Der Energiekonzern Uniper baut Rechenzentren an eigenen Kraftwerksstandorten und positioniert sich damit als Infrastrukturanbieter für die KI-Wirtschaft. Mehr als zehn Standorte mit vorhandenem Netzanschluss hat das Unternehmen entlang europäischer Daten-Hubs identifiziert, ein erstes Projekt in Großbritannien ist bereits abgeschlossen. Vorstandschef Michael Lewis sieht darin die konsequente Weiterentwicklung der bestehenden Kraftwerksflächen.
Uniper nutzt vorhandene Netzanschlüsse als Standortvorteil
Drei der identifizierten Projekte befinden sich nach Unternehmensangaben bereits in fortgeschrittener Planung, weitere Investitionsentscheidungen sollen im Verlauf des Jahres fallen. „Wir entwickeln damit unsere Kraftwerksstandorte weiter zu Standorten für die KI-Wirtschaft”, sagte Lewis, wie Handelsblatt berichtet. Ausschlaggebend sei der Netzanschluss: Entwickler neuer Rechenzentren in Deutschland warteten oft jahrelang auf eine Anschlusszusage, während Uniper an vielen seiner Kraftwerksstandorte bereits über die nötige Infrastruktur verfüge. Einzelne Städte oder Kraftwerkstypen nennt der Konzern bislang nicht – die konkreten Standorte sollen erst mit den jeweiligen Investitionsentscheidungen feststehen.
Der Vorteil wiegt schwer, weil Rechenzentren enorme Strommengen benötigen und ein fehlender Netzanschluss neue KI-Rechenzentren in Deutschland regelmäßig ausbremst. Auch der Wettbewerber RWE entwickelt eigenen Angaben zufolge derzeit rund zehn Industriestandorte zu Rechenzentren. Beide Energiekonzerne konkurrieren damit um dieselbe knappe Ressource: gesicherte Stromkapazität in der Nähe von Ballungsräumen, statt jahrelang auf einen neuen Netzanschluss zu warten. Wie knapp diese Kapazität ist, zeigt auch der jüngste Einstieg von Nvidia beim Stromversorger Lancium, der ähnliche Engpässe in den USA umgehen soll.
Halbjahreszahlen zeigen deutlichen Gewinnsprung
Die Rechenzentren-Pläne fallen in eine Phase steigender Gewinne. Uniper steigerte das operative Ergebnis im ersten Halbjahr 2026 um rund neunzig Prozent auf 711 Millionen Euro, der bereinigte Nettogewinn verdreifachte sich nahezu auf 388 Millionen Euro, wie ein Roundup von Börse.de zeigt. Der Konzern hebt die Ebitda-Prognose für das Gesamtjahr auf 1,1 bis 1,3 Milliarden Euro an, am unteren Rand rund 100 Millionen Euro mehr als bisher erwartet. Die Aktie legte auf die Nachrichten hin zu.
Die verbesserte Ertragslage verschafft Uniper Spielraum für die geplanten Investitionsentscheidungen bei den Rechenzentren-Projekten. Sie fällt zusammen mit einer allgemeinen Investitionswelle in europäische KI-Infrastruktur, für die zuletzt auch die EU-Kommission mit einer Ausschreibung für mehrere Gigafabriken zusätzliches privates Kapital mobilisieren wollte.
Ungewöhnlich ist der Vorstoß auch wegen der Eigentümerstruktur: Der Bund hält seit der Rettung des Konzerns 2022 mehr als 99 Prozent der Uniper-Anteile und hat in diesem Jahr den von der EU-Kommission geforderten Verkaufsprozess gestartet. Bis Ende 2028 muss der Staatsanteil auf höchstens 25 Prozent plus eine Aktie sinken. Unter den vom Bund genannten Kaufinteressenten ist laut Handelsblatt auch RWE – ausgerechnet jener Wettbewerber, der Uniper bei den Rechenzentren-Plänen bereits Konkurrenz macht. Entscheidend wird, ob sich Unipers neue Erlösquelle schon vor einem möglichen Eigentümerwechsel als tragfähig erweist.


