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Meta-Brille: England und Wales verhängen Gerichtsverbot

3 Min. Lesezeit

TL;DR Too Long; Didn’t read

Der britische Justizdienst HMCTS untersagt seit dem 11. August 2026 das Tragen von Metas Kamera-Brille in allen Gerichten und Tribunalen Englands und Wales'. Auslöser war ein Fall aus dem Januar, in dem ein Zeuge während seiner Aussage heimlich gecoacht wurde. Geräte werden am Eingang konfisziert, Smartphones bleiben erlaubt.

Eine Brille mit sichtbarem Meta-Logo liegt neben einem Richterhammer auf einer Ablage, im Hintergrund ein durchgestrichenes Kamera-Symbol. Generiertes Bild mit GPT Image 2

Das Wichtigste in Kürze

  • HMCTS bannt Metas Kamera-Brille seit 11. August 2026 aus allen Gerichten und Tribunalen in England und Wales.
  • Auslöser: Ein Zeuge nutzte die Brille im Januar 2026 vor Gericht zur heimlichen Antwort-Coaching während der Befragung.
  • Smartphones bleiben erlaubt, sofern niemand damit filmt – für Brillen gilt keine Ausnahme.
  • New York verhängte bereits im Juli 2026 als erster US-Bundesstaat ein Verbot für alle 1.240 Gerichtsgebäude.
  • Meta verkaufte 2025 laut Berichten rund sieben Millionen Brillen; Kritiker nennen sie online „Pervert Glasses“.
  • Instagram-Chef Adam Mosseri kündigt an, mit der Brille gefilmte Belästigungsinhalte von der Plattform zu entfernen.

Der britische Justizdienst HMCTS untersagt seit dem 11. August 2026 das Tragen von Metas Kamera-Brille in allen Gerichten und Tribunalen Englands und Wales’. Wer mit dem Gerät ein Gerichtsgebäude betritt, muss es am Eingang abgeben und erhält es erst beim Verlassen zurück. Auslöser war ein Fall aus dem Januar 2026, in dem ein Zeuge während seiner Aussage heimlich gecoacht wurde.

Gerichte begründen das Verbot mit bestehenden Aufnahmeregeln

In britischen Gerichtssälen gilt seit Langem ein Verbot, Bild- oder Videoaufnahmen anzufertigen. Wie Engadget berichtet, stuft der Justizdienst HMCTS Metas Brille als Verstoß gegen diese Regel ein, weil ihre Kamera Aufnahmen ermöglicht, ohne dass Umstehende dies bemerken. Ein Sprecher der Gerichte erläutert, klare Einschränkungen für Bild- und Videoaufnahmen in Gerichten und Tribunalen machten den Einsatz der Meta-Brille unzulässig. Anders als bei der Brille bleibt der Umgang mit Smartphones unverändert: Sie dürfen weiterhin mit ins Gebäude, solange niemand sie zum Filmen nutzt. Für Kamera-Brillen gilt diese Ausnahme laut HMCTS ausdrücklich nicht, da eine laufende Aufnahme von außen kaum erkennbar ist. Betroffene Geräte werden am Einlass konfisziert und erst beim Verlassen des Gebäudes zurückgegeben, unabhängig davon, ob tatsächlich eine Aufnahme stattgefunden hat. Der Justizdienst ist für sämtliche Straf-, Zivil- und Familiengerichte in England und Wales zuständig, die neue Regel gilt damit landesweit für diese beiden Landesteile.

Ein Zeuge lässt sich im Januar per Brille coachen

Den unmittelbaren Anstoß für das Verbot lieferte ein Fall vor dem High Court, über den Legal Futures berichtete. Im Januar 2026 verhandelte Richterin Agnello KC einen Streit um die Geschäftsführung einer Immobilienfirma. Während der Kreuzverhör-Befragung des Klägers Laimonas Jakstys bemerkte die gegnerische Anwältin ungewöhnlich lange Pausen vor dessen Antworten sowie Störgeräusche in seiner Nähe; auch eine Dolmetscherin nahm die Geräusche wahr. Auf Anweisung des Gerichts musste Jakstys seine smarte Brille abnehmen – daraufhin gab sein Mobiltelefon hörbar eine Stimme wieder, die ihm offenbar Antworten zugespielt hatte. Die Richterin wertete dies als Beleg dafür, dass der Kläger während der Befragung unterstützt oder gecoacht worden sei, und verwarf seine Aussage vollständig. Wer genau die Antworten einspielte, ließ sie nach eigener Aussage bewusst offen, da dies für die Entscheidung nicht relevant sei. Der Fall zeigt aus Sicht des Gerichts, dass smarte Brillen nicht nur heimliche Aufnahmen ermöglichen, sondern auch Manipulation von Zeugenaussagen in Echtzeit.

New York und britische Lokale ziehen bereits nach

Der britische Schritt reiht sich in eine breitere Entwicklung ein. New York hatte bereits im Juli 2026 als erster US-Bundesstaat ein Brillenverbot für sämtliche 1.240 Gerichtsgebäude verhängt, nachdem Mitglieder von Mark Zuckerbergs Anwaltsteam die Geräte im Februar während eines Prozesses in Los Angeles getragen hatten. Auch außerhalb von Gerichten gerät die Meta-Brille zunehmend unter Druck: Mehrere britische Kneipen- und Club-Ketten schränken das Tragen bereits ein, wie Eastern Eye berichtet. Grund sind wiederholte Berichte über heimliche Aufnahmen, die dem Gerät in Online-Foren den Spitznamen „Pervert Glasses” eingebracht haben. Meta habe 2025 weltweit rund sieben Millionen Exemplare verkauft, eine Zahl, die unabhängig nicht verifiziert ist. Instagram-Chef Adam Mosseri kündigte unterdessen an, mit der Brille gefilmte Belästigungsinhalte von der Plattform zu entfernen.

Offen bleibt, ob weitere britische Institutionen dem Beispiel der Gerichte folgen und smarte Brillen künftig generell aus sensiblen Räumen verbannen – etwa in Behörden oder am Arbeitsplatz. Der Fall reiht sich in eine wachsende Debatte um KI-gestützte Überwachung im Alltag ein, die zuletzt auch in Deutschland mit dem Start KI-gestützter Videoüberwachung in Berlin an Fahrt gewann. Entscheidend wird, ob Hersteller wie Meta technische Lösungen wie deutlichere Aufnahme-Indikatoren nachbessern, bevor weitere Verbote folgen oder Nutzende die Geräte in öffentlichen Räumen meiden.

Häufige Fragen

Gilt das Verbot auch für andere smarte Brillen, nicht nur die von Meta?

Berichte nennen namentlich Metas Brille, doch das allgemeine Aufnahmeverbot in Gerichten dürfte faktisch auch für vergleichbare Kamera-Wearables anderer Hersteller gelten.

Was passiert, wenn jemand die Brille dennoch mit ins Gerichtsgebäude bringt?

Das Gerät wird am Eingang konfisziert und erst beim Verlassen zurückgegeben; eine tatsächliche Aufnahme während einer Verhandlung gilt zusätzlich als Missachtung des Gerichts.

Dürfen Smartphones weiterhin mit in britische Gerichtssäle?

Ja, Smartphones bleiben erlaubt, solange sie nicht zum Fotografieren oder Filmen genutzt werden – für Kamera-Brillen macht der Justizdienst keine vergleichbare Ausnahme.

Wie unterscheidet sich die britische Regelung vom Verbot in New York?

New York verbietet Kamera-Brillen bereits seit Juli 2026 landesweit in allen 1.240 Gerichtsgebäuden des Bundesstaats, während sich das britische Verbot auf Gerichte und Tribunale in England und Wales beschränkt.

Reagiert Meta öffentlich auf das Verbot?

Eine Stellungnahme des Unternehmens zum britischen Gerichtsverbot lag zum Zeitpunkt der Recherche nicht vor; Instagram-Chef Adam Mosseri hatte zuvor angekündigt, mit der Brille gefilmte Belästigungsinhalte zu entfernen.

Quellen (4)
  1. Engadget: England and Wales ban Meta Glasses from courtrooms
  2. Legal Futures: High Court – Witness coached via smart glasses while giving evidence
  3. Engadget: New York is the first US state to ban smart glasses in all its courthouses
  4. Eastern Eye: Meta sold millions of smart glasses, so why are UK venues banning them?

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