KI-Wirtschaft

Schwarz-Gruppe baut KI-Rechenzentrum bei Rostock für 5,6 Milliarden

3 Min. Lesezeit

TL;DR Too Long; Didn’t read

Schwarz Digits, die IT-Sparte der Schwarz-Gruppe, investiert bis 2033 bis zu 5,6 Milliarden Euro in ein 240-Megawatt-KI-Rechenzentrum in Dummerstorf bei Rostock. Mecklenburg-Vorpommern beteiligt sich mit bis zu 120 Millionen Euro Landesförderung. Betrieben werden soll die Anlage mit Windstrom, die Abwärme fließt ins Rostocker Fernwärmenetz. Der Betreiber zählt zugleich zu den Bewerbern um eine EU-geförderte KI-Gigafabrik am selben Standort.

Windräder speisen einen Serverschrank an der Ostseeküste, im Hintergrund ein Sternenkreis am Horizont Generiertes Bild mit GPT Image 2

Das Wichtigste in Kürze

  • Baubeginn in Dummerstorf ist für 2027 anvisiert, die erste Ausbaustufe soll 2033 stehen.
  • Das Land Mecklenburg-Vorpommern beteiligt sich mit bis zu 120 Millionen Euro an dem Projekt.
  • Rund 120 dauerhafte Arbeitsplätze sollen laut Unternehmensangaben am Standort entstehen.
  • Eine Absichtserklärung sieht vor, dass die Serverabwärme rund 40 Prozent von Rostocks Fernwärme deckt.
  • Schwarz Digits gehört zu rund 60 Bewerbern um eine der sieben EU-KI-Gigafabriken.
  • Parallel entsteht im brandenburgischen Lübbenau ein zweites Rechenzentrum für rund elf Milliarden Euro.

Der Handelskonzern Schwarz-Gruppe baut in Dummerstorf bei Rostock ein KI-Rechenzentrum für bis zu 5,6 Milliarden Euro. Bis 2033 entstehen 240 Megawatt Anschlussleistung, eine spätere Erweiterung auf ein Gigawatt ist vorgesehen. Das Land Mecklenburg-Vorpommern fördert das Vorhaben mit bis zu 120 Millionen Euro.

Windkraft und Fernwärme prägen den Standort

Die Fläche liegt acht Kilometer von Rostock entfernt am Autobahnkreuz A19/A20 und nahe der Konverterstation Bentwisch für Offshore-Windstrom. Mecklenburg-Vorpommern erzeugt deutlich mehr Strom aus Wind- und Solaranlagen, als im Land verbraucht wird. Das Rechenzentrum soll überwiegend mit dieser Windenergie laufen, an das Höchstspannungsnetz angeschlossen werden und seine Server mit Luftkühlung betreiben. Der Baubeginn ist für 2027 vorgesehen.

Die Serverabwärme soll künftig einen Teil der Rostocker Fernwärme liefern: Laut einer Absichtserklärung mit den örtlichen Stadtwerken könnte sie rund 40 Prozent des städtischen Wärmebedarfs decken. Im laufenden Betrieb sollen nach Unternehmensangaben rund 120 dauerhafte, hochqualifizierte Arbeitsplätze in der Region entstehen (unabhängig nicht verifiziert). Ursprünglich hatte der Projektentwickler Freo Group auf der Fläche ein noch größeres KI-Rechenzentrum mit bis zu 1,2 Gigawatt geplant und das Areal dann an die Schwarz-Gruppe weitergereicht. Die Gemeinde Dummerstorf hatte ihre Pläne für das Gewerbegebiet “Ostsee 3.0” bereits im Oktober 2025 auf ein Rechenzentrumsprojekt ausgerichtet. Ein öffentlich bestätigter, vollständiger Baugenehmigungsbescheid für das konkrete Vorhaben liegt bislang nicht vor.

Zunächst deckt der Bau den Eigenbedarf

Die Kapazität ist laut Schwarz Digits vorerst für den Eigenbedarf des Konzerns bestimmt – für Daten aus Lieferketten, Bestellungen, Zahlungsverkehr und Kundenbindungsprogrammen von Lidl und Kaufland. Konzernchef Gerd Chrzanowski verband die Investition mit dem Ziel digitaler Souveränität: “Digitale Souveränität entsteht durch konkretes Handeln, durch verlässliche Infrastruktur und praxistaugliche Anwendungen.” Eine spätere Öffnung der Kapazitäten für externe Cloud- und KI-Kunden über die konzerneigene Marke Stackit schließen Beobachter nicht aus, offiziell bestätigt ist das bislang nicht.

Schwarz Digits baut parallel im brandenburgischen Lübbenau auf dem Gelände eines ehemaligen Kohlekraftwerks ein weiteres Rechenzentrum. Die Anschlussleistung liegt bei rund 200 Megawatt, das Investitionsvolumen bei etwa elf Milliarden Euro, die Fertigstellung ist bis Ende 2027 geplant. Die Sparte steigerte ihren Umsatz zuletzt um 16 Prozent auf 2,2 Milliarden Euro, die Gesamtgruppe kam 2025 auf rund 185,6 Milliarden Euro Umsatz. Stackit positioniert sich als europäische Alternative zu den Cloud-Angeboten von Amazon, Microsoft und Google und wirbt bei Behörden und regulierten Branchen mit Datenverarbeitung nach deutschem Recht.

Der Standort bewirbt sich zusätzlich um eine EU-Gigafabrik

Schwarz Digits zählt Berichten zufolge zu rund 60 Interessenten EU-weit für eine der bis zu sieben KI-Gigafabriken. Das EU-Gemeinschaftsunternehmen EuroHPC hat seine Ausschreibung dafür Ende Juli 2026 eröffnet, veranschlagt mit mehr als 30 Milliarden Euro, davon mindestens 20 Milliarden Euro aus privaten Mitteln. Auch die Deutsche Telekom sowie der Cloud-Anbieter Ionos mit dem Baukonzern Hochtief zählen zu den deutschen Interessenten; eine gemeinsame deutsche Bewerbung war zuvor gescheitert. Der Bund hatte seine eigene Förderzusage für eine deutsche Gigafabrik auf eine Milliarde Euro erhöht, um deutschen Bewerbern im europäischen Vergleich bessere Chancen zu verschaffen.

Bewerbungen sind bis zum 12. November 2026 möglich, die Auswahl der EU-Kommission wird für Anfang 2027 erwartet. Ministerpräsidentin Manuela Schwesig verwies bei der Vorstellung des Projekts in der Schweriner Staatskanzlei darauf, dass ihr Land damit erneuerbare Energien und Digitalisierung stärker verbinde. Digitalminister Karsten Wildberger hatte erst wenige Tage zuvor eingeräumt, im globalen KI-Wettlauf bestenfalls Platz drei oder vier anzustreben – auch wegen der bislang schwachen deutschen Rechenkapazität.

Offen bleibt, ob die EU-Kommission Dummerstorf tatsächlich als eine der sieben Gigafabriken auswählt oder ob der Standort allein aus der Eigeninvestition der Schwarz-Gruppe wächst. Für den ostdeutschen Standort wie für Deutschlands Rechenkapazität insgesamt, die im internationalen Vergleich als Rückstand gilt, wäre ein Zuschlag ein zusätzlicher Schub. Die Entscheidung fällt frühestens Anfang 2027.

Häufige Fragen

Wer betreibt das neue Rechenzentrum in Dummerstorf?

Bauherr ist Schwarz Digits, die IT- und Cloud-Sparte der Schwarz-Gruppe, zu der auch Lidl, Kaufland und die Cloud-Marke Stackit gehören.

Ab wann soll die Anlage laufen?

Der Baubeginn ist für 2027 vorgesehen, die erste Ausbaustufe mit 240 Megawatt soll bis 2033 fertig sein; eine Erweiterung bis 2045 auf ein Gigawatt ist möglich.

Wovon hängt eine EU-Förderung als KI-Gigafabrik ab?

Über die Standortvergabe entscheidet die EU-Kommission voraussichtlich Anfang 2027, nachdem die Bewerbungsfrist am 12. November 2026 endet. Ob Dummerstorf zum Zuge kommt, ist offen.

Wer zahlt für den Bau?

Die Schwarz-Gruppe finanziert das Vorhaben überwiegend selbst, das Land Mecklenburg-Vorpommern beteiligt sich mit bis zu 120 Millionen Euro.

Wird die Rechenkapazität auch für externe Kunden verfügbar sein?

Zunächst nutzt die Schwarz-Gruppe die Kapazität ausschließlich für den eigenen Handelsbetrieb. Ob Schwarz Digits sie später über Stackit auch externen Cloud- und KI-Kunden anbietet, ist offiziell nicht bestätigt.

Quellen (6)
  1. heise online: Schwarz Digits baut großes KI-Rechenzentrum in Mecklenburg-Vorpommern
  2. Handelsblatt: Milliardeninvestition – Schwarz-Gruppe baut riesiges Rechenzentrum bei Rostock
  3. ad-hoc-news: Schwarz-Gruppe – 5,6 Mrd. Euro für Mega-Rechenzentrum bei Rostock
  4. Lebensmittelpraxis: KI-Infrastruktur – Schwarz Digits bewirbt sich um EU-Rechenzentrum für Künstliche Intelligenz
  5. DataCenter-Insider: Schwarz Digits startet Milliardenprojekt für KI-Rechenzentrum in Lübbenau
  6. Europäische Kommission, Vertretung in Deutschland: Ausschreibung für bis zu sieben KI-Gigafabriken veröffentlicht

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