Die IT-Sicherheitsfirma JFrog hat aufgedeckt, dass 54 von 55 angeblichen Sicherheitslücken in der Datenbank SQLite frei erfunden waren – veröffentlicht über ein einzelnes GitHub-Konto binnen vier Tagen. Sechs der Meldungen erreichten in offiziellen Datenbanken zunächst Kritisch-Werte von bis zu 9,8 von 10 Punkten, obwohl die beschriebenen Funktionen im echten SQLite-Quellcode gar nicht existierten.
Falsche Funktionsnamen entlarven die KI-Herkunft
JFrog-Sicherheitsforscher Afek Berger prüfte sechs Advisories, die alle Use-after-free-Fehler in SQLite behaupteten – etwa in den Funktionen exprComputeOperands(), ExprListDelete() und sqlite3ExprDelete(). Die sechs Meldungen trugen die Kennungen CVE-2026-51302, CVE-2026-51303, CVE-2026-51300, CVE-2026-51297, CVE-2026-51296 und CVE-2026-51304, mit CVSS-Werten zwischen 7,5 und 9,8. Um die Angaben zu verifizieren, klonte das Team den offiziellen SQLite-Quellcode, kompilierte die genannten Versionen in isolierten Docker-Containern mit AddressSanitizer-Instrumentierung und führte die mitgelieferten Programmierbeispiele wortgetreu aus. Keiner der sechs Fehler ließ sich auslösen. Bei mehreren Meldungen verwiesen die Advisories auf Zeilennummern, die weit über das Ende der jeweiligen Quelldatei hinausreichten – in einem Fall auf Zeile 3575 in einer Datei mit 2.706 Zeilen. Weitere Berichte nannten Funktionen, die in den angegebenen SQLite-Versionen schlicht nicht existierten. Ein Werkzeug zur Erkennung KI-generierter Texte stufte die Formulierungen der Advisories zusätzlich als maschinell verfasst ein. JFrog weitete die Prüfung anschließend auf alle 55 Meldungen desselben GitHub-Kontos aus: 54 erwiesen sich als komplett erfunden, ein einziger Fund enthielt einen realen, wenn auch falsch dokumentierten Fehler.
Bewertungsstellen vergeben zunächst Höchstwerte
Die Fälschungen durchliefen den offiziellen CVE-Prozess, bevor sie auffielen. Red Hat vergab für die Meldung CVE-2026-51302 zunächst den Höchstwert 10,0 von 10 Punkten und senkte ihn nach JFrogs Hinweis auf 7,6. Auf der Plattform X erklärte JFrog Security, die vorgelegten Belege passten nicht zur vergebenen Kritisch-Bewertung. JFrog informierte neben Red Hat auch die GitHub Security Advisory Database und die US-Schwachstellendatenbank NVD über den Fund. Wer hinter dem GitHub-Konto steckt und mit welchem Ziel es die Meldungen veröffentlichte, ist unabhängig nicht verifiziert. Ähnliche Muster sind kein Einzelfall: Bereits im Juli hatte Apple sein Bug-Bounty-Programm eingeschränkt, nachdem KI-generierte Berichte das Prüfteam überlastet hatten, während unabhängige Daten gleichzeitig eine sprunghafte Zunahme echter, KI-gefundener Schwachstellenmeldungen bei großen Technologiekonzernen zeigen. Die CVE-Einreichung verlangt laut JFrog keine Identitätsprüfung, zudem habe die NVD ihre manuelle Prüfkapazität seit Februar 2024 deutlich reduziert.
Entscheidend wird, ob NVD und GHSA striktere Einreichungsregeln einführen, etwa eine Pflicht zu nachvollziehbaren Programmierbeispielen oder Commit-Verweisen – bislang verlangt keine der beiden Stellen einen solchen Nachweis. Bis zu einer solchen Reform bleibt Sicherheitsteams nur, jede neue Kritisch-Meldung vor dem Patchen gegen den tatsächlichen Quellcode zu prüfen.


