Sicherheit

Claude Code: Forscher umgeht Auto-Modus mit Schadcode

3 Min. Lesezeit

TL;DR Too Long; Didn’t read

Der Sicherheitsforscher Johann Rehberger hat eine Angriffskette veröffentlicht, die den Auto-Modus von Claude Code in bis zu 80 Prozent der Testläufe umgeht. Eine präparierte ZIP-Datei bringt die Software dazu, unbemerkt eigenen Schadcode statt eines Standardmoduls zu laden. Anthropic stuft den Fund als informativ ein und verweist auf Sandboxing als eigentliche Schutzebene.

Ein hölzernes Trojanisches Pferd in Form einer ZIP-Datei-Silhouette schleicht an einem aufspringenden roten Vorhängeschloss vorbei, daneben ein Terminal-Fenster mit dem Anthropic-Claude-Logo als Sticker. Generiertes Bild mit GPT Image 2

Das Wichtigste in Kürze

  • Eine präparierte ZIP-Datei nutzt Python-Modul-Shadowing, um eigenen Code statt der Standardbibliothek base64 zu laden.
  • In Tests gelang die vollständige Angriffskette mit Fernzugriff in drei von fünf, eine Variante in vier von fünf Versuchen.
  • Der Auto-Modus erlaubte das Anlegen der Schadsoftware, blockierte aber Claudes eigenen Befehl, den Prozess zu beenden.
  • Anthropic bewertete die Meldung über das eigene Bug-Bounty-Programm als informativ, nicht als Sicherheitslücke.
  • Der Forscher rät zu Containern, virtuellen Maschinen oder Betriebssystem-Sandboxes statt alleinigem Vertrauen auf den Klassifikator.
  • Simon Willison bestätigt unabhängig, dass eine Auto-Modus-Freigabe allein keinen Sicherheitsnachweis liefert.

Der Sicherheitsforscher Johann Rehberger zeigt in einer am 26. August veröffentlichten Analyse, wie sich der automatische Freigabemodus von Claude Code mit einer präparierten Archivdatei umgehen lässt. In Testläufen gelang die vollständige Angriffskette mit Fernzugriff in drei von fünf, eine einfachere Variante in vier von fünf Fällen. Anthropic bewertet den Fund als informativ, nicht als Sicherheitslücke.

Präparierte ZIP-Datei schmuggelt Schadcode ein

Der Angriff beginnt mit einer manipulierten Webseite: Antwortet der Server mit dem HTTP-Statuscode 415, wechselt Claude Code vom eingebauten WebFetch-Werkzeug zur Kommandozeile und lädt die Datei stattdessen per curl herunter. Genau dieser Wechsel öffnet Rehberger zufolge den entscheidenden Spalt, weil die Software danach mit einer heruntergeladenen ZIP-Datei im Dateisystem arbeitet.

Das Archiv enthält neben scheinbar harmlosen Katalogdaten einen macOS-Decoder, verschlüsselte JSON-Datensätze und eine präparierte Datei namens struct.py. Claude Code verweigert korrekterweise, den mitgelieferten Decoder auszuführen, schreibt stattdessen aber ein eigenes Python-Skript zur Entschlüsselung. Genau diese vermeintlich sichere Entscheidung wird zur Falle: Importiert das Skript aus dem entpackten Verzeichnis heraus das Standardmodul base64, lädt Python wegen sogenannten Modul-Shadowings die gleichnamige, präparierte Datei aus dem Archiv statt der echten Systembibliothek.

Der darin versteckte Code startet einen isolierten Unterprozess, lädt eine weitere Programmstufe nach, baut eine Verbindung zu einem Kontrollserver auf und öffnet sichtbar den Taschenrechner als Nachweis der Ausführung. Der Schadprozess läuft Rehbergers Angaben zufolge auch dann weiter, wenn die Claude-Code-Sitzung längst beendet ist.

Schutzmechanismus blockiert die eigene Notbremse

In Testreihen mit kleinen Stichproben gelang die vollständige Angriffskette samt Kontrollserver-Verbindung in drei von fünf Versuchen, eine reduzierte Variante mit Dateizugriffen außerhalb des Arbeitsverzeichnisses in vier von fünf Fällen. Rehberger weist selbst darauf hin, dass die Zahlen aus kleinen Stichproben stammen und keine unabhängig verifizierte Erfolgsquote darstellen. Simon Willison bestätigte den Fund unabhängig und unterstreicht, dass eine Auto-Modus-Freigabe allein kein Sicherheitsnachweis für ausgeführten Code sei.

Bemerkenswert ist ein Detail aus den Tests: Claude erkannte die Kompromittierung in einem Fall selbst, der Auto-Modus verweigerte jedoch den Befehl, den bösartigen Prozess zu beenden – während er das Anlegen der Schadsoftware zuvor durchgewunken hatte. Der Auto-Modus ersetzt seit 14. August für Pro-, Max- und Team-Konten die manuelle Freigabe einzelner Befehle durch einen Klassifikator, der riskante Aktionen selbstständig stoppen soll. Die Umstellung sollte vor allem menschliche Nachlässigkeit ausgleichen: Nach einer unternehmenseigenen Studie übersahen Testpersonen bei manueller Prüfung neun von zehn riskanten Befehlen, die der automatische Klassifikator zuverlässig stoppte.

Anthropic verweist auf Sandboxing als eigentlichen Schutz

Rehberger meldete den Fund über das Bug-Bounty-Programm des Unternehmens. Anthropic stufte den Bericht als informativ ein, nicht als Sicherheitslücke, und erklärte laut Unternehmensangaben, der Auto-Modus sei „eine Komfortfunktion, die auf einem Klassifikator nach bestem Bemühen beruht, keine Sicherheitsgarantie”. Die eigentliche Schutzebene seien Betriebssystem-Isolation und Einschränkungen des Netzwerkzugriffs, nicht der Klassifikator selbst.

Der Fund steht in Spannung zu Anthropics eigener Kennzahl: Das Unternehmen hatte für den Auto-Modus einen unabhängigen Test mit 72 zurückgehaltenen Angriffsszenarien und insgesamt 720 Versuchen beworben, bei dem kein einziger Angriff erfolgreich war. Diese feste Testreihe deckt die von Rehberger genutzte Technik nicht ab – ein Ergebnis von null Prozent auf einem begrenzten Szenarien-Katalog schließt neue, kreative Angriffswege wie Modul-Shadowing nicht aus.

Der Forscher rät Entwicklern, Coding-Agenten grundsätzlich in Containern, virtuellen Maschinen oder Betriebssystem-Sandboxes laufen zu lassen, den Netzwerkzugriff einzuschränken und sensible Daten wie SSH-Schlüssel von der Arbeitsumgebung fernzuhalten.

Offen bleibt, ob Anthropic den Klassifikator mit dieser konkreten Technik nachschult oder Sandboxing künftig verbindlich vorschreibt. Für Teams, die Coding-Agenten bereits produktiv einsetzen, verschiebt der Fund die Verantwortung von der Software zurück auf die eigene Systemarchitektur – wer keine Sandbox betreibt, verlässt sich allein auf einen Klassifikator, den der eigene Hersteller ausdrücklich nicht als Sicherheitsgarantie bezeichnet.

Häufige Fragen

Betrifft die Lücke alle Claude-Code-Nutzer?

Betroffen sind nur Sitzungen mit aktiviertem Auto-Modus, der seit 14. August für Pro-, Max- und Team-Konten Standard ist. Wer die manuelle Freigabe nutzt, bestätigt jeden Befehl weiterhin selbst.

Was sollten Entwickler jetzt konkret tun?

Rehberger empfiehlt, Coding-Agenten in Containern, virtuellen Maschinen oder Betriebssystem-Sandboxes laufen zu lassen, den Netzwerkzugriff einzuschränken und Zugangsdaten sowie SSH-Schlüssel von der Arbeitsumgebung fernzuhalten.

Hat Anthropic die Schwachstelle bereits behoben?

Nach Angaben des Forschers stufte Anthropic den Bericht als informativ ein, ohne eine Korrektur des Klassifikators anzukündigen. Das Unternehmen verweist stattdessen auf Sandboxing als zusätzliche, vom Nutzer selbst umzusetzende Schutzebene.

Wie passt der Fund zum beworbenen Ergebnis von null Prozent Erfolgsquote?

Jenes Ergebnis stammt aus einem festen Test mit 72 Angriffsszenarien und 720 Durchläufen. Rehbergers Technik mit präpariertem Python-Modul gehörte nicht zu diesem Szenarien-Katalog und wurde entsprechend nicht erfasst.

Ist Claude Code in Deutschland und der EU regulär nutzbar?

Ja, die CLI-Anwendung steht über Pro-, Max- und Team-Abonnements auch in Deutschland und der EU zur Verfügung. Regionale Einschränkungen für den Auto-Modus sind nicht bekannt.

Quellen (3)
  1. Breaking Claude Code Opus 5 Auto Mode with Indirect Prompt Injection – Embrace The Red (Johann Rehberger)
  2. Breaking Claude Code Opus 5 auto mode – Simon Willison
  3. How we built Claude Code auto mode – Anthropic

Dein KI-Update für die Arbeitswoche

Einmal pro Woche das Wichtigste aus der KI-Welt – plus ein Praxis-Tipp zum direkt Ausprobieren. Kein Spam, jederzeit abbestellbar.

← Zurück zum Blog