Das KI-Start-up River AI hat 1,1 Milliarden Dollar in einer kombinierten Seed- und Serie-A-Runde eingesammelt, angeführt von den Investoren General Catalyst und AMP PBC. Auch die Chiphersteller Nvidia und AMD Ventures beteiligen sich strategisch an dem erst im Juni 2026 gegründeten Unternehmen von xAI-Mitgründer Igor Babuschkin. Das frische Kapital soll den Aufbau einer offenen KI-Infrastruktur beschleunigen, die Nutzerinnen und Nutzern gehören und von ihnen kontrolliert werden soll.
River API trainiert offene Modelle in wenigen Minuten
Erstes Produkt des Start-ups ist die River API, wie River AI im eigenen Blog bekannt gibt. Über die Schnittstelle passen Unternehmen offene KI-Modelle per Reinforcement Learning und LoRA-Feintuning an – ein kompletter Trainingslauf dauert nach Unternehmensangaben 15 bis 20 Minuten und benötigt kein eigenes Infrastruktur-Team. River AI beziffert die Kosteneinsparung gegenüber geschlossenen Anbietern wie OpenAI oder Anthropic auf das Zwei- bis Vierfache; unabhängig nicht verifiziert ist diese Zahl bislang nicht. Abgerechnet wird nutzungsbasiert pro verarbeiteter Million Token, gestaffelt nach Modellgröße. Neben den Leadinvestoren General Catalyst und AMP PBC beteiligen sich laut River AI auch der Frühphaseninvestor Y Combinator sowie der singapurische Staatsfonds Temasek an der Runde.
Wie TechCrunch berichtet, ist River AI erst zwei Monate alt: Babuschkin hatte das Unternehmen im Juni 2026 aus der Stealth-Phase geholt. Neben der Trainingsinfrastruktur plant das Start-up eigenen Angaben zufolge auch Hardware für den lokalen Betrieb persönlicher KI-Systeme – ein Rollout-Termin dafür steht noch nicht fest. Eine Unternehmensbewertung nennt River AI zu der Finanzierungsrunde nicht.
Babuschkin will KI-Besitz zurück zu den Nutzern holen
Babuschkin arbeitete zuvor bei Google DeepMind und OpenAI an generativen Modellen und Reinforcement Learning, bevor er zu den Mitgründern von xAI zählte. Wie Bloomberg zum Start im Juni berichtete, verließ Babuschkin xAI, um eine persönliche KI zu entwickeln. Nutzerinnen und Nutzer sollen sie selbst trainieren und verändern können, statt sich an die Vorgaben großer Anbieter zu halten. Diese Positionierung setzt River AI bewusst gegen geschlossene Systeme wie ChatGPT oder Claude ab.
Das Start-up reiht sich damit in eine wachsende Zahl kapitalstarker Wetten auf offene KI-Infrastruktur ein. Erst im Juli hatte der Entwicklerdienst Ollama 65 Millionen Dollar für offene KI-Modelle eingesammelt. Inferenz-Anbieter wie Fireworks AI werden mittlerweile im zweistelligen Milliardenbereich bewertet. Dass nun auch die Chiphersteller Nvidia und AMD Ventures bei River AI mitziehen, unterstreicht deren Interesse an offener Trainingsinfrastruktur abseits der etablierten Cloud-Anbieter.
Offen bleibt, ob ein zwei Monate altes Unternehmen ohne veröffentlichte Bewertung und ohne breite Nutzerbasis die milliardenschweren Erwartungen seiner Geldgeber rechtfertigen kann. Entscheidend wird, ob River AI die angekündigte Hardware für den lokalen Betrieb persönlicher KI-Modelle tatsächlich liefert – einen Termin dafür hat das Start-up bislang nicht genannt.


