OpenAI hat am 26. August 2026 im öffentlichen Repository des Coding-Agenten Codex eine Code-Änderung freigegeben, die einen neuen Persistent-Modus vorbereitet. Der Modus lässt den Agenten ohne festes Zeitlimit weiterarbeiten, bisherige Einstellungen stoppen nach Minuten oder Stunden. Wie das Magazin Wired berichtet, kann der Agent künftig eigene Folgeaufgaben erstellen und diese über mehrere Sitzungen fortsetzen.
Pull Request enthüllt technische Details des Modus
Der zusammengeführte Pull Request im Quellcode-Repository von Codex fügt “persistent” als neuen Wert zum Reasoning-Effort-Protokoll und den TypeScript-SDK-Typen hinzu. In der Terminal-Oberfläche erscheint die Einstellung als “Persistent”, intern übersetzt Codex den Wert für die Responses-API in “disabled”. Getestet werden laut den Commit-Beschreibungen unter anderem das Parsen und Serialisieren der Einstellung, die Übersetzung von Anfragen an entfernte Modelle sowie die Auswahl in der Kommandozeilen-Oberfläche.
Interessanter als die technische Umsetzung ist laut Wired die interne Anweisung im Code: Der Agent soll schlicht “so lange weiterarbeiten, bis er schlafen gelegt wird”. Dazu gehört eine als “Proaktivität” bezeichnete Funktion, die es dem Agenten erlaubt, eigenständig Folgeaufgaben zu erstellen. Er soll dabei frühere Interaktionen und sein Wissen über den Nutzer heranziehen, um zu entscheiden, woran er als Nächstes arbeitet, und sich in Einzelfällen von sich aus beim Nutzer melden. Bereits im Juli hatte OpenAI mit der Verschlüsselung von Nachrichten zwischen Codex-Agenten gezeigt, wie viel Kommunikation zwischen mehreren Codex-Instanzen inzwischen automatisiert abläuft.
OpenAI bestätigt Test, nennt aber keinen Zeitplan
Ein Sprecher von OpenAI bestätigte gegenüber Wired, dass das Unternehmen den Persistent-Modus intern teste, kündigte aber keine baldige breite Veröffentlichung an. Das Unternehmen räume laut dem Bericht zugleich ein, dass dauerhaft aktive KI-Systeme grundsätzlich höhere Risiken bergen als Agenten mit festem Zeitlimit. Der Quellcode begrenzt deshalb ausdrücklich, was der Agent im Persistent-Modus zusätzlich darf: Seine Befugnisse bleiben laut den Instruktionen unverändert, und Eingriffe außerhalb der eigenen Arbeitsumgebung erfordern weiterhin eine Freigabe durch den Nutzer.
Der Vorstoß reiht sich in eine größere Produktoffensive rund um Codex ein. Erst im Juli hatte OpenAI mit Codex Micro ein eigenes Steuergerät für Codex-Agenten auf den Markt gebracht, komplett mit Joystick und Reasoning-Regler. Persistent-Modus passt in dieses Bild: OpenAI baut Codex zunehmend von einem reinen Chat-Werkzeug zu einem eigenständig arbeitenden Kollegen aus, der Aufgaben auch ohne aktive Aufsicht fortführt.
Entscheidend wird, ob OpenAI den Dauerbetrieb tatsächlich für zahlende Kunden freischaltet oder als internes Experiment einstuft. Bislang taucht Persistent nur im öffentlichen Quellcode auf, nicht in der offiziellen Produktdokumentation. Für Entwickler, die Codex im Arbeitsalltag einsetzen, entscheidet sich hier, ob ein Coding-Agent künftig auch nachts und über Wochenenden eigenständig weiterarbeitet – oder ob OpenAI die Funktion nach ersten öffentlichen Reaktionen zunächst wieder zurückstellt.


