KI-Wirtschaft

Nvidia verhandelt Kauf von Hugging Face für 12,9 Milliarden

3 Min. Lesezeit

TL;DR Too Long; Didn’t read

Nvidia verhandelt laut einem Bericht von The Information den Kauf der Open-Source-Plattform Hugging Face für 12,9 Milliarden Dollar. Der Preis liegt fast beim Dreifachen der Bewertung von 4,5 Milliarden Dollar aus dem Jahr 2023. Hugging Face hatte 2025 ein Investitionsangebot von Nvidia über 500 Millionen Dollar abgelehnt. Eine offizielle Bestätigung beider Unternehmen steht noch aus.

Eine Roboterhand mit Nvidia-Logo-Sticker greift nach dem gelben Hugging-Face-Smiley-Logo inmitten eines Netzes verbundener Knotenpunkte. Generiertes Bild mit GPT Image 2

Das Wichtigste in Kürze

  • Der gehandelte Preis übersteigt Hugging Faces letzte Finanzierungsrunde von 2023 um fast das Dreifache.
  • Nvidia hatte bereits 2025 ein 500-Millionen-Dollar-Investment angeboten, das Hugging Face ablehnte.
  • Mitgründer Clément Delangue befürchtete damals zu viel Einfluss eines einzelnen Investors.
  • Hugging Face gilt als zentrale Plattform für offene KI-Modelle und Datensätze, oft als "GitHub der KI" bezeichnet.
  • Weder Nvidia noch Hugging Face haben den Deal bislang offiziell bestätigt.
  • Kritiker befürchten Folgen für die Neutralität der Plattform gegenüber konkurrierenden Chipherstellern.

Nvidia verhandelt einem Bericht des Fachdienstes The Information zufolge den Kauf der Open-Source-Plattform Hugging Face für 12,9 Milliarden Dollar. Der Preis liegt fast beim Dreifachen der letzten offiziellen Bewertung von 4,5 Milliarden Dollar aus dem Jahr 2023. Eine unterzeichnete Vereinbarung gibt es nach übereinstimmenden Berichten noch nicht.

Bewertung springt auf fast das Dreifache

TechCrunch berichtet, die Gespräche zwischen beiden Unternehmen seien weit fortgeschritten, ein Abschluss aber noch nicht sicher. Hugging Face hatte bereits vor wenigen Tagen einen Verkauf zu einer Bewertung von mindestens 13 Milliarden Dollar geprüft und dafür eine Bank mit der Käufersuche beauftragt. Die 2016 von Clément Delangue, Julien Chaumond und Thomas Wolf gegründete Plattform gilt als zentraler Umschlagplatz für offene KI-Modelle, Datensätze und Werkzeuge – oft als „GitHub der KI” bezeichnet. Der Jahresumsatz liegt Berichten zufolge bei rund 150 Millionen Dollar, vor zwei Monaten waren es noch etwa 100 Millionen. Delangue habe dem Onlinemagazin TechCrunch kürzlich gesagt, das Wachstum bringe das Unternehmen „nah an die Profitabilität”. An der Finanzierungsrunde von 2023 waren neben Nvidia selbst auch Google, Amazon, Salesforce, IBM, Intel, AMD und Qualcomm beteiligt – Nvidia hält damit bereits heute einen kleinen Anteil an der Plattform, die es nun komplett übernehmen will.

Hugging Face lehnte frühere Nvidia-Offerte ab

Der aktuelle Vorstoß ist nicht der erste Annäherungsversuch: Bereits im Juli 2025 bot Nvidia rund 500 Millionen Dollar für eine Investitionsbeteiligung, bewertete Hugging Face damals mit sieben Milliarden Dollar. Delangue lehnte ab – aus Sorge, ein einzelner Investor könne zu viel Einfluss auf die Plattform gewinnen. Der heutige Kaufpreis liegt damit rund 26-mal so hoch wie das Angebot von vor gut einem Jahr. Delangue hatte zuletzt öffentlich für eine engere Zusammenarbeit von Chipherstellern und offenen Modellen geworben: Zusammen mit Nvidia-Chef Jensen Huang unterzeichnete er im Sommer einen offenen Brief, der die US-Regierung aufforderte, offene KI-Modelle zu fördern statt einzuschränken. Der Brief soll die Position offener KI-Modelle gegenüber schärferen Exportbeschränkungen stärken, wie mehrere Wirtschaftsmedien im Sommer berichteten. In einem CNBC-Interview warnte er zudem, China dominiere den Bereich offener Modelle „eindeutig” – ein Argument, das für eine engere Bindung an einen finanzstarken US-Partner sprechen könnte.

Übernahme wirft Fragen zur Plattform-Neutralität auf

Kritiker sehen in der möglichen Übernahme ein Risiko für die Unabhängigkeit von Hugging Face. Die Plattform hostet nicht nur Nvidia-nahe Projekte, sondern auch Modelle von Wettbewerbern wie Google, Amazon und Microsoft, die eigene KI-Chips entwickeln. Geriete Hugging Face vollständig unter die Kontrolle eines Chipherstellers, könnten konkurrierende Anbieter das Vertrauen in die neutrale Distribution verlieren. Weder Nvidia noch Hugging Face haben den Deal bislang offiziell bestätigt oder dementiert; beide Unternehmen reagierten laut den zitierten Berichten zunächst nicht auf Presseanfragen. Auch zu einer möglichen kartellrechtlichen Prüfung äußerte sich bislang keine der beteiligten Parteien. Analysten verweisen auf ähnliche Bedenken wie bei Microsofts Investment in OpenAI oder Amazons Beteiligung an Anthropic, wo Cloud-Anbieter Zugang zu Trainingsdaten und Infrastruktur ihrer Portfoliounternehmen erhielten. Bei Hugging Face käme hinzu, dass die Plattform selbst über keine eigene Recheninfrastruktur im großen Stil verfügt und für Training und Deployment der gehosteten Modelle auf Partner wie Nvidias eigene DGX-Cloud-Dienste verweisen könnte – ein Umstand, der nach einer Übernahme noch bedeutender würde.

Entscheidend wird, ob eine mögliche Vereinbarung vertragliche Zusagen zur Plattform-Neutralität enthält – oder ob Wettbewerber als Reaktion eigene Distributionswege für offene Modelle aufbauen. Ein Termin für einen möglichen Abschluss ist bislang nicht bekannt.

Häufige Fragen

Ist der Nvidia-Hugging-Face-Deal bereits offiziell bestätigt?

Nein. Die Zahlen stammen aus einem Bericht von The Information, den mehrere Medien aufgegriffen haben. Eine unterzeichnete Vereinbarung oder eine offizielle Stellungnahme beider Unternehmen liegt bislang nicht vor.

Was ist Hugging Face genau?

Hugging Face ist eine 2016 gegründete Plattform, auf der Entwicklerinnen und Entwickler offene KI-Modelle, Datensätze und Trainingswerkzeuge teilen und weiterverwenden können. Sie gilt als eine der wichtigsten Anlaufstellen für Open-Source-KI weltweit.

Warum lehnte Hugging Face 2025 ein Angebot von Nvidia ab?

Nvidia bot damals rund 500 Millionen Dollar für eine Investitionsbeteiligung bei einer Bewertung von sieben Milliarden Dollar. Mitgründer Clément Delangue begründete die Ablehnung mit der Sorge, ein einzelner Investor könne zu viel Kontrolle über die Plattform erhalten.

Was würde sich für Entwickler ändern, falls der Kauf zustande kommt?

Offen ist, ob Hugging Face unter Nvidia weiterhin Modelle konkurrierender Chiphersteller neutral hostet. Kritiker befürchten engere Bindungen an Nvidias eigene Cloud-Infrastruktur, etwa DGX Cloud.

Wird der Deal von Kartellbehörden geprüft?

Dazu liegen bislang keine öffentlichen Angaben vor. Angesichts von Nvidias Marktmacht bei KI-Chips gilt eine Prüfung durch US-Wettbewerbsbehörden als wahrscheinlich, sobald ein Vertrag unterzeichnet ist.

Quellen (4)
  1. Nvidia Agrees to Buy Open Source Model Repository Hugging Face For $12.9 Billion – The Information
  2. Nvidia closes in on Hugging Face acquisition – TechCrunch
  3. Nvidia agrees to buy Hugging Face for $12.9 billion, report says – CNBC
  4. Nvidia agrees to buy Hugging Face for $12.9B, months after turning down its $500M offer – Tech Funding News

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