Die Vereinigten Arabischen Emirate sagen Deutschland beim Staatsbesuch von Präsident Scheich Mohamed bin Zayed am 10. und 11. September 2026 neue Investitionen von 40 Milliarden Euro zu. Das Geld soll in Rechenzentren mit rund einem Gigawatt Kapazität, Energie und Industrie fließen, ein Viertel davon nach Bayern. Zugleich unterzeichnen Unternehmen beider Länder 29 Verträge im Wert von gut 9,3 Milliarden Euro.
Zehn Milliarden Euro sind für Bayern vorgesehen
Der emiratische Präsident trifft laut einer Mitteilung der Bundesregierung am 10. September zunächst Bundeskanzler Friedrich Merz im Kanzleramt, tags darauf reist er nach München zu Ministerpräsident Markus Söder. Nach Angaben von berlinmorgen.de sollen zehn der 40 Milliarden Euro – ein Viertel der Gesamtsumme – nach Bayern fließen, vor allem in Luft- und Raumfahrt, künstliche Intelligenz und Verteidigungstechnik.
Diese Gesamtsumme lässt sich unabhängig nicht verifizieren, da bislang nur die beteiligten Regierungen selbst sie beziffern. Söder kommentiert die Zusage mit den Worten, sie bringe „Cash”, Aufträge und Wachstum. Die Emirate hatten zuvor bereits rund 34 Milliarden Euro in Deutschland investiert, etwa im Chemie- und Energiesektor.
Deutsche und emiratische Unternehmen unterzeichnen während des Besuchs zudem 29 Vereinbarungen im Gesamtwert von gut 9,3 Milliarden Euro, unter ihnen die Energiekonzerne RWE und Adnoc sowie der Chemiekonzern Covestro. Diese Einzelverträge bilden den bislang einzigen verbindlichen Teil des Pakets, der Rest bleibt eine Absichtserklärung. Für die geplante Rechenzentrumskapazität von rund einem Gigawatt nennt keine der beteiligten Seiten bislang Standorte außerhalb Bayerns – ähnlich unklar sind Bauzeit und Netzanschluss wie beim 5,6-Milliarden-Rechenzentrum der Schwarz-Gruppe bei Rostock.
Menschenrechtsorganisationen kritisieren den Zeitpunkt
Der Staatsbesuch fällt in eine Phase, in der die Emirate wegen ihrer Rolle im Sudan-Krieg in der Kritik stehen. Der dortigen paramilitärischen Rapid Support Forces werden Völkermord, Kriegsverbrechen und die gewaltsame Vertreibung ganzer Bevölkerungsgruppen vorgeworfen. Human Rights Watch fordert von der Bundesregierung, gegenüber Abu Dhabi unmissverständlich zu erklären, dass sie bereit sei, Sanktionen gegen emiratische Akteure zu verhängen, sollte sich eine Unterstützung der RSF bestätigen.
Sarah Reinke von der Gesellschaft für bedrohte Völker wirft der Bundesregierung vor, ein Regime zu hofieren, das die RSF im Sudan finanziere und mit Waffen ausstatte. Ohne diese Rückendeckung könnte die Miliz ihre Gewalt nach Einschätzung der Organisation nicht in diesem Ausmaß fortsetzen. Ein UN-Bericht dokumentiert Anfang September Netzwerke, die der RSF internationale Waffen- und Söldnerhilfe geliefert haben sollen.
Bundespräsident Steinmeier und Kanzler Merz betonen dagegen die Bedeutung der Emirate für die Stabilität im Nahen Osten und heben die wirtschaftliche Partnerschaft hervor, ohne die Vorwürfe öffentlich zurückzuweisen. Eine Stellungnahme der emiratischen Regierung zu den Sudan-Vorwürfen liegt bislang nicht vor.
Ein Investitionsrat soll die Zusage in Projekte übersetzen
Beide Regierungen vereinbaren zudem einen deutsch-emiratischen Investitionsrat, der künftige Vorhaben koordinieren und öffentliche wie private Akteure zusammenbringen soll. Wann das Gremium erstmals zusammentritt, ist noch offen. Für Bayern kommt die Zusage zu einem Zeitpunkt, in dem der Freistaat bei der Rechenleistung hinterherhinkt: Nach Angaben der bayerischen Staatsregierung verfügt Hessen bislang über gut 1.100 Megawatt an KI-Rechenkapazität, Bayern kommt trotz eigener Milliardeninvestitionen erst auf rund 420 Megawatt.
Für den Erfolg der angekündigten Rechenzentren dürfte zudem der Netzanschluss entscheidend werden: Branchenumfragen zufolge nennen mittlerweile neun von zehn Betreibern die Stromversorgung als wichtigstes Standortkriterium, noch vor Grundstücksgröße und Lage. Anschlussfristen verschieben sich in Deutschland vielerorts bereits in die späten 2030er-Jahre.
Der Bund selbst wirbt parallel mit eigenen Fördermitteln von einer Milliarde Euro um eine EU-geförderte KI-Gigafactory, deren Bewerbungsfrist am 12. November 2026 endet – die VAE-Zusage tritt also neben, nicht anstelle staatlicher Anstrengungen. Die Emirate selbst bauen ihr Profil als KI-Investor seit dem Sommer aus, seit die USA ihnen lizenzfreie Lieferungen fortschrittlicher KI-Chips erlauben.
Entscheidend wird, ob aus der Ankündigung tatsächlich Bauprojekte werden: Bislang ist nur ein Bruchteil der Summe in Verträgen fixiert, und für die Rechenzentren fehlen noch Standort- und Zeitangaben außerhalb Bayerns. Offen bleibt zudem, ob die Bundesregierung die Menschenrechtsvorwürfe zum Sudan-Krieg in die Arbeit des neuen Investitionsrats einbringt oder das Thema von den Wirtschaftsgesprächen trennt.


