Nvidia hat seine Beteiligungen an anderen Unternehmen binnen zwölf Monaten von sieben auf 99 Milliarden Dollar ausgebaut, wie CNBC unter Berufung auf die Finanzangaben des Chipherstellers berichtet. Vor zwei Jahren lag die Summe erst bei 2,2 Milliarden Dollar. Nvidia wird damit neben seinem Chipgeschäft zu einem der größten Aktionäre der eigenen Kundschaft.
Bilanz zeigt drei wachsende Beteiligungsposten
Der aktuelle Wert stammt aus Nvidias Quartalsbericht für das am 26. Juli 2026 endende Fiskalquartal: Beteiligungen an börsennotierten Firmen wuchsen darin von 3,2 auf 42,8 Milliarden Dollar, nicht-börsennotierte Anteile von 3,8 auf 51,2 Milliarden Dollar. Hinzu kommen fast fünf Milliarden Dollar in Aktien, die noch bis Dezember 2027 gesperrt sind.
Nach Angaben von Finanzchefin Colette Kress entfallen davon fast 50 Milliarden Dollar auf sogenannte Frontier-KI-Labore, also Firmen, die eigene KI-Basismodelle trainieren. Der größte Einzelposten in dieser Gruppe ist der rund 30 Milliarden Dollar schwere Anteil an OpenAI aus der 110-Milliarden-Dollar-Finanzierungsrunde vom Februar 2026. Nvidia begründet die Investitionen damit, dass das Wachstum der Labore deren eigene Kreditkapazität und Infrastruktur übersteige.
Zusätzlich verpflichtete sich der Konzern zu weiteren 25 Milliarden Dollar, die noch nicht ausgezahlt sind. Das Portfolio wächst parallel zum Kerngeschäft: Im zweiten Fiskalquartal hatte Nvidia bereits einen verdoppelten Umsatz von 96 Milliarden Dollar gemeldet, getragen vom Rechenzentrumsgeschäft.
Aus einer xAI-Wette wird ein SpaceX-Aktienpaket
Wie stark Kursgewinne das Portfolio treiben, zeigt der zweitgrößte Posten: Die Beteiligung an SpaceX war Ende Juni rund 21 Milliarden Dollar wert, wie Fortune berichtet. Ursprünglich hatte Nvidia 2025 bis zu zwei Milliarden Dollar in Elon Musks KI-Start-up xAI gesteckt, kombiniert aus Eigen- und Fremdkapital für eine Zweckgesellschaft, die damit Nvidia-Chips für xAI kaufte. Als xAI vor dessen Börsengang in SpaceX aufging, wandelte sich die Beteiligung in SpaceX-Aktien um, ihr Wert verzehnfachte sich in weniger als einem Jahr.
Die zweitgrößte Einzelposition bleibt Intel: Der ursprünglich fünf Milliarden Dollar schwere Anteil aus einer Chip-Kooperation vom September 2025 war Ende Juni rund 30 Milliarden Dollar wert, ein reiner Kursgewinn ohne frisches Kapital. Ähnliche, aber kleinere Beteiligungen liefen zuletzt bei Nebius und CoreWeave: Nvidia hält seit März 9,3 Prozent am KI-Cloud-Anbieter Nebius und investierte im Januar zwei Milliarden Dollar in CoreWeave. Ende August kam eine 3,5-Milliarden-Dollar-Wandelanleihe für den Chippartner MediaTek hinzu, nach der die Nvidia-Aktie zunächst fiel.
Alphabet und Amazon bleiben trotzdem größer
Trotz der Summe bleibt Nvidia hinter den größten Tech-Investoren zurück: Alphabet und Amazon weisen laut eigenen Geschäftsberichten jeweils Beteiligungsportfolios von mehr als 100 Milliarden Dollar aus. Nvidia liegt damit auf Platz drei unter den strategischen Investoren der Branche. Die Nvidia-Aktie selbst notierte zuletzt bei 228 Dollar und damit nahe ihrem Jahreshoch von knapp 236 Dollar, ein Plus von rund 34 Prozent binnen zwölf Monaten.
Nvidia begründet die Strategie mit dem Aufbau eines eigenen Ökosystems: Wer Kapital von Nvidia erhält, kauft in aller Regel auch dessen Chips, zuletzt etwa durch die für 12,9 Milliarden Dollar vereinbarte Übernahme von Hugging Face. Kritiker sehen darin ein zirkuläres Geldflussmuster, das Umsätze auf beiden Seiten aufbläht. Analysten verweisen zugleich darauf, dass die Beteiligungen Nvidia auch Einfluss auf die technologische Ausrichtung seiner Kunden verschaffen. Nach der Wandelanleihe für MediaTek waren die Kosten für Kreditausfallversicherungen auf Nvidia-Anleihen bereits zeitweise auf ein Rekordhoch gestiegen, eine unabhängig nicht verifizierte Marktbeobachtung, auf die mehrere Investmentbanken damals verwiesen.
Offen bleibt, ob Investoren die wechselseitigen Geldflüsse zwischen Nvidia und seinen Beteiligungsfirmen langfristig als Risiko für die Kreditwürdigkeit des Chipherstellers werten. Der nächste Blick auf die Bilanz folgt mit dem dritten Fiskalquartal, das Nvidia voraussichtlich im November 2026 vorlegt.


