Sicherheit

Meta schließt Aufnahmelicht-Lücke seiner KI-Brille erneut

3 Min. Lesezeit

TL;DR Too Long; Didn’t read

Meta rollt seit dem 27. August 2026 ein Software-Update aus: Die Kamera seiner KI-Brillen stoppt jetzt automatisch, sobald jemand das Aufnahmelicht während der Aufnahme abdeckt. Es ist die zweite Schutzmaßnahme des Unternehmens innerhalb von zwei Monaten. Kritiker zeigen weiterhin Wege, die LED per Aufkleber oder Umbau zu umgehen; Hamburgs Datenschutzbehörde hält ein Verbot der Brillen in Deutschland für möglich.

Eine Hand bedeckt das rot blinkende Aufnahmelicht einer Brille mit Meta-Logo, während im Brillenglas ein rotes Stopp-Symbol erscheint. Generiertes Bild mit GPT Image 2

Das Wichtigste in Kürze

  • Software-Update lässt Meta-Brillen die Aufnahme abbrechen, sobald das Anzeigelicht während des Filmens verdeckt wird.
  • AR-Vizepräsident Alex Himel bestätigt den Rollout auf Threads als zweiten Schritt binnen zwei Monaten.
  • Ein Juli-Update griff bereits, wenn die LED physisch zerstört oder manipuliert wurde.
  • Kritiker zeigen laut Gizmodo: Aufkleber und ausgebohrte LEDs umgehen den Schutz teils weiterhin.
  • Hamburgs Datenschutzbeauftragter Thomas Fuchs hält ein bundesweites Verkaufsverbot der Kamera-Brillen für möglich.
  • Das Display-Modell der Brille fehlt wegen EU-Batterie- und KI-Vorgaben weiterhin im europäischen Markt.

Meta lässt die Kamera seiner KI-Brillen ab sofort automatisch stoppen, wenn jemand das Aufnahmelicht während einer laufenden Aufnahme verdeckt. AR-Vizepräsident Alex Himel kündigte das Software-Update am 27. August 2026 auf Threads an. Es ist der zweite Eingriff des Unternehmens binnen zwei Monaten gegen heimliches Filmen mit der Brille.

Update schließt Lücke beim laufenden Filmen

Bislang verhinderte die rot blinkende LED der Brille nur den Start einer Aufnahme: Wer das Licht vorher abdeckte, konnte gar nicht erst filmen. Einige Nutzer umgingen den Schutz, indem sie offen aufnahmen und die Leuchte erst währenddessen verdeckten – die Kamera lief dann unbemerkt weiter. Wie Himel auf Threads schreibt, breche die Kamera die Aufnahme künftig automatisch ab, sobald das Licht mitten im Vorgang verschwinde.

Das Update rolle bereits schrittweise aus, ein festes Enddatum für alle Geräte nenne das Unternehmen nicht. Betroffen sind die aktuellen Ray-Ban-Meta- und Meta-Smart-Glasses-Modelle mit Kamera; die Aktualisierung läuft über die reguläre App- und Firmware-Verteilung und kostet nichts extra. Himel zufolge versuche nur eine winzige Minderheit solche Umgehungen – eine Angabe, die unabhängig nicht verifiziert ist und für ihn zugleich als Beleg dient, dass die bisherigen Schutzmaßnahmen bereits wirken.

Gleichzeitig kündigt er weitere Updates an, mit denen das Anzeigelicht künftig zuverlässiger vor laufenden Aufnahmen warnen soll – konkrete technische Details dazu nennt Meta bislang nicht.

Zweiter Eingriff nach Juli-Update trifft auf Kritik

Bereits im Juli 2026 hatte Meta ein Update ausgerollt, das die Kamera deaktiviert, sobald die Brille die LED als physisch beschädigt oder manipuliert erkennt. Das aktuelle Update ergänzt diesen Schutz um den Software-Trick des nachträglichen Abdeckens. Parallel entfernt das Unternehmen eigenen Angaben zufolge Marketplace-Angebote, die eine Deaktivierung der LED bewerben, und droht Anbietern solcher Umbauten mit Kontosperren oder rechtlichen Schritten.

Kritiker bestreiten laut Gizmodo dennoch, dass die Lücke damit vollständig geschlossen ist: Günstige Aufkleber machten das Licht bei Tageslicht kaum sichtbar, und in Onlinevideos gezeigte, ausgebohrte LEDs sollen weiterhin unbemerktes Filmen erlauben. Meta erklärt dazu, wer den eingebauten Schutz auf diese Weise umgehe, verletze die eigenen Nutzungsrichtlinien. Das Unternehmen ergänzt die technischen Maßnahmen zusätzlich um eine Aufklärungskampagne mit einer Plakatwand in Los Angeles, die auf weitere Städte ausgeweitet werden soll.

Auslöser der anhaltenden Debatte waren zahlreiche Berichte über heimliche Aufnahmen in Bars und im öffentlichen Raum, bei denen Betroffene – oft Frauen – ohne Zustimmung gefilmt wurden und die Aufnahmen anschließend online kursierten.

Datenschutzbehörden in Deutschland sehen weiterhin Risiken

Die kamerabasierte Ray-Ban-Meta-Brille ohne Display bleibt in Deutschland regulär erhältlich; das neuere Display-Modell fehlt wegen EU-Vorgaben zu Batterien und KI-Technik weiterhin im gesamten EU-Markt. Der Hamburgische Beauftragte für Datenschutz, Thomas Fuchs, hält ein bundesweites Verkaufsverbot nach eigener Prüfung für „gut möglich”, da Besitz und Verkauf getarnter Aufnahmegeräte gesetzlich eingeschränkt seien.

Seine Behörde verhängt nach eigenen Angaben bereits Bußgelder für unerlaubte Aufnahmen mit der Brille im öffentlichen Raum. Zuständig für ein mögliches bundesweites Verbot wäre die Bundesnetzagentur, die das weitere Vorgehen prüfe. Auch das britische Justizsystem reagierte bereits: Seit dem 11. August 2026 verbieten Gerichte in England und Wales das Tragen der Kamera-Brille in Verhandlungssälen.

Entscheidend wird, ob Software-Updates wie dieses ausreichen, um Aufsichtsbehörden zu überzeugen, oder ob am Ende eine hardwareseitige Pflicht zur sichtbaren Kennzeichnung steht. Die Bundesnetzagentur hat noch keinen Termin für ihre Entscheidung genannt; ihr Prüfergebnis dürfte den weiteren Kurs für Kamera-Brillen in Deutschland maßgeblich vorzeichnen. Für Käuferinnen und Käufer bedeutet das vorerst: Rechtssicherheit schafft erst eine Behördenentscheidung, nicht das Software-Update allein.

Häufige Fragen

Ist die Ray-Ban-Meta-Brille aktuell noch in Deutschland erhältlich?

Ja, das Kameramodell ohne Display wird weiterhin regulär verkauft. Das neuere Display-Modell ist wegen EU-Vorgaben zu Batterien und KI-Technik bislang nicht in Europa gestartet.

Kostet das Update etwas, und müssen Nutzer selbst aktiv werden?

Nein, das Update ist kostenlos und läuft über die reguläre App- und Firmware-Aktualisierung. Ein manuelles Eingreifen ist laut Meta nicht nötig.

Welche Brillenmodelle erhalten die neue Sperre?

Betroffen sind die aktuellen Ray-Ban-Meta- und Meta-Smart-Glasses-Varianten mit Kamera. Zu älteren, nicht mehr unterstützten Geräten macht Meta keine Angaben.

Lässt sich die Anzeige-LED trotz des Updates weiter austricksen?

Kritiker verweisen auf Aufkleber und physisch veränderte Geräte, mit denen sich das Licht weiter verdecken lässt. Meta droht Anbietern solcher Umbauten mit Kontosperren und rechtlichen Schritten.

Droht der Meta-Brille ein Verkaufsverbot in Deutschland?

Der Hamburgische Datenschutzbeauftragte hält ein bundesweites Verbot für möglich, entscheiden müsste jedoch die Bundesnetzagentur. Einen Termin für diese Entscheidung gibt es bislang nicht.

Quellen (4)
  1. Alex Himel auf Threads
  2. Meta's Smart Glasses Are Still Creepy Despite Anti-Creep Update – Gizmodo
  3. Hamburger Datenschutzbeauftragter hält vollständiges Verbot von Meta Glasses für möglich – Presseportal
  4. Meta Ray-Ban smart glasses will kill another privacy LED loophole – 9to5Google

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