Microsoft baut seine Cloud-Plattform Azure ab der zweiten Jahreshälfte 2026 mit dem neuen Helios-Racksystem von AMD aus. Jedes Rack bündelt 72 Instinct-MI455X-Beschleuniger zu 1,4 ExaFLOPS Rechenleistung im FP8-Format. Für Microsoft ist es der bislang größte Schritt weg von der bisherigen Abhängigkeit von Nvidia-Chips.
Helios-Racks bündeln Rechenleistung für große KI-Modelle
Wie Microsoft in einem offiziellen Blogeintrag mitteilte, erweitert der Konzern sein Angebot an Recheninfrastruktur um AMDs Helios-System. Ein Rack fasst 72 Instinct-MI455X-Grafikbeschleuniger mit insgesamt 31 Terabyte HBM4-Arbeitsspeicher und erreicht laut technischer Analyse von Tom’s Hardware 260 Terabyte pro Sekunde Bandbreite innerhalb eines Racks. Zwischen den Racks sind es demnach 43 Terabyte pro Sekunde über die Verbindungstechnik UALink auf Ethernet-Basis.
Ergänzt wird das System durch die sechste Generation der AMD-EPYC-Prozessoren mit dem Codenamen Venice sowie Netzwerktechnik der Marke Pensando. Azure erhält dafür zwei neue virtuelle Maschinenreihen: HDv2 richtet sich an agentenbasierte KI-Anwendungen und Datenpipelines, HXv2 an Berechnungen für den Chip-Entwurf. Zum Vergleich: Nvidias Konkurrenzsystem Vera Rubin NVL72 erreicht laut Tom’s Hardware innerhalb eines Racks eine ähnliche Bandbreite, kommt zwischen den Racks aber nur auf rund 21,5 Terabyte pro Sekunde – etwa halb so viel wie Helios. Für den Betrieb der GPUs setzt AMD zudem auf die offene Software-Plattform ROCm anstelle von Nvidias proprietärem CUDA-Ökosystem. Konkrete Liefertermine für einzelne Rechenzentren nannten die Unternehmen nicht.
AMD positioniert Helios als Antwort auf Nvidias Marktführerschaft
AMD-Chefin Lisa Su bezeichnete die Microsoft-Kooperation als wichtigen Meilenstein für die nächste Generation an KI-Infrastruktur. Microsoft-Chef Satya Nadella erklärte, die Erweiterung der Azure-Infrastruktur um Helios gebe Kunden mehr Leistung, Skalierbarkeit und Auswahl für den Bau und Betrieb künftiger KI-Anwendungen. Bislang dominiert Nvidia den Markt für KI-Rechenzentren nahezu ungeteilt; Analysten werten Helios als AMDs bisher umfassendste Antwort darauf, weil das System Rechenchips, Netzwerktechnik und Software aus einer Hand liefert.
Die Ankündigung fiel zeitlich mit AMDs Hausmesse Advancing AI 2026 zusammen, auf der das Unternehmen weitere Details zur Helios-Architektur vorstellte. Die Finanzmärkte reagierten unmittelbar: Die AMD-Aktie legte nach der Ankündigung nach Angaben von Blockonomi um rund fünf Prozent zu, während das Papier von Microsoft leicht nachgab. Neben Microsoft zählt AMD nach eigenen Angaben auch Meta, OpenAI und Oracle zu den Abnehmern der Helios-Plattform – unabhängig nicht verifiziert. Finanzielle Details der Vereinbarung zwischen Microsoft und AMD legten beide Unternehmen nicht offen.
Mehr Auswahl für Azure-Kunden bei rechenintensiven KI-Anwendungen
Für Unternehmen, die KI-Modelle über Azure betreiben, bedeutet die Erweiterung zunächst mehr Auswahl bei der zugrunde liegenden Hardware statt eines sofortigen Wechsels. Bislang laufen die meisten großen Sprachmodelle auf Azure über Nvidia-Chips; mit Helios kommt eine zweite Architektur hinzu, die Microsoft parallel betreiben will. Das kann mittelfristig die Verhandlungsposition von Cloud-Kunden gegenüber Chip-Lieferanten stärken und Lieferengpässe abfedern, wie sie im KI-Markt zuletzt wiederholt auftraten.
Ob Kunden in Deutschland oder der EU zum Marktstart Zugriff auf Helios-Kapazitäten erhalten, ließen Microsoft und AMD offen. Preise für die neuen VM-Reihen HDv2 und HXv2 nannten beide Unternehmen ebenfalls nicht; üblich sind bei Azure nutzungsabhängige Tarife, die typischerweise erst kurz vor der allgemeinen Verfügbarkeit veröffentlicht werden.
Entscheidend wird, wie viel Rechenkapazität Microsoft tatsächlich bei AMD einkauft und ob Helios in der Praxis mit den von Nvidia dominierten Systemen mithalten kann. Beide Unternehmen nannten dazu keine Zahlen, sodass sich der Erfolg der Partnerschaft erst an den ersten Auslieferungen in der zweiten Jahreshälfte 2026 zeigen wird.


