OpenAI hat am 22. September 2026 zwei neue Modelle für den Arbeitsalltag vorgestellt: GPT-6 Sol für komplexe Programmieraufgaben und GPT-6 Luna für schnelle Routinearbeiten. Beide ersetzen in ChatGPT Work, Codex und der API die bisherigen GPT-5.6-Varianten und kosten dabei rund die Hälfte. Nur 90 Minuten zuvor hatte Anthropic sein Modell Claude Opus 5.5 mit einer eigenen Preissenkung veröffentlicht.
OpenAI halbiert die Token-Preise für Sol und Luna
Für GPT-6 Sol sinkt der Preis pro Million Eingabe-Token von vier auf zwei Dollar, bei der Ausgabe von 20 auf zehn Dollar. GPT-6 Luna kostet nur noch zehn statt 20 Cent je Million Eingabe-Token und 50 Cent statt 1,20 Dollar bei der Ausgabe. Den Nachlass führt OpenAI auf Fortschritte beim Zwischenspeichern und bei der Inferenz zurück, wie TechCrunch berichtet.
Eine Million Token entspricht etwa 750.000 Wörtern Fließtext, also einem mehrere Hundert Seiten starken Dokumentenstapel – für zwei Dollar lässt sich damit unternehmensweit ein kompletter Vertragsordner einlesen. Beide Modelle verbrauchen je Aufgabe zusätzlich weniger Token als ihre Vorgänger. Die tatsächliche Ersparnis in der Praxis dürfte dadurch höher ausfallen als der reine Listenpreis. Sol mache dadurch nur noch halb so viele Fehler wie sein Vorgänger. Es erreiche damit annähernd die Zuverlässigkeit des größeren Modells GPT-6 Astra – zu einem Bruchteil von dessen Kosten. Luna wiederum komme bei hohem Rechenaufwand an die Qualität von GPT-5.6 Sol heran, koste dabei aber nur einen Bruchteil. Es eigne sich damit vor allem für Aufgaben mit hohem Durchsatz wie Dokumentenprüfung oder Kundenanfragen.
Rollout erreicht ChatGPT Work und Codex noch heute
Beide Modelle stehen ab sofort in ChatGPT Work, in Codex und über die API bereit. Zugriff haben zunächst Plus-, Pro-, Business-, Enterprise- und Edu-Konten. Enterprise-Administratoren müssen die neuen Modelle in ihren Einstellungen zunächst manuell freischalten, bevor Mitarbeitende sie im Web-Client oder in der Desktop-App auswählen können. Nutzer mit einem kostenlosen Konto oder dem Einstiegstarif Go erhalten vorerst nur GPT-6 Luna – und das ausschließlich in der Desktop-App. Die Web-Version bleibt diesen Konten weiterhin verschlossen.
Der Rollout verteilt sich über den gesamten 22. September, damit nicht alle Konten gleichzeitig umgestellt werden. Einzelne Teams sehen die neuen Modelle deshalb erst im Laufe des Tages in ihrem Konto. Ob die Modelle zeitgleich in Deutschland und der übrigen EU verfügbar sind, lässt OpenAI offen. Eine gesonderte Region-Einschränkung nennt das Unternehmen nicht. Ein festes Enddatum für den Zugriff auf die Vorgängermodelle GPT-5.6 Sol und Luna hat OpenAI bislang nicht mitgeteilt. Bestehende Codex-Guthaben bleiben bis zu einer separaten Ankündigung nutzbar.
Anthropic kommt der Ankündigung 90 Minuten zuvor
Nur wenig früher am selben Tag hatte Anthropic sein neues Spitzenmodell Claude Opus 5.5 veröffentlicht, berichtet TechCrunch. Der Preis sinkt um 20 Prozent auf vier Dollar je Million Eingabe- und 20 Dollar je Million Ausgabe-Token. Zugriffe auf zwischengespeicherte Inhalte kosten sogar 60 Prozent weniger. Die Ausgabegeschwindigkeit steige um über 30 Prozent. Opus 5.5 läuft über AWS, Google Cloud und Microsoft Azure. Es übertrifft nach Angaben von Anthropic das bisherige Modell Fable 5.1 bei agentischem Programmieren, Wissensarbeit und Bildverständnis.
OpenAI vergleicht Sol in eigenen Tests bislang nur mit dem älteren Modell Opus 5. Bei hohem Rechenaufwand erreiche Sol demnach einen ähnlichen Wert wie Opus 5 bei mittlerem Aufwand – 60,5 zu 60,3 Prozent auf einem hauseigenen Agenten-Benchmark. Die Kosten lägen dabei rund 80 Prozent niedriger. Ein Abgleich mit dem frisch veröffentlichten Opus 5.5 fehlt bislang. Die Zahl ist unabhängig nicht verifiziert.
Entscheidend wird, ob Anthropic seinen Preisvergleich nach dem eigenen Opus-5.5-Start erneuert oder ob OpenAI mit einem direkten Vergleich zwischen Sol und Opus 5.5 nachlegt. Bereits angekündigt sind zudem die kleineren Modelle Claude Sonnet 5.5 und Haiku 5.5, die laut Anthropic binnen weniger Wochen folgen sollen. Es ist der nächste Schritt in einem Preiswettlauf, der Unternehmenskunden binnen eines einzigen Tages bei zwei großen Anbietern günstigere KI-Nutzung beschert.


