setzt Manus mittlerweile rund 500 Millionen Dollar Jahresumsatz um; die Zahl ist unabhängig nicht verifiziert. Trotz umfangreicher chinesischer KI-Investitionen dürfte es für das Konsortium nicht trivial sein, einen zweistelligen Milliardenbetrag an Bewertung kurzfristig zu stemmen. Das unterstreicht, wie hart mittlerweile auch chinesische Investoren um Anteile an gefragten Agenten-Start-ups konkurrieren. Für Tencent wäre der Einstieg zugleich ein weiterer Baustein der eigenen Agenten-Strategie neben hauseigenen Modellen wie Hunyuan und dem Cloud-Geschäft, über das Kundinnen und Kunden künftig Zugriff auf Manus erhalten könnten.
Offen bleibt, ob Tencent und die Altinvestoren das Kapital rechtzeitig zusammenbekommen und wie viel operativen Einfluss der Konzern nach dem Einstieg tatsächlich auf Manus nimmt. Ein offizieller Abschlusstermin für den Rückkauf ist bislang nicht bekannt.


