Der Handelskonzern Schwarz-Gruppe baut in Dummerstorf bei Rostock ein KI-Rechenzentrum für bis zu 5,6 Milliarden Euro. Bis 2033 entstehen 240 Megawatt Anschlussleistung, eine spätere Erweiterung auf ein Gigawatt ist vorgesehen. Das Land Mecklenburg-Vorpommern fördert das Vorhaben mit bis zu 120 Millionen Euro.
Windkraft und Fernwärme prägen den Standort
Die Fläche liegt acht Kilometer von Rostock entfernt am Autobahnkreuz A19/A20 und nahe der Konverterstation Bentwisch für Offshore-Windstrom. Mecklenburg-Vorpommern erzeugt deutlich mehr Strom aus Wind- und Solaranlagen, als im Land verbraucht wird. Das Rechenzentrum soll überwiegend mit dieser Windenergie laufen, an das Höchstspannungsnetz angeschlossen werden und seine Server mit Luftkühlung betreiben. Der Baubeginn ist für 2027 vorgesehen.
Die Serverabwärme soll künftig einen Teil der Rostocker Fernwärme liefern: Laut einer Absichtserklärung mit den örtlichen Stadtwerken könnte sie rund 40 Prozent des städtischen Wärmebedarfs decken. Im laufenden Betrieb sollen nach Unternehmensangaben rund 120 dauerhafte, hochqualifizierte Arbeitsplätze in der Region entstehen (unabhängig nicht verifiziert). Ursprünglich hatte der Projektentwickler Freo Group auf der Fläche ein noch größeres KI-Rechenzentrum mit bis zu 1,2 Gigawatt geplant und das Areal dann an die Schwarz-Gruppe weitergereicht. Die Gemeinde Dummerstorf hatte ihre Pläne für das Gewerbegebiet “Ostsee 3.0” bereits im Oktober 2025 auf ein Rechenzentrumsprojekt ausgerichtet. Ein öffentlich bestätigter, vollständiger Baugenehmigungsbescheid für das konkrete Vorhaben liegt bislang nicht vor.
Zunächst deckt der Bau den Eigenbedarf
Die Kapazität ist laut Schwarz Digits vorerst für den Eigenbedarf des Konzerns bestimmt – für Daten aus Lieferketten, Bestellungen, Zahlungsverkehr und Kundenbindungsprogrammen von Lidl und Kaufland. Konzernchef Gerd Chrzanowski verband die Investition mit dem Ziel digitaler Souveränität: “Digitale Souveränität entsteht durch konkretes Handeln, durch verlässliche Infrastruktur und praxistaugliche Anwendungen.” Eine spätere Öffnung der Kapazitäten für externe Cloud- und KI-Kunden über die konzerneigene Marke Stackit schließen Beobachter nicht aus, offiziell bestätigt ist das bislang nicht.
Schwarz Digits baut parallel im brandenburgischen Lübbenau auf dem Gelände eines ehemaligen Kohlekraftwerks ein weiteres Rechenzentrum. Die Anschlussleistung liegt bei rund 200 Megawatt, das Investitionsvolumen bei etwa elf Milliarden Euro, die Fertigstellung ist bis Ende 2027 geplant. Die Sparte steigerte ihren Umsatz zuletzt um 16 Prozent auf 2,2 Milliarden Euro, die Gesamtgruppe kam 2025 auf rund 185,6 Milliarden Euro Umsatz. Stackit positioniert sich als europäische Alternative zu den Cloud-Angeboten von Amazon, Microsoft und Google und wirbt bei Behörden und regulierten Branchen mit Datenverarbeitung nach deutschem Recht.
Der Standort bewirbt sich zusätzlich um eine EU-Gigafabrik
Schwarz Digits zählt Berichten zufolge zu rund 60 Interessenten EU-weit für eine der bis zu sieben KI-Gigafabriken. Das EU-Gemeinschaftsunternehmen EuroHPC hat seine Ausschreibung dafür Ende Juli 2026 eröffnet, veranschlagt mit mehr als 30 Milliarden Euro, davon mindestens 20 Milliarden Euro aus privaten Mitteln. Auch die Deutsche Telekom sowie der Cloud-Anbieter Ionos mit dem Baukonzern Hochtief zählen zu den deutschen Interessenten; eine gemeinsame deutsche Bewerbung war zuvor gescheitert. Der Bund hatte seine eigene Förderzusage für eine deutsche Gigafabrik auf eine Milliarde Euro erhöht, um deutschen Bewerbern im europäischen Vergleich bessere Chancen zu verschaffen.
Bewerbungen sind bis zum 12. November 2026 möglich, die Auswahl der EU-Kommission wird für Anfang 2027 erwartet. Ministerpräsidentin Manuela Schwesig verwies bei der Vorstellung des Projekts in der Schweriner Staatskanzlei darauf, dass ihr Land damit erneuerbare Energien und Digitalisierung stärker verbinde. Digitalminister Karsten Wildberger hatte erst wenige Tage zuvor eingeräumt, im globalen KI-Wettlauf bestenfalls Platz drei oder vier anzustreben – auch wegen der bislang schwachen deutschen Rechenkapazität.
Offen bleibt, ob die EU-Kommission Dummerstorf tatsächlich als eine der sieben Gigafabriken auswählt oder ob der Standort allein aus der Eigeninvestition der Schwarz-Gruppe wächst. Für den ostdeutschen Standort wie für Deutschlands Rechenkapazität insgesamt, die im internationalen Vergleich als Rückstand gilt, wäre ein Zuschlag ein zusätzlicher Schub. Die Entscheidung fällt frühestens Anfang 2027.


