KI-Wirtschaft

Nvidia investiert 3 Milliarden Dollar in Stromkonzern Lancium

3 Min. Lesezeit

TL;DR Too Long; Didn’t read

Nvidia steckt bis zu drei Milliarden Dollar in den Stromversorger Lancium und hält damit künftig etwa ein Fünftel des Unternehmens hinter dem Rechenzentrums-Großprojekt Stargate. Der Deal bewertet Lancium mit rund zehn Milliarden Dollar. Parallel treibt Amazon in Texas ein Gaskraftwerk voran, das laut Genehmigung bis zu 33 Millionen Tonnen CO2 im Jahr ausstoßen darf – möglicherweise die größte Einzelquelle des Landes.

Ein Strommast mit Nvidia-Logo-Sticker steht neben einem rauchenden Gaskraftwerk mit Amazon-Logo-Sticker, im Hintergrund Serverreihen eines Rechenzentrums in der texanischen Wüste Generiertes Bild mit GPT Image 2

Das Wichtigste in Kürze

  • Nvidia zahlt zwei Milliarden Dollar sofort für rund 20 Prozent an Lancium, eine weitere Milliarde ist an Meilensteine gekoppelt.
  • Lancium wird dadurch mit etwa zehn Milliarden Dollar bewertet und prüft laut Bericht einen Börsengang für 2027.
  • Amazons geplantes Gaskraftwerk in Pecos County soll mit 35 Gasturbinen bis zu 7,65 Gigawatt liefern.
  • Die texanische Emissionsgenehmigung erlaubt bis zu 33 Millionen Tonnen CO2 jährlich – mehr als das Doppelte eines großen US-Kohlekraftwerks.
  • Lancium betreibt bereits den ersten aktiven Standort des Stargate-Projekts von SoftBank, OpenAI und Oracle in Abilene, Texas.
  • Ein Amazon-Sprecher räumt laut New York Times ein, dass KI-Rechenzentren die eigenen Klimaziele erschweren könnten.

Zwei US-Tech-Konzerne sichern sich in dieser Woche eigene Stromkapazitäten für ihre Rechenzentren: Nvidia beteiligt sich an einem Versorger in Texas, Amazon baut dort ein eigenes Gaskraftwerk. Der Chip-Konzern zahlt zwei Milliarden Dollar für rund 20 Prozent, mit Option auf eine weitere Milliarde. Amazons Anlage in Pecos County dürfte laut Genehmigung zu den größten Kohlendioxid-Quellen der USA zählen.

Nvidia sichert sich Anteil an Lancium

Nach Angaben von The Information investiert Nvidia zunächst zwei Milliarden Dollar in den von Blackstone unterstützten Versorger Lancium und erhält dafür einen Anteil von rund 20 Prozent. Eine weitere Milliarde Dollar ist an Bedingungen geknüpft, darunter das Erreichen bestimmter Netzanschluss-Meilensteine. Der Deal bewertet Lancium insgesamt mit rund zehn Milliarden Dollar.

Lancium betreibt den ersten aktiven Standort des Stargate-Projekts: den rund 400 Hektar großen “Lancium Clean Campus” im texanischen Abilene. Stargate ist ein Gemeinschaftsprojekt von SoftBank, OpenAI und Oracle, das US-Präsident Donald Trump im Januar 2026 mit einem Investitionsrahmen von bis zu 500 Milliarden Dollar für KI-Infrastruktur vorgestellt hatte. Lancium hat in Texas bereits rund vier Gigawatt Stromleistung vertraglich gesichert und entwickelt Standorte für bis zu 15 weitere Gigawatt. Das frische Kapital soll den Ausbau finanzieren, während das Unternehmen laut Bericht einen Börsengang für 2027 prüft.

Amazon plant Gaskraftwerk mit Rekord-Emissionen

Amazon bringt parallel im texanischen Pecos County ein eigenes Gaskraftwerk namens GW Ranch auf den Weg, wie zuerst das Rechercheformat Distilled Earth berichtete. Die Anlage soll mit 35 Gasturbinen bis zu 7,65 Gigawatt Strom liefern – umgerechnet die Leistung mehrerer großer Kraftwerksblöcke. Texas hat dem Kraftwerk laut New York Times eine Genehmigung für bis zu 33 Millionen Tonnen CO2 im Jahr erteilt; unabhängig verifiziert ist dieser Höchstwert nicht.

Damit könnte das Kraftwerk mehr als doppelt so viel Kohlendioxid ausstoßen wie der Kohlemeiler James H. Miller Jr. in Alabama, einer der größten Einzelemittenten der USA. Satellitenaufnahmen von Ende Juli 2026 zeigen bereits Erdarbeiten auf dem Gelände; die erste Stromlieferung ist für Anfang 2027 vorgesehen, ein Anschluss ans texanische Stromnetz ist in der Anfangsphase nicht geplant. Ein Amazon-Sprecher räumte laut Zeitung ein, dass KI-Rechenzentren die Klimaziele des Konzerns erschweren könnten, betonte zugleich aber, an den Zusagen festzuhalten.

Tech-Konzerne finanzieren Energieinfrastruktur direkt

Beide Deals reihen sich in eine wachsende Zahl direkter Energie-Investitionen der KI-Branche ein. Erst im Juli hatte sich das Start-up Valar Atomics eine Milliarde Dollar für kleine Atomreaktoren gesichert, inklusive einer gemeinsamen Testanlage mit Nvidia in Utah. Anthropic wiederum hat sich laut Bloomberg über den Auftragnehmer Volta Rechenleistung für zehn Milliarden Dollar in einem norwegischen Rechenzentrum gesichert. Amazon selbst hatte seine Investitionsprognose für KI-Infrastruktur bereits im August auf 220 Milliarden Dollar angehoben.

Hintergrund ist der steigende Strombedarf durch KI-Anwendungen. Der Klimaforscher Zeke Hausfather schätzt, dass ein intensiver Nutzer von KI-Agenten übers Jahr etwa so viel Strom verbraucht wie ein Wäschetrockner – mit steigender Tendenz. Weil Versorger und Netzbetreiber mit dem Tempo der Rechenzentrums-Pläne kaum mithalten, greifen Chip- und Cloud-Konzerne zunehmend selbst zu Beteiligungen an Kraftwerken und Stromnetzen, statt allein auf externe Energieversorger zu warten.

Offen bleibt, wie die Umweltbehörden in Texas mit der Genehmigung umgehen, sobald das Kraftwerk 2027 den Betrieb aufnimmt und der tatsächliche Ausstoß überprüfbar wird. Entscheidend wird zudem, ob Lancium sein zugesagtes Kapazitäts-Wachstum auf 19 Gigawatt einhält, bevor der für 2027 erwogene Börsengang ansteht – und ob weitere Chip-Konzerne dem Beispiel folgen, direkt in Energieinfrastruktur zu investieren.

Häufige Fragen

Wie viel investiert Nvidia in Lancium insgesamt?

Bis zu drei Milliarden Dollar – zwei Milliarden sofort, eine weitere Milliarde falls Lancium vereinbarte Netzanschluss-Ziele erreicht.

Was ist das Stargate-Projekt?

Ein Gemeinschaftsvorhaben von SoftBank, OpenAI und Oracle für KI-Rechenzentren, das die US-Regierung im Januar 2026 mit einem Investitionsrahmen von bis zu 500 Milliarden Dollar vorstellte; Lancium betreibt dessen ersten aktiven Standort.

Ist Amazons Gaskraftwerk in Texas schon in Betrieb?

Nein, Satellitenbilder zeigen seit Ende Juli 2026 erst Erdarbeiten; die erste Stromlieferung ist frühestens für Anfang 2027 geplant.

Wie verhält sich der Emissionswert zu anderen US-Kraftwerken?

Die genehmigten 33 Millionen Tonnen CO2 im Jahr wären mehr als doppelt so viel wie beim Kohlekraftwerk James H. Miller Jr. in Alabama, einem der bislang größten Einzelemittenten der USA.

Plant Lancium einen Börsengang?

Berichten zufolge prüft das Unternehmen einen Börsengang für 2027; das frische Kapital von Nvidia soll den Kapazitätsausbau bis dahin finanzieren.

Quellen (3)
  1. Nvidia to Invest Up to $3 Billion in Blackstone-Backed Power Firm Behind Stargate
  2. Scoop: Amazon Is Behind One of the Largest Planned Gas Power Plants in the US
  3. Amazon's Texas data center project raises climate pollution concerns

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