Zwei US-Tech-Konzerne sichern sich in dieser Woche eigene Stromkapazitäten für ihre Rechenzentren: Nvidia beteiligt sich an einem Versorger in Texas, Amazon baut dort ein eigenes Gaskraftwerk. Der Chip-Konzern zahlt zwei Milliarden Dollar für rund 20 Prozent, mit Option auf eine weitere Milliarde. Amazons Anlage in Pecos County dürfte laut Genehmigung zu den größten Kohlendioxid-Quellen der USA zählen.
Nvidia sichert sich Anteil an Lancium
Nach Angaben von The Information investiert Nvidia zunächst zwei Milliarden Dollar in den von Blackstone unterstützten Versorger Lancium und erhält dafür einen Anteil von rund 20 Prozent. Eine weitere Milliarde Dollar ist an Bedingungen geknüpft, darunter das Erreichen bestimmter Netzanschluss-Meilensteine. Der Deal bewertet Lancium insgesamt mit rund zehn Milliarden Dollar.
Lancium betreibt den ersten aktiven Standort des Stargate-Projekts: den rund 400 Hektar großen “Lancium Clean Campus” im texanischen Abilene. Stargate ist ein Gemeinschaftsprojekt von SoftBank, OpenAI und Oracle, das US-Präsident Donald Trump im Januar 2026 mit einem Investitionsrahmen von bis zu 500 Milliarden Dollar für KI-Infrastruktur vorgestellt hatte. Lancium hat in Texas bereits rund vier Gigawatt Stromleistung vertraglich gesichert und entwickelt Standorte für bis zu 15 weitere Gigawatt. Das frische Kapital soll den Ausbau finanzieren, während das Unternehmen laut Bericht einen Börsengang für 2027 prüft.
Amazon plant Gaskraftwerk mit Rekord-Emissionen
Amazon bringt parallel im texanischen Pecos County ein eigenes Gaskraftwerk namens GW Ranch auf den Weg, wie zuerst das Rechercheformat Distilled Earth berichtete. Die Anlage soll mit 35 Gasturbinen bis zu 7,65 Gigawatt Strom liefern – umgerechnet die Leistung mehrerer großer Kraftwerksblöcke. Texas hat dem Kraftwerk laut New York Times eine Genehmigung für bis zu 33 Millionen Tonnen CO2 im Jahr erteilt; unabhängig verifiziert ist dieser Höchstwert nicht.
Damit könnte das Kraftwerk mehr als doppelt so viel Kohlendioxid ausstoßen wie der Kohlemeiler James H. Miller Jr. in Alabama, einer der größten Einzelemittenten der USA. Satellitenaufnahmen von Ende Juli 2026 zeigen bereits Erdarbeiten auf dem Gelände; die erste Stromlieferung ist für Anfang 2027 vorgesehen, ein Anschluss ans texanische Stromnetz ist in der Anfangsphase nicht geplant. Ein Amazon-Sprecher räumte laut Zeitung ein, dass KI-Rechenzentren die Klimaziele des Konzerns erschweren könnten, betonte zugleich aber, an den Zusagen festzuhalten.
Tech-Konzerne finanzieren Energieinfrastruktur direkt
Beide Deals reihen sich in eine wachsende Zahl direkter Energie-Investitionen der KI-Branche ein. Erst im Juli hatte sich das Start-up Valar Atomics eine Milliarde Dollar für kleine Atomreaktoren gesichert, inklusive einer gemeinsamen Testanlage mit Nvidia in Utah. Anthropic wiederum hat sich laut Bloomberg über den Auftragnehmer Volta Rechenleistung für zehn Milliarden Dollar in einem norwegischen Rechenzentrum gesichert. Amazon selbst hatte seine Investitionsprognose für KI-Infrastruktur bereits im August auf 220 Milliarden Dollar angehoben.
Hintergrund ist der steigende Strombedarf durch KI-Anwendungen. Der Klimaforscher Zeke Hausfather schätzt, dass ein intensiver Nutzer von KI-Agenten übers Jahr etwa so viel Strom verbraucht wie ein Wäschetrockner – mit steigender Tendenz. Weil Versorger und Netzbetreiber mit dem Tempo der Rechenzentrums-Pläne kaum mithalten, greifen Chip- und Cloud-Konzerne zunehmend selbst zu Beteiligungen an Kraftwerken und Stromnetzen, statt allein auf externe Energieversorger zu warten.
Offen bleibt, wie die Umweltbehörden in Texas mit der Genehmigung umgehen, sobald das Kraftwerk 2027 den Betrieb aufnimmt und der tatsächliche Ausstoß überprüfbar wird. Entscheidend wird zudem, ob Lancium sein zugesagtes Kapazitäts-Wachstum auf 19 Gigawatt einhält, bevor der für 2027 erwogene Börsengang ansteht – und ob weitere Chip-Konzerne dem Beispiel folgen, direkt in Energieinfrastruktur zu investieren.


