Zoox nimmt in Las Vegas den ersten bezahlten Fahrdienst mit einem rein autonomen Fahrzeug ohne Lenkrad und Pedale in den USA auf. Die US-Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA hatte dem Amazon-Tochterunternehmen zuvor eine zweijährige Ausnahmegenehmigung für bis zu 2500 Fahrzeuge jährlich erteilt. Fahrgäste zahlen ab dem 10. August 2026 für Strecken, die bislang kostenlos waren.
NHTSA hebt acht Sicherheitsvorschriften für Zoox auf
Die Behörde erteilte Zoox im Juli 2026 eine Ausnahme von acht Vorschriften der Federal Motor Vehicle Safety Standards, die eigentlich Lenkrad, Pedale, Rückspiegel und bestimmte Bremssysteme vorschreiben. Betroffen sind unter anderem Vorgaben zu Windschutzscheiben, Beleuchtung, Rücksicht und Insassenschutz. Laut Bundesregister ist es erst die zweite Ausnahmegenehmigung dieser Art überhaupt und die erste für ein Fahrzeug, das zahlende Passagiere befördert. Die Genehmigung gilt vom 31. Juli 2026 bis zum 31. Juli 2028.
NHTSA-Chef Jonathan Morrison begründete den Schritt mit einem „ausgewogenen Ansatz” zwischen Innovationsförderung und Aufsicht; parallel kündigte die Behörde neue, technologieoffenere Sicherheitsstandards für autonome Fahrzeuge an. Das würfelförmige Fahrzeug hat einander zugewandte Sitzbänke für bis zu vier Fahrgäste und bietet keine Möglichkeit, manuell einzugreifen. Zoox unterliegt laut Ankündigung weiterhin einer erweiterten behördlichen Beobachtung, die sich mit dem Reifegrad der Technik weiterentwickeln soll.
Fahrpreise liegen im Komfort-Segment über Uber
Die Tarife orientieren sich laut einem Bericht von TechCrunch an der Komfort-Stufe der Konkurrenz und liegen rund 20 bis 40 Prozent über den Preisen von UberX. Eine feste Grundgebühr nennt Zoox nicht; die Fahrpreise setzen sich aus einer Basisgebühr sowie Strecke und Fahrzeit zusammen, für Fahrten etwa zum Flughafen können zusätzliche Gebühren anfallen. Das Unternehmen garantiert, dass Fahrgäste nicht mehr zahlen, wenn das Fahrzeug einen längeren als den geplanten Weg fährt.
Gebucht wird zunächst ausschließlich über die Zoox-App, eine Integration in die Uber-App ist für die kommenden Monate angekündigt. Bedient werden vorerst Ziele entlang des Las-Vegas-Strip wie das Sphere, das T-Mobile Arena, mehrere Hotelkasinos und das Las Vegas Convention Center. Zoox-Chefin Aicha Evans bezeichnete die Genehmigung als Schritt, um autonome Fahrdienste künftig in weitere Städte zu bringen.
Amazon testet den Dienst seit über einem Jahr
Zoox bot in Teilen von Las Vegas und San Francisco bereits seit 2025 kostenlose Fahrten für die Öffentlichkeit an, um Technik und Betriebsabläufe im echten Verkehr zu erproben. Amazon hatte das Start-up 2020 für rund 1,2 Milliarden Dollar übernommen und seither Milliarden in ein komplett neu konstruiertes Robotertaxi investiert, das im Gegensatz zu Wettbewerbern wie Waymo von Grund auf ohne menschliche Bedienelemente gebaut wurde. Waymo rüstet dagegen bislang überwiegend Serienfahrzeuge um, in denen Lenkrad und Pedale zwar vorhanden, aber ungenutzt bleiben.
Für den Ausbau nach Kalifornien braucht Zoox noch zusätzliche Genehmigungen der dortigen Landesbehörden; ein Termin dafür steht offen. In Nevada besitzt das Unternehmen bereits die nötige bundesstaatliche Erlaubnis für den gewerblichen Betrieb. In San Francisco bietet Zoox unterdessen weiterhin ausschließlich kostenlose Testfahrten an, ein Termin für den kommerziellen Start dort ist ebenfalls offen.
Entscheidend wird, ob sich die auf 2500 Fahrzeuge jährlich begrenzte Flotte wirtschaftlich tragen lässt, bevor die Ausnahmegenehmigung 2028 ausläuft. Zoox tritt damit direkt gegen Alphabets Waymo an, das in mehreren US-Städten bereits deutlich mehr Fahrzeuge betreibt und ebenfalls um behördliche Ausnahmen für eigene fahrerlose Konstruktionen wirbt. Ob Kundinnen und Kunden den Aufpreis gegenüber klassischen Mitfahrdiensten dauerhaft akzeptieren, zeigt sich erst in den kommenden Monaten im bezahlten Betrieb.


