Sicherheit

GPT-5.6 findet WordPress-Sicherheitslücke für 25 Dollar

3 Min. Lesezeit
Monitor mit WordPress-Logo, roter Sicherheitswarnung und Terminal-Codezeilen in einem Cybersecurity-Analyseraum, im Hintergrund unscharf eine KI-Chat-Oberfläche. Generiertes Bild mit GPT Image 2
Monitor mit WordPress-Logo, roter Sicherheitswarnung und Terminal-Codezeilen in einem Cybersecurity-Analyseraum, im Hintergrund unscharf eine KI-Chat-Oberfläche.

TL;DR Too Long; Didn’t read

Der Sicherheitsforscher Adam Kues hat mit OpenAIs GPT-5.6 Sol Ultra für rund 25 Dollar eine kritische Schwachstelle in der WordPress-Kernsoftware identifiziert. Zwei verkettete Fehler erlauben unangemeldeten Angreifern die vollständige Übernahme betroffener Websites. WordPress hat die Lücke in Version 6.9.5 und 7.0.2 geschlossen, laut der Sicherheitsfirma watchTowr laufen bereits erste Angriffe.

Das Wichtigste in Kürze

  • Analyse mit vier KI-Agenten dauerte gut zehn Stunden und kostete rund 25 Dollar an Rechenleistung.
  • Exploit-Händler zahlen für vergleichbare WordPress-Kernlücken laut Searchlight Cyber bis zu 500.000 Dollar.
  • Die Kette aus REST-API-Fehler und SQL-Injection funktioniert ohne Anmeldung und ohne installierte Plugins.
  • WordPress schließt beide Lücken in den Versionen 6.9.5 und 7.0.2 durch erzwungene Sicherheitsupdates.
  • Die Sicherheitsfirma watchTowr registrierte bereits erste Ausnutzungsversuche nach Veröffentlichung des Machbarkeitsnachweises.
  • Über 500 Millionen Websites weltweit setzen auf die betroffene WordPress-Kernsoftware.

Der Sicherheitsforscher Adam Kues von Searchlight Cyber deckte mit OpenAIs GPT-5.6 Sol Ultra eine kritische WordPress-Kernlücke auf, die unangemeldeten Angreifern die vollständige Serverübernahme erlaubt. Die Analyse kostete rund 25 Dollar und dauerte gut zehn Stunden. Für eine vergleichbare, unabhängig nicht verifizierte Lücke zahlen Exploit-Händler laut Searchlight Cyber bis zu 500.000 Dollar.

KI-Agent verkettet zwei Fehler zu einer vollständigen Übernahme

Kues passte für die Suche einen Prompt an, den er zuvor für mathematische Probleme genutzt hatte. Er entfernte die Versionshistorie aus dem WordPress-Quellcode und ließ bis zu vier Instanzen von GPT-5.6 Sol Ultra parallel mindestens sechs Stunden lang nach einem Weg zu unangemeldeter Codeausführung suchen. Einen ersten Ansatzpunkt fand das Modell bereits innerhalb weniger Minuten, die vollständige Kette stand nach gut zehn Stunden. GPT-5.6 Sol Ultra ist als OpenAI-Modell in den Tarifen ChatGPT Work Pro, Enterprise und Codex Plus verfügbar.

Das Ergebnis verbindet zwei einzeln bekannte Schwachstellen zu einem Angriffspfad mit dem Namen wp2shell. Eine Verwechslung von REST-API-Routen (CVE-2026-63030, CVSS-Wert 9,8) verschafft zunächst lesenden Zugriff auf interne Datenbankinhalte. Eine SQL-Injection im Parameter author__not_in (CVE-2026-60137, CVSS-Wert 5,9) erweitert diesen Zugriff über präparierte oEmbed-Cache-Einträge und manipulierte Customizer-Änderungssätze bis zur vollständigen Codeausführung auf dem Server. Der Angriff benötige laut Searchlight Cyber keine Voraussetzungen und funktioniere bereits bei einer unangemeldeten Standardinstallation ohne zusätzliche Plugins.

WordPress erzwingt Sicherheitsupdate, erste Angriffe laufen bereits

Betroffen sind die WordPress-Versionen 6.9.0 bis 6.9.4 sowie 7.0.0 und 7.0.1, in denen sich beide Fehler zur vollständigen Codeausführung verketten lassen. Die SQL-Injection allein steckt zusätzlich in den älteren Versionen 6.8.0 bis 6.8.5, dort lässt sie sich jedoch nicht bis zur Codeausführung fortsetzen. WordPress hat beide Lücken in den Versionen 6.9.5 und 7.0.2 geschlossen und für betroffene Installationen automatische Pflicht-Updates aktiviert, sodass ein Großteil der Websites die Korrektur ohne manuelles Zutun erhalten sollte.

Unabhängige Forscherinnen und Forscher reproduzierten die vollständige Angriffskette, bevor Searchlight Cyber sie öffentlich machte; das Unternehmen verzögerte die Veröffentlichung gezielt, um Betreiberinnen und Betreibern Zeit für Updates zu verschaffen. Nach der Veröffentlichung eines Machbarkeitsnachweises registrierte die Sicherheitsfirma watchTowr bereits erste Anzeichen aktiver Ausnutzung. WordPress treibt weltweit mehr als 500 Millionen Websites an, weshalb Fachleute schnelles Patchen unabhängig vom Einzelrisiko als wichtigste Sofortmaßnahme einstufen. Betreiberinnen und Betreiber sollten die eigene Versionsnummer im Dashboard kontrollieren, falls automatische Updates deaktiviert sind.

KI-gestützte Fehlersuche verändert das Tempo der Sicherheitsforschung

Der Fund reiht sich in einen Trend ein, den beckmann.ai bereits im Juli beschrieben hat: KI-Bug-Hunting lässt die Zahl gemeldeter CVEs explodieren. Sprachmodelle durchsuchen Quellcode inzwischen in einem Tempo und zu Kosten, die manuelle Audits kaum noch erreichen. Klassische Sicherheitsprüfungen für eine Software von der Größe und Bedeutung von WordPress dauern üblicherweise Tage bis Wochen und kosten ein Vielfaches der rund 25 Dollar, die Kues für seine vier KI-Agenten aufwendete.

Die Kostenverschiebung wirkt nach zwei Seiten. Verteidigende Teams finden gravierende Schwachstellen billiger und schneller, bevor Kriminelle sie ausnutzen können. Gleichzeitig stehen dieselben Werkzeuge grundsätzlich auch Angreifenden offen, die anders als Sicherheitsfirmen keine verantwortungsvolle Offenlegung einhalten müssen. Für Betreiberinnen und Betreiber von Websites bedeutet das vor allem, dass die Zeitspanne zwischen einer neu entdeckten Lücke und ersten Angriffen im Internet tendenziell kürzer wird – automatische Updates wie die von WordPress erzwungenen werden dadurch zu einer zentralen Schutzmaßnahme statt einer bloßen Empfehlung.

Offen bleibt, ob Anbieter kommerzieller KI-Modelle ihre Sicherheitsfilter künftig so anpassen, dass legitime Verteidigungsforschung nicht ausgebremst wird, während dieselben Fähigkeiten Angreifenden ungehindert offenstehen. Entscheidend wird außerdem, wie schnell Betreiberinnen und Betreiber betroffener Websites die erzwungenen Updates tatsächlich einspielen: Bei früheren WordPress-Kernlücken blieb ein erheblicher Teil der Installationen noch Monate nach Veröffentlichung eines Patches ungeschützt.

Häufige Fragen

Muss ich als WordPress-Betreiberin oder -Betreiber selbst etwas tun?

Bei aktivierten automatischen Updates installiert WordPress die Version 6.9.5 beziehungsweise 7.0.2 selbstständig. Wer automatische Updates abgeschaltet hat, sollte die Versionsnummer im Dashboard prüfen und manuell aktualisieren.

Ist die Lücke bereits aktiv ausgenutzt worden?

Die Sicherheitsfirma watchTowr registrierte nach Veröffentlichung eines öffentlichen Machbarkeitsnachweises erste Anzeichen aktiver Angriffe. Ein systematischer Missbrauch in großem Stil ist bislang nicht unabhängig bestätigt.

Welche WordPress-Versionen sind konkret betroffen?

Die vollständige Kette zur Codeausführung betrifft die Versionen 6.9.0 bis 6.9.4 sowie 7.0.0 und 7.0.1. Die SQL-Injection allein steckt zusätzlich in den Versionen 6.8.0 bis 6.8.5, lässt sich dort aber nicht bis zur Codeausführung fortsetzen.

Was kostet der Zugang zu GPT-5.6 Sol Ultra, mit dem die Lücke gefunden wurde?

OpenAI bietet das Modell in den kostenpflichtigen Tarifen ChatGPT Work Pro, Enterprise und Codex Plus an. Konkrete Endkundenpreise für Deutschland oder die EU nennt Searchlight Cyber in der Studie nicht.

Warum kostete die komplette Analyse nur rund 25 Dollar?

Der Betrag deckt allein die Rechenleistung für die KI-Agenten während der gut zehn Stunden Suche ab. Er berücksichtigt weder das Gehalt des Forschers noch den Aufwand für die anschließende Verifikation und verantwortungsvolle Offenlegung.


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