Sicherheit

LiteLLM-Angriff trifft über 2500 Unternehmen weltweit

3 Min. Lesezeit

TL;DR Too Long; Didn’t read

CloudSEK hat am 11. August 2026 die Folgen eines im März entdeckten Angriffs auf das quelloffene KI-Gateway LiteLLM neu vermessen: mindestens 2500 Unternehmen und rund 434.000 CI/CD-Pipelines sollen betroffen sein. Ausgangspunkt war ein gekaperter Sicherheits-Scanner, über den Kriminelle zwei manipulierte Pakete in Umlauf brachten. Gestohlene Zugangsdaten zu Cloud-Diensten und KI-Anbietern bleiben laut FBI weiter ein Risiko.

Ein Schraubenschlüssel mit versteckter Falltür lässt goldene Schlüssel auf ein Fließband aus Versandcontainern fallen, einer der Container ist aufgerissen und leuchtet rot. Generiertes Bild mit GPT Image 2

Das Wichtigste in Kürze

  • CloudSEK datiert den Ursprung auf eine kompromittierte Version des Scanners Trivy im März 2026.
  • Zwei manipulierte LiteLLM-Pakete lagen am 24. März rund vierzig Minuten auf PyPI, bevor sie gesperrt wurden.
  • Der Schadcode stahl Cloud-Zugangsdaten, SSH-Schlüssel und KI-Anbieter-Schlüssel über eine automatisch startende Datei.
  • Nvidia, Siemens, Cisco, Salesforce und Orange zählen laut CloudSEK zu den Treffern mit hoher Konfidenz.
  • Das offizielle LiteLLM-Proxy-Docker-Image blieb verschont, weil es Abhängigkeiten fest verankert.
  • Das FBI warnte im Juli vor fortgesetztem Missbrauch bereits gestohlener Zugangsdaten.

Ein im März 2026 entdeckter Angriff auf das offene KI-Gateway LiteLLM hat deutlich mehr Firmen getroffen als bisher bekannt. Die Sicherheitsfirma CloudSEK beziffert die Zahl betroffener Unternehmen auf über 2500 und die betroffenen CI/CD-Pipelines auf rund 434.000. Zu den identifizierten Organisationen zählen laut CloudSEK unter anderem Nvidia, Amazon Web Services, Cisco, Salesforce, der Telekommunikationskonzern Orange und der deutsche Siemens-Konzern.

Kompromittierter Scanner schleust Schadcode ins KI-Gateway

Ursprung der Angriffskette ist laut Unit 42 von Palo Alto Networks die Gruppe TeamPCP, die im März 2026 den quelloffenen Sicherheits-Scanner Trivy kompromittierte. Über ein geleaktes Automatisierungs-Token schleusten die Angreifer Schadcode in die Build-Kette von Trivy ein und erreichten darüber auch das Python-Paket des KI-Gateways LiteLLM, das Entwicklerteams zur einheitlichen Ansteuerung verschiedener Sprachmodelle einsetzen. Am vierundzwanzigsten März luden sie zwei manipulierte LiteLLM-Versionen, 1.82.7 und 1.82.8, auf den Python-Paketindex PyPI hoch.

Die Pakete blieben nur rund vierzig Minuten online, bevor der Registrierungsdienst sie sperrte – für automatisierte Build-Systeme reichte das, um sie herunterzuladen und auszuführen. Der Schadcode installierte laut dem Sicherheits-Update der LiteLLM-Maintainer eine Datei namens litellm_init.pth, die bei jedem Start von Python automatisch ausgeführt wird und dauerhaft im System verbleibt. Sie sammelte Zugangsdaten für die Cloud-Dienste AWS, GCP und Azure, SSH-Schlüssel, Repository-Tokens, Kubernetes-Secrets und API-Schlüssel für KI-Anbieter und verschickte sie verschlüsselt an eine von den Angreifern kontrollierte Domain. LiteLLM selbst wird Unternehmensangaben zufolge rund 3,4 Millionen Mal täglich heruntergeladen und dient als zentrale Schaltstelle, über die Firmen verschiedene Sprachmodelle einheitlich ansteuern – ein einzelner vergifteter Build-Schritt konnte sich dadurch rasch in viele fremde Systeme fortpflanzen. Unit 42 zufolge war Trivy nicht das einzige Ziel: Dieselbe Gruppe manipulierte im selben Zeitraum auch den Scanner KICS und stieß bei der GitHub Action trivy-action Code in 76 von 77 Versions-Tags per erzwungenem Push durch.

CloudSEK beziffert die Folgen auf über 2500 Firmen

Fünf Monate nach dem eigentlichen Vorfall hat CloudSEK am elften August eine eigene Auswertung veröffentlicht, die das Ausmaß deutlich größer zeichnet als die ursprüngliche Meldung. Die Analysten glichen geleakte Zugangsdaten mit bekannten Unternehmensdomains ab und kommen auf mehr als 2500 mutmaßlich betroffene Organisationen aus Finanzwesen, Telekommunikation, Fertigung und Verteidigung, verteilt über rund 434.000 CI/CD-Pipelines. Eine durchsuchbare Übersicht der Funde stellt die Firma öffentlich bereit. Nvidia, Amazon Web Services, Cisco, Salesforce, Orange und Siemens führt CloudSEK dabei als Treffer mit hoher Konfidenz, dazu kommen nach eigenen Angaben Dutzende weitere Konzerne aus Sektoren, in denen gestohlene Cloud- und KI-Zugänge besonders sensibel sind.

Diese Zuordnung ist unabhängig nicht verifiziert: Sie beruht auf CloudSEKs eigenem Abgleich, nicht auf Bestätigungen der genannten Unternehmen. Das FBI warnte in einer Flash-Meldung im Juli zusätzlich davor, dass bereits gestohlene Zugangsdaten weiterhin für neue Angriffe missbraucht werden könnten, unabhängig davon, ob die betroffenen Pakete längst entfernt sind. Für Sicherheitsteams bedeutet das: Ein gelöschtes Paket beendet den Vorfall nicht, solange die im März kopierten Schlüssel nirgends ausgetauscht wurden.

Maintainer raten zu sofortiger Zugangsdaten-Rotation

Nutzer des offiziellen LiteLLM-Proxy-Docker-Images blieben nach Angaben der Maintainer verschont, weil diese Verteilung Abhängigkeiten fest in einer requirements.txt verankert und nicht auf ungeprüfte PyPI-Versionen zugreift. Wer die betroffenen Versionen dagegen direkt über PyPI installiert hatte, soll laut den Empfehlungen der Maintainer sämtliche Zugangsdaten rotieren, das Dateisystem nach litellm_init.pth durchsuchen und Build-Protokolle auf den Versionszeitraum prüfen. Die Maintainer tauschten zudem die kompromittierten Konten aus, stellten neue Veröffentlichungen vorübergehend ein und brachten am dreißigsten März mit Version 1.83.0 die erste über eine neu abgesicherte Build-Kette geprüfte Fassung heraus. Der Vorfall reiht sich in eine Serie ähnlicher Angriffe auf KI-Werkzeugketten ein, etwa den Diebstahl von KI-Zugängen über gekaperte npm-Pakete, den CrowdStrike im August dokumentierte.

Offen bleibt, wie viele der 2500 von CloudSEK benannten Firmen die Warnung bereits in konkrete Schlüssel-Rotationen umgesetzt haben. Der Fall zeigt vor allem, dass ein einzelnes kompromittiertes Sicherheits-Werkzeug in offenen KI-Entwicklungsketten weit über sein eigenes Ökosystem hinaus wirken kann.

Häufige Fragen

Ist mein Unternehmen betroffen, wenn es LiteLLM einsetzt?

Betroffen sind nur Installationen, die die Versionen 1.82.7 oder 1.82.8 direkt über PyPI installiert haben. Das offizielle Docker-Proxy-Image nutzt feste, geprüfte Abhängigkeiten und blieb außen vor.

Was sollten betroffene Teams jetzt tun?

Die Maintainer empfehlen, sämtliche Zugangsdaten und Schlüssel zu rotieren, das Dateisystem nach der Datei litellm_init.pth zu durchsuchen und Build-Protokolle aus dem Zeitraum um den 24. März 2026 zu prüfen.

Woher stammt die Liste der über 2500 betroffenen Unternehmen?

Sie stammt aus einer eigenen Auswertung von CloudSEK, die geleakte Zugangsdaten mit bekannten Unternehmensdomains abglich. Eine Bestätigung durch die genannten Firmen selbst liegt nicht vor.

Ist Trivy inzwischen wieder sicher nutzbar?

Die Maintainer von Trivy und LiteLLM haben die kompromittierten Konten ausgetauscht und neue Build-Ketten eingeführt. Seit Ende März gelten neu veröffentlichte Versionen als bereinigt.

Was ist TeamPCP?

TeamPCP ist die von Sicherheitsforschern benannte Angreifergruppe, der laut Unit 42 mehrere koordinierte Angriffe auf verbreitete Open-Source-Sicherheitswerkzeuge zugeschrieben werden, darunter Trivy und KICS.

Quellen (4)
  1. CloudSEK: 2,500+ Companies and 434,000 CI/CD Pipelines Exposed
  2. LiteLLM: Security Update – Suspected Supply Chain Incident
  3. Unit 42: Weaponizing the Protectors – TeamPCP's Multi-Stage Supply Chain Attack
  4. GitHub: BerriAI/litellm Issue #24518

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