Der Digitalverband Bitkom rechnet für 2026 mit KI-Ausgaben deutscher Unternehmen von 28,7 Milliarden Euro – ein Anstieg um 48 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die am Dienstag veröffentlichten Zahlen stammen aus einer Auswertung des Marktforschers IDC. Für 2027 erwartet der Verband ein weiteres Plus von 40 Prozent auf dann 40,3 Milliarden Euro.
Generative KI verdoppelt ihre Ausgaben
Größter Wachstumstreiber ist generative KI: Anwendungen wie ChatGPT, Microsoft Copilot oder Google Gemini kosten deutsche Unternehmen 2026 laut Bitkom rund 11,5 Milliarden Euro – doppelt so viel wie im Vorjahr mit 5,7 Milliarden Euro. Damit macht generative KI inzwischen etwa 40 Prozent aller KI-Ausgaben im Land aus, gegenüber knapp 30 Prozent im Jahr 2025. Der Sprung zeigt einen Wechsel von Testprojekten zu bezahlter Breitennutzung: Viele Unternehmen hatten generative Werkzeuge zunächst über einzelne Pilotteams oder private Zugänge Beschäftigter erprobt.
2026 fließt das Budget zunehmend in zentral verwaltete Firmenlizenzen mit Zugriffskontrolle, Datenschutzvorgaben und Anbindung an interne Systeme wie E-Mail, Tabellenkalkulation oder Kundendatenbanken. Für Beschäftigte in Büros bedeutet das vor allem: Mehr Arbeitgeber stellen offizielle KI-Assistenten für Text, Tabellen und Kommunikation bereit, statt Mitarbeitende auf eigene Testkonten zu verweisen. Das verändert auch, wie Abteilungen KI-Kosten einplanen – nicht mehr als Experiment mit Restbudget, sondern als feste, wiederkehrende Position im IT-Jahresbudget.
Software bleibt größter Ausgabenposten
Nach Marktsegmenten aufgeschlüsselt entfallen 16,0 Milliarden Euro auf KI-Software, ein Plus von 65 Prozent gegenüber dem Vorjahr – der mit Abstand größte und am schnellsten wachsende Posten. Dienstleistungen rund um KI-Projekte, etwa Beratung, Integration bestehender Systeme und Schulung von Personal, summieren sich auf 6,8 Milliarden Euro, ein Plus von 30 Prozent. Auf Hardware wie Server, Speicher und Beschleunigerkarten für das Training und den Betrieb von Modellen entfallen 5,8 Milliarden Euro, ein Zuwachs von 32 Prozent.
Dass Software schneller wächst als Dienstleistungen und Hardware zusammen, deutet auf einen reifer werdenden Markt hin: Unternehmen kaufen zunehmend fertige Produkte, statt aufwendige Projektarbeit einzukaufen oder eigene Infrastruktur aufzubauen. IDC erhebt die Zahlen im Rahmen des weltweiten AI and Generative AI Spending Guide und bildet Deutschland darin als eigenen Länderausschnitt ab, der regelmäßig aktualisiert wird. Die konkreten Eurobeträge beruhen auf einer Modellierung des beauftragten Marktforschers auf Basis von Befragungen und Marktdaten und sind unabhängig nicht verifiziert.
Bitkom sieht Übergang von Testphase zu Praxis
Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst ordnet die Zahlen als Zeichen einer Reifung ein: Bei KI erlebe man „den Übergang von der Experimentierphase zu einem breiten Einsatz”, in Unternehmen jeder Größe und in allen Branchen. Der Verband hatte erst vor wenigen Tagen berichtet, dass 57 Prozent der deutschen Unternehmen inzwischen KI einsetzen, dreimal so viele wie vor zwei Jahren. Die neuen Zahlen liefern dazu die finanzielle Kehrseite: Mehr Nutzung bedeutet auch mehr laufende Kosten für Lizenzen, Infrastruktur und Beratung.
Veröffentlicht wurden die Daten anlässlich des AI, Data and Quantum Summit, der am Dienstag und Mittwoch in Berlin stattfindet und Politik, Verbände und Unternehmen zu KI-Themen zusammenbringt. An den Börsen wird die Wachstumsdynamik unterdessen skeptischer gesehen als in der Bitkom-Mitteilung: Steigende Finanzierungskosten und günstigere chinesische Modelle nähren dort die Sorge vor Überkapazitäten bei Rechenzentren – ein Kontrast zu den optimistischen Ausgabenprognosen für den deutschen Markt.
Entscheidend wird, ob die für 2027 prognostizierten 40,3 Milliarden Euro tatsächlich erreicht werden oder ob die an den Kapitalmärkten diskutierten Sorgen um Überkapazitäten die Ausgabendynamik bremsen. Eine belastbare Zwischenbilanz dürfte frühestens Bitkoms nächste Erhebung Anfang 2027 liefern.


