Sicherheit

VulnCheck: Angreifer nutzen nur 1,3 Prozent der KI-Lücken

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Ein Roboterarm hält eine Lupe vor eine Wand voller grauer Vorhängeschlösser, von denen nur zwei rot aufleuchten. Generiertes Bild mit GPT Image 2
Ein Roboterarm hält eine Lupe vor eine Wand voller grauer Vorhängeschlösser, von denen nur zwei rot aufleuchten.

TL;DR Too Long; Didn’t read

Nur 1,3 Prozent der im ersten Halbjahr 2026 mit KI-Werkzeugen entdeckten Sicherheitslücken wurden laut VulnCheck angegriffen – 14 von 1061 Fällen. Die Quote entspricht etwa dem Wert für klassisch gefundene Lücken. Beim Anthropic-Programm Project Glasswing traf es von über 23.000 gemeldeten Funden bislang nur einen einzigen. Die Zeitspanne bis zum ersten Angriff sank branchenweit von 120 auf 80 Tage.

Das Wichtigste in Kürze

  • VulnCheck analysierte 1061 im ersten Halbjahr 2026 mit KI-Werkzeugen gefundene Sicherheitslücken.
  • Nur 14 davon zeigten nachweisbare Spuren aktiver Ausnutzung im Beobachtungszeitraum.
  • Anthropics Project Glasswing lieferte über 23.000 Funde, aber lediglich 126 veröffentlichte CVE-Einträge.
  • Die mittlere Zeit bis zum ersten bestätigten Angriff schrumpfte branchenweit von 120 auf 80 Tage.
  • Content-Management-Systeme wie WordPress und Drupal stellten rund ein Drittel aller neu ausgenutzten Lücken.
  • Erstmals tauchen auch KI-eigene Werkzeuge wie die Plattform Langflow als Angriffsziel in der Statistik auf.

Die Sicherheitsfirma VulnCheck hat erstmals systematisch ausgewertet, wie oft mit KI-Unterstützung gefundene Sicherheitslücken tatsächlich für Angriffe genutzt werden. Von 1061 im ersten Halbjahr 2026 erfassten KI-Funden bestätigte die Firma nur bei 14 eine aktive Ausnutzung. Das entspricht einer Quote von 1,3 Prozent, kaum höher als beim gesamten Lückenbestand. Die vielbeschworene Beschleunigung der Angriffswelle durch KI bleibt damit bislang aus.

VulnCheck untersucht mehr als tausend KI-Funde

Für den Bericht State of Exploitation 1H-2026 sammelte Analyst Patrick Garrity Daten zu Sicherheitslücken aus dem ersten Halbjahr 2026. Ausgewertet wurden gezielt Funde, die mit Hilfe von KI-Werkzeugen entdeckt worden waren. 1061 solcher Funde erfüllten die Kriterien der Auswertung. Vier der 14 bestätigten Angriffe entdeckte VulnCheck über eigene Frühwarnsysteme namens Canaries. Die Quote von 1,3 Prozent liegt nahe am Durchschnittswert aller im gleichen Zeitraum erfassten Schwachstellen. Sie liegt sogar unter historischen Vergleichswerten früherer Jahre. Die zugrunde liegenden Zahlen stammen aus VulnChecks eigener Datenbank und sind unabhängig nicht verifiziert. Über die gesamte Branche hinweg schrumpfte zudem das Verhältnis zwischen aktiv ausgenutzten und insgesamt gemeldeten Lücken. Es fiel von 2,7 Prozent Ende 2023 auf inzwischen 1,4 Prozent. Grund dafür ist, dass die Zahl gemeldeter Schwachstellen schneller wächst als die Zahl echter Angriffe. Erste Hinweise auf aktive Ausnutzung liefern vor allem spezialisierte Dienste wie Patchstack, CrowdSec, ShadowServer und Wordfence. Ergänzt werden diese Meldungen um Daten der US-Behörde CISA. Öffentlich diskutierte Sorgen vor einer durch KI ausgelösten „Exploitation-Apokalypse” bestätigt der Bericht damit bislang nicht.

Project Glasswing liefert Masse, aber kaum Treffer

Besonders deutlich zeigt sich die Diskrepanz bei Anthropics automatisiertem Programm Project Glasswing. Es hatte im Juni 2026 bei rund 200 Partnerorganisationen für einen sprunghaften Anstieg gemeldeter CVEs gesorgt. Von mehr als 23.000 ursprünglichen Funden mündeten bislang nur 126 in veröffentlichte CVE-Einträge. Angegriffen wurde davon bislang eine einzige Lücke, mit der Kennung CVE-2026-26980, was die geringe Trefferquote noch einmal unterstreicht. Ein separater Disclosure-Ledger des Programms stockt zudem bei 1611 Einträgen. Mehr als 150 davon liegen bereits über der vereinbarten Offenlegungsfrist. Sicherheitsforscher hatten schon beim CVE-Anstieg im Frühsommer gewarnt: Nicht das Auffinden, sondern das Verifizieren und Patchen der Schwachstellen sei der eigentliche Engpass. Die neuen VulnCheck-Zahlen untermauern diese Einschätzung. Dass KI-gestützte Funde nicht automatisch gefährlicher sind, zeigte sich zuvor bereits am Beispiel von GPT-5.6 Sol Ultra. Das Modell fand für rund 25 Dollar eine kritische WordPress-Lücke. Dort begannen laut Sicherheitsfirma watchTowr allerdings tatsächlich rasch erste Angriffe – ein Beleg dafür, dass Einzelfälle je nach Zielsystem stark variieren.

Angriffe treffen häufig Content-Management-Systeme

Die Gesamtzahl gemeldeter Schwachstellen wuchs im ersten Halbjahr 2026 laut VulnCheck um 45 Prozent. Die Zahl tatsächlich aktiv ausgenutzter Lücken nahm dagegen nur um 10 Prozent zu. Content-Management-Systeme wie WordPress, Drupal, Ghost und Kentico Xperience stellten dabei rund ein Drittel aller neu als angegriffen bestätigten Schwachstellen. Ein Teil davon lief über eine groß angelegte Kampagne, welche auch die australische Cybersicherheitsbehörde ASD dokumentierte. Am schnellsten nach Bekanntwerden angegriffen wurden daneben Sicherheitswerkzeuge selbst, etwa von Splunk und Microsoft Defender. Auch Entwicklerwerkzeuge und Systeme zur Geräteverwaltung gehörten zu den bevorzugten Zielen. Gleichzeitig sank die mittlere Zeit zwischen einer CVE-Veröffentlichung und dem ersten bestätigten Angriff von 120 auf 80 Tage. Rund 200 Lücken wurden bereits innerhalb der ersten 31 Tage ausgenutzt. Neu in der Statistik tauchen zudem KI-eigene Werkzeuge als Ziel auf. Die Workflow-Plattform Langflow etwa, über die zuvor bereits ein Hacker mit DeepSeek-Unterstützung automatisierte Angriffe versuchte, wurde laut VulnCheck über zwei separate Lücken tatsächlich kompromittiert. Angreifer nutzten sie unter anderem zum Einschleusen von Kryptowährungs-Minern.

Entscheidend wird, ob Sicherheitsteams ihre Priorisierung anpassen. Der Befund spricht dafür, gemeldete Lücken weiterhin nach Zielsystem und Angriffsfläche zu bewerten. Ob eine KI oder ein Mensch die Lücke entdeckt hat, spielt dagegen offenbar kaum eine Rolle. Zugleich verschärft die von 120 auf 80 Tage geschrumpfte Reaktionszeit den Druck, Patches schneller einzuspielen. Ob sich die Schere zwischen KI-Fundmenge und tatsächlicher Ausnutzung im zweiten Halbjahr weiter öffnet, dürfte auch davon abhängen, wie viele der über 150 überfälligen Glasswing-Meldungen bis dahin offengelegt werden.

Häufige Fragen

Bedeutet die niedrige Angriffsquote, dass KI-gefundene Sicherheitslücken ungefährlich sind?

Nein. Die Studie zeigt nur, dass KI-Funde im Schnitt nicht häufiger angegriffen werden als klassisch entdeckte Lücken – einzelne KI-Funde wie eine WordPress-Lücke von GPT-5.6 Sol Ultra wurden trotzdem schnell ausgenutzt.

Wer steht hinter dem VulnCheck-Bericht?

VulnCheck ist ein auf Schwachstellen- und Exploit-Daten spezialisiertes US-Sicherheitsunternehmen. Analyst Patrick Garrity wertete für den Bericht Daten aus dem ersten Halbjahr 2026 aus.

Was ist Project Glasswing?

Project Glasswing ist Anthropics automatisiertes Programm zur KI-gestützten Schwachstellensuche, das mit rund 200 Partnerorganisationen wie Cloudflare und Microsoft zusammenarbeitet.

Welche Systeme sind laut dem Bericht besonders gefährdet?

Content-Management-Systeme wie WordPress, Drupal und Ghost trugen rund ein Drittel aller im ersten Halbjahr 2026 bestätigten Angriffe, ergänzt um Sicherheits- und Entwicklerwerkzeuge.

Welche Rolle spielt die Reaktionszeit für Sicherheitsteams?

Die mittlere Zeit bis zum ersten Angriff sank von 120 auf 80 Tage. Sicherheitsteams bleibt damit nach einer Veröffentlichung weniger Zeit, Patches einzuspielen – unabhängig davon, wie eine Lücke gefunden wurde.

Quellen

  1. VulnCheck: State of Exploitation 1H-2026
  2. The Register: AI-found bugs aren't proving any easier to exploit despite the hype

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