Was ist ChatGPT Work?
OpenAI hat am 9. Juli 2026 mit ChatGPT Work einen neuen Agentenmodus für ChatGPT vorgestellt. Laut der offiziellen Ankündigung von OpenAI funktioniert das Tool in mehreren Schritten: In einem “Plan Mode” sammelt der Agent zunächst Kontext aus verbundenen Werkzeugen, stellt bei Bedarf Rückfragen und legt dem Nutzer einen Schritt-für-Schritt-Plan zur Freigabe vor. Anschließend arbeitet ChatGPT Work eigenständig weiter – über mehrere Stunden hinweg, wenn nötig – und greift dabei über eine im Desktop integrierte Browserfunktion sowie über sogenannte Computer-Use-Fähigkeiten auf Dateien und Anwendungen zu.
Aus den gesammelten Informationen erstellt der Agent fertige Arbeitsergebnisse: Tabellen, Dokumente, Präsentationen sowie über die neue “Sites”-Funktion auch interaktive Web-Anwendungen, Dashboards und Reports. Laut OpenAIs Produktseite lassen sich zudem einmalige oder wiederkehrende Aufgaben einrichten, deren Fortschritt sich verfolgen lässt. Die Anbindung an externe Werkzeuge erfolgt über mehr als 1.400 Plugins, unter anderem für Slack, Salesforce, Google Drive, SharePoint, Jira und gängige E-Mail-Programme. Ein Sicherheitsmechanismus soll dabei laut OpenAI unautorisiertes Teilen von Daten verhindern; Unternehmenskunden können Zugriffsrechte und verbundene Werkzeuge zentral verwalten.
GPT-5.6: Sol, Terra und Luna im Preisvergleich
Gemeinsam mit ChatGPT Work wird die neue Modellfamilie GPT-5.6 öffentlich verfügbar. Sie besteht aus drei Stufen, die sich laut OpenAIs Preisübersicht im Help Center im Preis pro Million Token unterscheiden:
- Sol (Flaggschiff): 5 US-Dollar Input / 30 US-Dollar Output
- Terra (mittlere Stufe): 2,50 US-Dollar Input / 15 US-Dollar Output
- Luna (günstigste, schnellste Stufe): 1 US-Dollar Input / 6 US-Dollar Output
Sol war zuvor bereits als eingeschränkte Vorschau für ausgewählte Partner verfügbar, wie OpenAI im Blogbeitrag “Previewing GPT-5.6 Sol” beschreibt. Dort nennt das Unternehmen unter anderem Bestwerte auf dem Coding-Benchmark Terminal-Bench 2.1 sowie eine gegenüber GPT-5.5 verbesserte Leistung bei geringerem Tokenverbrauch auf dem Biologie-Benchmark GeneBench v1. Auf dem Cybersicherheits-Benchmark ExploitBench erreiche Sol demnach ein vergleichbares Ergebnis wie das interne Modell “Mythos Preview” bei etwa einem Drittel der Output-Token. Laut OpenAI überschreitet Sol dabei nicht die als “Cyber Critical” eingestufte Schwelle des unternehmenseigenen Preparedness Framework. Diese Angaben stammen aus OpenAIs eigenen Veröffentlichungen und sind bislang nicht durch unabhängige Dritte nachgeprüft.
Rollout und Verfügbarkeit
Der Rollout erfolgt gestaffelt nach Tarif. Wie OpenAI in der offiziellen Ankündigung mitteilt, steht ChatGPT Work seit dem 9. Juli 2026 zunächst Pro-, Enterprise- und Edu-Nutzern über Web und Mobile zur Verfügung. Plus- und Business-Tarife sollen innerhalb weniger Tage folgen. Die überarbeitete Desktop-App für Mac und Windows – in die zugleich die bisherige Codex-App integriert wurde – ist bereits ab heute für alle Tarife nutzbar, einschließlich der kostenlosen Version. Die bisherige ChatGPT-Desktop-App wird laut MacRumors in “ChatGPT Classic” umbenannt und bleibt parallel verfügbar.
Wettbewerbsvergleich und erste Reaktionen
ChatGPT Work tritt direkt gegen bestehende Agenten-Produkte anderer Anbieter an. MacRumors ordnet das Tool in seiner Berichterstattung ausdrücklich neben Anthropics Cowork ein, das ebenfalls im Hintergrund über mehrere Anwendungen hinweg arbeitet. Auch die Modellfamilie GPT-5.6 selbst positioniert OpenAI gegen aktuelle Konkurrenzmodelle wie Anthropics Fable 5.
Erste Einschätzungen von Testern, die Axios zusammengetragen hat, fallen unterschiedlich aus. MagicPath-CEO Pietro Schirano beschrieb GPT-5.6 als “the best model I’ve ever used. Fast, smart, genuinely creative.” Investor Matt Shumer äußerte sich dagegen zurückhaltender und hielt fest, Anthropics Fable sei für seine Anwendungsfälle “was quite a bit better”. Every-CEO Dan Shipper verglich GPT-5.6 laut Axios eher mit einem verlässlichen, aber unspektakulären Werkzeug, während er Fable eine höhere Rohleistung zuschrieb. Laut Axios bezifferte OpenAI-Chef Sam Altman zudem die Effizienzsteigerung von Sol bei agentischen Coding-Aufgaben gegenüber Vorgängermodellen auf 54 Prozent – eine unternehmenseigene Angabe, die bislang nicht unabhängig verifiziert ist.
Einordnung: Was die Zahlen wert sind
Ein Teil der bisherigen Berichterstattung stützt sich auf Material, das OpenAI selbst veröffentlicht hat, etwa Benchmark-Ergebnisse und ein in der offiziellen Ankündigung zitiertes Kundenbeispiel von Virgin Atlantic, wonach ein Wettbewerbsanalyse-Zyklus, der normalerweise Wochen dauere, nun “takes hours”. Solche unternehmenseigenen Fallstudien und Effizienzangaben sind naturgemäß nicht unabhängig geprüft und sollten entsprechend eingeordnet werden. Wie belastbar die Vorteile von ChatGPT Work und GPT-5.6 im Alltagseinsatz tatsächlich sind, dürfte sich erst zeigen, wenn der Rollout auf breitere Nutzergruppen ausgeweitet ist und unabhängige Tests vorliegen.


