Die Bundesregierung erhöht ihre Förderzusage für eine deutsche KI-Gigafactory um rund 200 Millionen auf eine Milliarde Euro. Das teilte das Bundesforschungsministerium laut einem Bericht der Nachrichtenagentur dts vom 7. August mit. Die zusätzlichen Mittel stammen aus dem Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität und sollen deutsche Bewerber im EU-weiten Wettbewerb um bis zu sieben Gigafabriken stärken.
Die Aufstockung stammt aus dem Klima-Sondervermögen
Zuvor hatte die Bundesregierung ihren Beitrag für das Vorhaben auf rund 805 Millionen Euro beziffert. Mit der Aufstockung passt sie die Planung an die Überlegungen auf EU-Ebene an, wie das Ministerium mitteilte, ohne die Zahlen dieser Überlegungen selbst zu nennen. Die zusätzlichen gut 200 Millionen Euro fließen aus dem Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität, kurz SVIK, und sind bereits in der laufenden Haushaltsplanung berücksichtigt. Das Ministerium begründet den Schritt damit, den Aufbau einer großen KI-Gigafactory in Deutschland zu unterstützen und das „hohe Ambitionsniveau der Bundesregierung” zu unterstreichen. Eine gesonderte Fördersumme für einzelne deutsche Bewerber nennt das Ministerium nicht. Die Mittel fließen erst, wenn ein deutscher Standort den Zuschlag erhält. Die Kommission hatte ihre Ausschreibung erst wenige Tage zuvor veröffentlicht. Unabhängig verifiziert ist die genannte Gesamtsumme von einer Milliarde Euro bislang nicht – sie stammt allein aus der Antwort des Ministeriums an den Newsletter.
Die EU-Ausschreibung für sieben Gigafabriken läuft seit Juli
Den Rahmen für die deutsche Förderzusage bildet die Ausschreibung des EU-Gemeinschaftsunternehmens EuroHPC, das am 30. Juli 2026 den Wettbewerb um bis zu sieben KI-Gigafabriken in Europa eröffnete. Insgesamt sollen die Anlagen Investitionen von mehr als 30 Milliarden Euro anstoßen: bis zu zehn Milliarden Euro öffentliche Mittel von EU und Mitgliedstaaten, dazu rund 20 Milliarden Euro von privaten Investoren. Bewerben können sich ausschließlich Konsortien oder eigens gegründete Zweckgesellschaften über das EU-Vergabeportal. Einzelne Unternehmen sind ausgeschlossen. Die Bewerbungsfrist endet am 12. November 2026, über die Standorte will die Kommission voraussichtlich Anfang 2027 entscheiden. Spätestens 18 Monate nach Vertragsunterzeichnung sollen die ausgewählten Anlagen den Betrieb aufnehmen. Auf jeden Euro öffentlicher Förderung sollen rund zwei Euro privates Kapital kommen. EU-Digitalkommissarin Henna Virkkunen nennt den Zugang zu Rechenleistung eine „strategische Notwendigkeit” für Europa. Lose, Teilnahmebedingungen und die ungeklärte Chip-Frage der Ausschreibung haben wir bereits ausführlich eingeordnet.
Mehrere deutsche Konsortien werben um den Zuschlag
In Deutschland formieren sich mehrere Bewerber um einen der begehrten Plätze. Nach Recherchen von Table.Media sind Konsortien um die Deutsche Telekom, Schwarz Digits und Ionos im Gespräch. In Bayern positioniert sich das Konsortium Blue Swan mit dem Standort Schweinfurt, zusätzlich sind nach Angaben des Ministeriums zwei Konsortien aus Nordrhein-Westfalen im Austausch mit dem Bund. Forschungsministerin Dorothee Bär (CSU) nannte es ein klares Ziel der Bundesregierung, dass Deutschland Standort einer Gigafactory werde. „Nun sind die Konsortien gefragt, sich im Wettbewerb durchzusetzen”, sagte sie laut dts. Bär zeigte sich zuversichtlich, dass am Ende schlagkräftige deutsche Bewerbungen zustande kämen, und verwies darauf, dass die Rahmenbedingungen seitens der Bundesregierung bereits geschaffen worden seien. Ein früherer, von OpenAI angestoßener Anlauf für ein deutsches KI-Rechenzentrum scheiterte an ungeklärter Stromversorgung und regulatorischen Fragen. Das Projekt ist von der EU-geförderten Gigafactory-Initiative unabhängig, zeigt aber, wie sehr Standortentscheidungen in Deutschland von Netzanschluss und Strompreis abhängen.
Offen bleibt, ob die zusätzlichen Bundesmittel ausreichen, um im europäischen Wettbewerb tatsächlich zu bestehen: Von den bis zu zehn Milliarden Euro an öffentlichen EU-Mitteln ist bislang nur ein Bruchteil aus laufenden Programmen gesichert, der Rest hängt vom künftigen EU-Finanzrahmen für die Jahre 2028 bis 2035 ab. Entscheidend wird, welches der deutschen Konsortien bis zum Bewerbungsschluss am 12. November 2026 ein tragfähiges Angebot vorlegt – die EU-Kommission will die Standorte nach jetzigem Stand Anfang 2027 auswählen.


