Valar Atomics hat eine Serie-B-Finanzierung von einer Milliarde Dollar unter Führung von Sequoia Capital abgeschlossen, wie das Unternehmen am 3. August 2026 mitteilte. Die Bewertung des Reaktor-Start-ups verdreifacht sich auf sechs Milliarden Dollar. Zusätzlich sichert sich Valar eine Kreditlinie über 200 Millionen Dollar für den Aufbau einer Fabrik, die kleine Atomreaktoren in Serie für Rechenzentren produzieren soll.
Fabrik ersetzt Einzelprojekt beim Reaktorbau
Valar betreibt bislang nur den Testreaktor Ward 250 im US-Bundesstaat Utah. Dieser erreichte laut Unternehmensangaben im Juni 2026 nach sieben Monaten Bauzeit erstmals eine selbsttragende Kettenreaktion. Der frühere Demonstrationsreaktor NOVA hatte für seine erste Kettenreaktion noch rund zwei Jahre gebraucht und wurde erst im November 2025 am Kernwaffentestgelände in Nevada kritisch. Mit dem frischen Kapital soll nun eine Fertigungsstraße entstehen, die die kompakten, heliumgekühlten Hochtemperaturreaktoren nicht mehr einzeln, sondern in Serie baut. Gründer und Chef Isaiah Taylor bringt den Schritt auf die Formel: „Ein Reaktor lässt sich als Projekt bauen. Eine Flotte muss man fertigen.” Erst im März 2026 hatte Valar 450 Millionen Dollar bei einer Bewertung von zwei Milliarden Dollar eingesammelt. Die aktuelle Runde verdreifacht diesen Wert binnen weniger Monate auf sechs Milliarden Dollar. Zusätzlich errichtet das Unternehmen an den Reaktorstandorten eigene Brennstofflabore für das benötigte TRISO-Kernbrennmaterial, um dessen Lieferkette selbst zu kontrollieren, statt sie externen Zulieferern zu überlassen.
Nvidia testet Atomstrom für KI-Anlage in Utah
Den ersten öffentlichen Beleg lieferte Valar bereits im Juni 2026. Der Ward-250-Reaktor am firmeneigenen Testgelände in Orangeville, Utah, speiste kurzzeitig einen KI-Rechner von Nvidia mit Strom aus Kernspaltung. Nach Unternehmensangaben war es das erste Mal, dass ein privater US-Reaktor einen KI-Chip mit Energie versorgte. Wie TechCrunch berichtet, planen Nvidia und Valar nun eine gemeinsame 30-Megawatt-Anlage in Utah, die komplett ohne lokalen Wasserverbrauch auskommen soll. Klassische Rechenzentren verbrauchen für die Kühlung oft mehr als 2,6 Millionen Gallonen Wasser pro Megawatt und Jahr. Valars geschlossener Kühlkreislauf soll diesen Bedarf nahezu auf null senken, indem er Wasser intern wiederverwendet statt es aus der Umgebung zu entnehmen. Perspektivisch soll aus der einzelnen Testanlage eine Flotte werden: Taylor spricht von langfristig Hunderten baugleichen Reaktoren, die Rechenzentren unabhängig vom öffentlichen Stromnetz und dessen Engpässen versorgen könnten. Einen konkreten Baubeginn für die Utah-Anlage nennt bislang keine der beiden Firmen, ebenso wenig einen Zeitpunkt für die volle Netzanbindung.
Wettbewerb um Atomkraft für KI wächst
Valar ist nicht das einzige Nuklear-Start-up, das von der Investorennachfrage nach Atomstrom für KI profitiert. Der Konkurrent Antares sammelte im Juli 2026 470 Millionen Dollar ein. X-energy ging im April 2026 über einen Börsengang an die Kapitalmärkte und erlöste dabei ebenfalls rund eine Milliarde Dollar. Der Wettlauf um Rechenzentrums-Energie zeigt sich auch anderswo: Die EU schrieb Ende Juli sieben KI-Gigafabriken für mehr als 30 Milliarden Euro aus. SpaceX plant parallel sogar Rechenzentren im Erdorbit, um dem steigenden Strombedarf zu entgehen. Das Kapital fließt trotz eines Nasdaq-Rückgangs Ende Juli, der auch aus Zweifeln an der Rendite milliardenschwerer KI-Infrastruktur-Investitionen speiste. Atomkraft-Start-ups scheinen von dieser Skepsis bislang unberührt. Unabhängig geprüft ist die Sechs-Milliarden-Bewertung von Valar nicht – sie beruht auf Angaben der beteiligten Investoren und Medienberichten. Der US-Regierung ist das Tempo dennoch zu langsam: Valar wurde in ein per Präsidialerlass gestartetes Programm aufgenommen, das die Kritikalität privater Testreaktoren auf US-Boden beschleunigen soll. Zugleich klagt das Unternehmen mit mehreren Bundesstaaten gegen die Atomaufsicht NRC wegen aus ihrer Sicht zu langer Genehmigungsverfahren.
Ob Sequoias Wette aufgeht, entscheidet sich an der Fertigungslinie, nicht am Testreaktor. Bislang hat kein Anbieter kompakter Reaktoren gezeigt, dass sich Serienproduktion tatsächlich in Monaten statt Jahren realisieren lässt. Offen bleibt zudem, wann die geplante Utah-Anlage mit Nvidia in Betrieb geht – einen konkreten Zeitplan nennen beide Unternehmen bislang nicht.


