Anthropic hat sogenannte Infostealer-Malware – Software, die Zugangsdaten von infizierten Rechnern ausliest – als Ursache für gekaperte Claude-Konten identifiziert. Die Programme kopieren aktive Login-Sitzungen und nutzen sie, um fremde Konten zu übernehmen und deren Nutzungslimit aufzubrauchen.
Anthropic meldet betroffene Nutzer automatisch ab, entfernt hinterlegte Zahlungsmethoden und erstattet unautorisierte Belastungen.
Wie BleepingComputer unter Berufung auf eine E-Mail des Unternehmens an betroffene Nutzer berichtet, stecken mindestens fünf verbreitete Schadprogramme hinter den Angriffen auf Windows-Rechnern: Vidar, LummaC2, StealC, RedLine und Acreed.
Bei einer kleineren Zahl von Mac-Nutzern identifizierte Anthropic zudem den Schädling Atomic Stealer. Die Malware gelangt meist über raubkopierte Software oder gefälschte Apps auf den Rechner und liest dort Passwörter, Browser-Cookies und Zugangsdaten weiterer Programme aus, nicht nur von Claude.
Mit der gestohlenen Sitzung umgehen Angreifer Passwort- und Zwei-Faktor-Abfrage vollständig, weil die Sitzung bereits angemeldet ist; Betroffene bemerken den Missbrauch oft erst, wenn sich ihr Nutzungslimit ohne eigenes Zutun auffüllt und wieder leert.
Ein Abmelden entferne die Schadsoftware jedoch nicht vom Gerät, betroffene Nutzer sollten Zugangsdaten ändern und den Rechner zusätzlich bereinigen.
Der Fall reiht sich in eine wachsende Serie von Angriffen auf Zugangsdaten rund um KI-Werkzeuge ein: Erst im Juli hatte ein kompromittiertes npm-Paket gezielt Infostealer in Programmierwerkzeuge wie Claude Code eingeschleust, Anfang August verbreitete sich ein Wurm über 444 npm-Pakete, der ebenfalls nach Zugangsdaten für KI-Programmierwerkzeuge suchte.
Eine Gesamtzahl betroffener Claude-Konten hat Anthropic bislang nicht veröffentlicht.
Offen bleibt, ob Anthropic künftig zusätzliche Schutzmaßnahmen wie eine Bindung von Sitzungen an einzelne Geräte einführt, statt nur nachträglich zu reagieren. Für Büro-Nutzer zeigt der Fall vor allem: Ein sauberes Konto schützt nicht, wenn der eigene Rechner infiziert ist – die Lücke liegt außerhalb von Claude.



























