KI-Wirtschaft

Bund erhöht Förderung für KI-Gigafactory auf eine Milliarde Euro

3 Min. Lesezeit

TL;DR Too Long; Didn’t read

Die Bundesregierung hat ihren Förderbeitrag für eine deutsche KI-Gigafactory auf eine Milliarde Euro angehoben, ein Plus von etwa 200 Millionen Euro. Grundlage ist das Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität. Die Aufstockung soll deutsche Bewerber in der EU-Ausschreibung für bis zu sieben KI-Gigafabriken stärken, deren Bewerbungsfrist am 12. November 2026 endet. Über die Standortvergabe entscheidet die EU-Kommission voraussichtlich Anfang 2027.

Ein Baukran hält eine überdimensionale Ein-Euro-Münze mit eingeprägtem Chip über den Bauplan einer Rechenzentrumshalle, rechts der Umriss Deutschlands vor der EU-Flagge, links Logo-Aufkleber von Microsoft, AWS und Google Generiertes Bild mit GPT Image 2

Das Wichtigste in Kürze

  • Der deutsche Förderanteil steigt von rund 805 Millionen auf eine Milliarde Euro, finanziert aus dem Sondervermögen SVIK.
  • EuroHPC eröffnete die EU-weite Ausschreibung für bis zu sieben KI-Gigafabriken bereits am 30. Juli 2026.
  • Bewerben dürfen sich nur Konsortien; auf jeden öffentlichen Euro sollen rund zwei Euro privates Kapital kommen.
  • Konsortien um Deutsche Telekom, Schwarz Digits und Ionos gelten als mögliche deutsche Bewerber, auch Bayern und Nordrhein-Westfalen werben um den Zuschlag.
  • Forschungsministerin Dorothee Bär nennt einen deutschen Gigafactory-Standort ein erklärtes Ziel der Bundesregierung.
  • Die EU-Kommission will die Standorte Anfang 2027 auswählen, der Betrieb soll binnen 18 Monaten nach Vertragsunterzeichnung starten.

Die Bundesregierung erhöht ihre Förderzusage für eine deutsche KI-Gigafactory um rund 200 Millionen auf eine Milliarde Euro. Das teilte das Bundesforschungsministerium laut einem Bericht der Nachrichtenagentur dts vom 7. August mit. Die zusätzlichen Mittel stammen aus dem Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität und sollen deutsche Bewerber im EU-weiten Wettbewerb um bis zu sieben Gigafabriken stärken.

Die Aufstockung stammt aus dem Klima-Sondervermögen

Zuvor hatte die Bundesregierung ihren Beitrag für das Vorhaben auf rund 805 Millionen Euro beziffert. Mit der Aufstockung passt sie die Planung an die Überlegungen auf EU-Ebene an, wie das Ministerium mitteilte, ohne die Zahlen dieser Überlegungen selbst zu nennen. Die zusätzlichen gut 200 Millionen Euro fließen aus dem Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität, kurz SVIK, und sind bereits in der laufenden Haushaltsplanung berücksichtigt. Das Ministerium begründet den Schritt damit, den Aufbau einer großen KI-Gigafactory in Deutschland zu unterstützen und das „hohe Ambitionsniveau der Bundesregierung” zu unterstreichen. Eine gesonderte Fördersumme für einzelne deutsche Bewerber nennt das Ministerium nicht. Die Mittel fließen erst, wenn ein deutscher Standort den Zuschlag erhält. Die Kommission hatte ihre Ausschreibung erst wenige Tage zuvor veröffentlicht. Unabhängig verifiziert ist die genannte Gesamtsumme von einer Milliarde Euro bislang nicht – sie stammt allein aus der Antwort des Ministeriums an den Newsletter.

Die EU-Ausschreibung für sieben Gigafabriken läuft seit Juli

Den Rahmen für die deutsche Förderzusage bildet die Ausschreibung des EU-Gemeinschaftsunternehmens EuroHPC, das am 30. Juli 2026 den Wettbewerb um bis zu sieben KI-Gigafabriken in Europa eröffnete. Insgesamt sollen die Anlagen Investitionen von mehr als 30 Milliarden Euro anstoßen: bis zu zehn Milliarden Euro öffentliche Mittel von EU und Mitgliedstaaten, dazu rund 20 Milliarden Euro von privaten Investoren. Bewerben können sich ausschließlich Konsortien oder eigens gegründete Zweckgesellschaften über das EU-Vergabeportal. Einzelne Unternehmen sind ausgeschlossen. Die Bewerbungsfrist endet am 12. November 2026, über die Standorte will die Kommission voraussichtlich Anfang 2027 entscheiden. Spätestens 18 Monate nach Vertragsunterzeichnung sollen die ausgewählten Anlagen den Betrieb aufnehmen. Auf jeden Euro öffentlicher Förderung sollen rund zwei Euro privates Kapital kommen. EU-Digitalkommissarin Henna Virkkunen nennt den Zugang zu Rechenleistung eine „strategische Notwendigkeit” für Europa. Lose, Teilnahmebedingungen und die ungeklärte Chip-Frage der Ausschreibung haben wir bereits ausführlich eingeordnet.

Mehrere deutsche Konsortien werben um den Zuschlag

In Deutschland formieren sich mehrere Bewerber um einen der begehrten Plätze. Nach Recherchen von Table.Media sind Konsortien um die Deutsche Telekom, Schwarz Digits und Ionos im Gespräch. In Bayern positioniert sich das Konsortium Blue Swan mit dem Standort Schweinfurt, zusätzlich sind nach Angaben des Ministeriums zwei Konsortien aus Nordrhein-Westfalen im Austausch mit dem Bund. Forschungsministerin Dorothee Bär (CSU) nannte es ein klares Ziel der Bundesregierung, dass Deutschland Standort einer Gigafactory werde. „Nun sind die Konsortien gefragt, sich im Wettbewerb durchzusetzen”, sagte sie laut dts. Bär zeigte sich zuversichtlich, dass am Ende schlagkräftige deutsche Bewerbungen zustande kämen, und verwies darauf, dass die Rahmenbedingungen seitens der Bundesregierung bereits geschaffen worden seien. Ein früherer, von OpenAI angestoßener Anlauf für ein deutsches KI-Rechenzentrum scheiterte an ungeklärter Stromversorgung und regulatorischen Fragen. Das Projekt ist von der EU-geförderten Gigafactory-Initiative unabhängig, zeigt aber, wie sehr Standortentscheidungen in Deutschland von Netzanschluss und Strompreis abhängen.

Offen bleibt, ob die zusätzlichen Bundesmittel ausreichen, um im europäischen Wettbewerb tatsächlich zu bestehen: Von den bis zu zehn Milliarden Euro an öffentlichen EU-Mitteln ist bislang nur ein Bruchteil aus laufenden Programmen gesichert, der Rest hängt vom künftigen EU-Finanzrahmen für die Jahre 2028 bis 2035 ab. Entscheidend wird, welches der deutschen Konsortien bis zum Bewerbungsschluss am 12. November 2026 ein tragfähiges Angebot vorlegt – die EU-Kommission will die Standorte nach jetzigem Stand Anfang 2027 auswählen.

Häufige Fragen

Wer entscheidet über die Vergabe der Gigafabrik-Standorte?

Das EU-Gemeinschaftsunternehmen EuroHPC bewertet die eingereichten Angebote nach den Kriterien der Ausschreibung. Über die endgültige Vergabe entscheiden die Europäische Kommission und die beteiligten Mitgliedstaaten.

Welche deutschen Standorte sind im Rennen?

Öffentlich bekannt sind bislang das bayerische Konsortium Blue Swan mit Standort Schweinfurt sowie zwei Konsortien aus Nordrhein-Westfalen. Weitere Bewerber könnten sich erst mit Ablauf der Frist am 12. November 2026 zeigen.

Wie unterscheidet sich die deutsche Förderung von der EU-Förderung?

Der Bund stellt mit der Milliarde Euro eigene Mittel aus dem Sondervermögen SVIK bereit, zusätzlich zum EU-Anteil an der Gesamtfinanzierung. Die EU selbst zahlt keine direkten Zuschüsse, sondern garantiert als Ankerkundin den Kauf von Rechenkapazität.

Ab wann könnte eine Gigafactory in Deutschland den Betrieb aufnehmen?

Nach der Standortauswahl Anfang 2027 bleiben den Betreibern laut Ausschreibung höchstens 18 Monate bis zum Betriebsbeginn. Ein verbindliches Datum für eine deutsche Anlage nennt weder die EU-Kommission noch die Bundesregierung.

Quellen (7)
  1. dts/finanznachrichten.de: Bund stockt KI-Gigafactory-Förderung auf eine Milliarde Euro auf
  2. BMFTR: AI Gigafactories – Europas neue Kraftwerke für Künstliche Intelligenz
  3. Europäische Kommission, Vertretung in Deutschland: Ausschreibung für bis zu sieben KI-Gigafabriken veröffentlicht
  4. EU Funding & Tenders Portal: AI Gigafactories Call (Ausschreibungsunterlagen)
  5. dts/finanznachrichten.de: Bundesregierung pocht auf Zuschlag für KI-Superrechenzentren
  6. Table.Media: AI Gigafactories – wie sieben Fabriken Europas KI-Rückstand aufholen sollen
  7. Epoch Times: OpenAI-KI-Gigafabrik in Deutschland gescheitert – Strom und EU-Recht als Hürden

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