SK Hynix ist am 10. Juli 2026 mit Hinterlegungsscheinen an der Nasdaq gestartet. Dabei sammelte das Unternehmen 26,5 Milliarden Dollar ein – der größte Börsengang eines ausländischen Unternehmens in der Geschichte der US-Börsen. Die Aktie legte zum Handelsstart rund 13 Prozent zu, der Börsenwert des südkoreanischen Speicherchip-Herstellers überschritt erstmals eine Billion Dollar.
Nachfrage übertrifft das Angebot um das Siebenfache
SK Hynix platzierte 177,9 Millionen Hinterlegungsscheine zu je 149 Dollar und erlöste damit umgerechnet rund 40 Billionen Won, wie TechCrunch berichtete. Die Nachfrage der Investoren überstieg das angebotene Volumen um mehr als das Siebenfache. Der Ausgabepreis lag zwei Komma sieben Prozent über dem Dreitagesdurchschnitt der Stammaktie in Seoul – ein ungewöhnlicher Aufschlag, weil koreanische Technologiewerte an internationalen Börsen traditionell mit einem Abschlag gehandelt werden. HSBC-Analysten beziffern das Aufwertungspotenzial der US-Notierung auf bis zu zwanzig Prozent, wie der Wirtschaftsdienst Fortune notiert. Mit dem Erlös überholt SK Hynix den bisherigen Rekord für den Börsengang eines ausländischen Unternehmens in den USA. Diesen hielt zuvor der Handelskonzern Alibaba, der 2014 rund 25 Milliarden Dollar eingesammelt hatte. Gemessen an allen US-Börsengängen liegt SK Hynix damit auf Platz zwei hinter dem Raumfahrtunternehmen SpaceX, das im Juni 2026 rund 86 Milliarden Dollar eingesammelt hatte. Ab dem 13. Juli wechselt das Papier vom vorläufigen Kürzel SKHYV zum permanenten Tickersymbol SKHY.
Speicherchips für KI-Beschleuniger treiben das Geschäft
Grundlage des Interesses ist die Rolle von SK Hynix als einer der wichtigsten Lieferanten für Hochbandbreitenspeicher, kurz HBM, einen Speichertyp, der direkt neben KI-Rechenchips verbaut wird. Das Unternehmen kontrolliert nach Marktschätzungen deutlich mehr als die Hälfte dieses Marktes. Die genaue Quote schwankt je nach Quelle zwischen 56 und 60 Prozent und ist unabhängig nicht verifiziert. Neben Samsung und Micron gilt SK Hynix als einer von drei relevanten Anbietern weltweit. Nvidia bezieht einen Großteil seines HBM-Bedarfs von SK Hynix, dessen technologischer Vorsprung auf etwa ein Jahr geschätzt wird. Im Geschäftsjahr 2025 erzielte SK Hynix einen Umsatz von 97,1 Billionen Won, umgerechnet rund 64,1 Milliarden Dollar, bei einer Nettomarge von 44 Prozent, zeigen Zahlen von Yahoo Finance. Vorstandschef Kwak Noh-jung erklärte in einer Mitteilung des Unternehmens, HBM-Speicher stehe im Herzen der KI-Revolution, und SK Hynix werde künftig überall dort präsent sein, wo KI zum Einsatz komme. Konzernchef Chey Tae-won ergänzte gegenüber Fortune, das Unternehmen habe angekündigt, die Produktion innerhalb von fünf Jahren zu verdoppeln, doch jeder Kunde sage weiterhin, das reiche nicht aus. Der weltweite HBM-Markt soll von derzeit rund zehn Milliarden Dollar bis 2028 auf mehr als fünfzig Milliarden Dollar wachsen. Der allgemeine Speicherchip-Engpass dürfte nach Einschätzung von Branchenbeobachtern bis mindestens 2030 anhalten.
Kapital fließt in neue Werke – auch unter US-Druck
SK Hynix will die frischen Mittel aus dem Börsengang vor allem in Südkorea investieren. Geplant sind eine neue Fertigungsanlage, eine zusätzliche Verpackungsfabrik sowie moderne EUV-Belichtungsanlagen für die nächste Chip-Generation – Maschinen für Lithografie mit extrem ultraviolettem Licht. In den Vereinigten Staaten unterhält der Konzern bereits ein Werk. Seit 2024 baut SK Hynix im indianischen West Lafayette eine Verpackungsanlage für HBM-Speicher im Wert von rund 3,9 Milliarden Dollar, das erste eigene Werk dieser Art außerhalb Asiens. Parallel wächst der politische Druck aus Washington, zusätzliche Produktion in die Vereinigten Staaten zu verlagern. US-Handelsminister Howard Lutnick führt Gespräche mit Samsung und SK Hynix über den Bau weiterer Werke auf amerikanischem Boden. Der Konkurrent Micron hatte zuvor eigene Investitionen von rund 250 Milliarden Dollar in US-Fabriken angekündigt. Ob SK Hynix über die Anlage in Indiana hinaus weitere US-Standorte plant, ließ das Unternehmen bislang offen. Die aktuellen Ausbaupläne aus dem Börsengangserlös konzentrieren sich zunächst auf den Heimatstandort Südkorea, während das Werk in Indiana als bereits laufendes Projekt weiterläuft.
Entscheidend wird, ob SK Hynix dem Druck aus Washington nachgibt und zusätzlich zu den Werken in Südkorea und Indiana auch weitere Fabriken in den USA baut. Ein solcher Schritt würde Bau- und Lohnkosten erhöhen, könnte die Lieferkette für Nvidias KI-Chips aber gegen geopolitische Risiken absichern. Bis eine Entscheidung fällt, bleibt der Speicherchip-Engpass nach Einschätzung von Marktbeobachtern die zentrale Bremse für den weiteren Ausbau von KI-Rechenzentren.


