Apple hat sein Bug-Bounty-Programm Feedback Assistant seit Juni 2026 mit einer Obergrenze für offene Meldungen und einer 30-tägigen Sperrfrist versehen, nachdem KI-generierte Berichte das Sicherheitsteam überlastet hatten. Die Kappung traf auch einen echten Fund: Das italienische Start-up Bynario konnte eine schwere macOS-Schwachstelle im geschätzten Schwarzmarktwert von bis zu 200.000 Dollar zunächst nicht einreichen, weil sein Kontingent bereits ausgeschöpft war.
Sprachmodelle fluten Apples Prüfteam mit Falschmeldungen
Große Sprachmodelle senken die Einstiegshürde für die Fehlersuche erheblich: Wer keine tiefen Systemkenntnisse hat, kann trotzdem in kurzer Zeit Dutzende technisch klingende Berichte erzeugen. Ein Großteil davon beschreibt laut Financial Times Schwachstellen, die es in dieser Form gar nicht gibt – Halluzinationen im Gewand von Fachjargon. Jede einzelne Meldung braucht dennoch eine menschliche Prüfung, bevor klar ist, ob ein echter Fehler oder nur ein KI-Artefakt vorliegt. Der Trend passt zu einem branchenweit bereits deutlich gestiegenen Volumen an KI-gefundenen Schwachstellen, das Prüfteams zunehmend an ihre Kapazitätsgrenzen bringt.
Apple reagierte mit der Kappung im internen Meldeportal: eine Höchstzahl gleichzeitig offener Berichte pro Forscherin oder Forscher sowie eine 30-tägige Sperrfrist nach Erreichen des Limits. Ein höheres Kontingent lässt sich demnach auf Antrag freischalten. Apple steht mit diesem Problem nicht allein da: Auch der Sicherheitsanbieter Sophos beschreibt in einem eigenen Blogbeitrag den Wandel bei Bug-Bounty-Programmen – die Herausforderung verschiebe sich vom Filtern der Flut hin zum schnellen Verifizieren tatsächlicher Funde, weil neue Modelle zunehmend reproduzierbare, echte Schwachstellen produzierten. Sophos selbst zahlte 2025 rund 600.000 Dollar an knapp 1.350 bestätigte Einreichungen aus rund 7.000 Meldungen insgesamt.
Bynario findet echte Lücke ausgerechnet in der Sperrfrist
Das italienische Sicherheits-Start-up Bynario nutzte ChatGPT, um automatisiert nach Schwachstellen in macOS zu suchen, und identifizierte laut Digital Trends innerhalb von drei Wochen mehr als 50 potenzielle Fehler. Einer davon erwies sich als verifizierbare Rechteausweitungs-Kette mit Bezug zu Bildschirmfreigabe und Remote Management über einen veralteten VNC-Zugriff, katalogisiert als CVE-2026-43760. Ein Angreifer hätte darüber die vollständige Kontrolle über einen Mac erlangen können, ohne dass das Opfer etwas bemerkt.
Bynario-Chef Alfredo Pesoli beziffert den Schwarzmarktwert der Lücke auf 100.000 bis 200.000 Dollar – eine Einschätzung des Start-ups selbst, unabhängig nicht verifiziert. Melden konnte Bynario den Fund zunächst dennoch nicht über Feedback Assistant, weil Apples neue Kappung bereits griff und das Kontingent an offenen Meldungen erschöpft war. Erst nach der Berichterstattung über den Fall meldete sich Apple demnach bei dem Start-up. Ob die Lücke inzwischen offiziell eingereicht, geprüft und vergütet wurde, ist bislang nicht bekannt. Der Fall zeigt die Kehrseite der Kappung: Eine Maßnahme gegen Falschmeldungen kann auch echte, dringende Funde vorübergehend ausbremsen.
Apple setzt selbst auf KI-gestützte Fehlersuche
Während Apple die Zahl externer KI-Meldungen begrenzt, nutzt der Konzern nach eigenen Angaben selbst KI-Modelle zur Schwachstellensuche im eigenen Code: Jüngste Sicherheitshinweise schreiben unter anderem Anthropics Claude die Entdeckung einer Kernel-Schwachstelle zu, OpenAIs Codex Security half demnach bei mehreren WebKit-Fehlern. Die Basisprämie für die schwersten Zero-Click-Exploit-Ketten liegt bei 2 Millionen Dollar, mit Bonuszahlungen kann die Gesamtsumme 5 Millionen Dollar übersteigen. Seit dem Start des Programms zahlte Apple nach eigenen Angaben mehr als 35 Millionen Dollar an über 800 Forscherinnen und Forscher aus.
Dass die schiere Zahl gemeldeter Lücken wächst, heißt allerdings nicht automatisch mehr Angriffe: Eine Auswertung von VulnCheck zeigte kürzlich, dass nur ein Bruchteil der mit KI-Werkzeugen gefundenen Schwachstellen tatsächlich ausgenutzt wird. Für Apples Prüfteam bleibt der Engpass dennoch die Unterscheidung zwischen den seltenen echten Funden und der wachsenden Masse an Falschmeldungen.
Offen bleibt, ob auch andere große Bug-Bounty-Programme wie die von Google oder Microsoft ähnliche Kappungen einführen, sobald KI-Werkzeuge dort vergleichbare Flutwellen auslösen. Für Sicherheitsteams verschiebt sich die eigentliche Herausforderung damit von der Schwachstellensuche zur Verifikation – ein Engpass, den zusätzliche Rechenleistung allein nicht auflöst.


