Der KI-Infrastrukturanbieter Fireworks AI hat eine Serie-D-Finanzierungsrunde über 1,5 Milliarden Dollar abgeschlossen und wird damit mit 17,5 Milliarden Dollar bewertet. Die Bewertung vervierfacht sich binnen acht Monaten gegenüber der vorherigen Runde. Angeführt haben die Finanzierung die Investoren Atreides Management, Index Ventures und TCV.
Serie-D-Runde vervierfacht die Bewertung binnen acht Monaten
Fireworks AI hatte im November 2025 in einer Serie-C-Runde 250 Millionen Dollar bei einer Bewertung von vier Milliarden Dollar eingesammelt. Die aktuelle Runde bringt dem Unternehmen nun 1,5 Milliarden Dollar zusätzliches Kapital ein. Neben den Anführern Atreides Management, Index Ventures und TCV beteiligten sich laut Unternehmensangaben auch bestehende Investoren wie Nvidia, Lightspeed Venture Partners und Evantic Capital sowie mehr als ein halbes Dutzend weitere neue Geldgeber. Das Unternehmen will das Kapital nach eigenen Angaben in den Ausbau der Recheninfrastruktur und in neue Ingenieurstellen investieren. Gegründet wurde Fireworks AI 2022 von einem Team ehemaliger Meta- und Google-Mitarbeiter. Geschäftsführerin Lin Qiao leitete zuvor die PyTorch-Entwicklung bei Meta, ihre Mitgründer arbeiteten unter anderem an Metas Anzeigeninfrastruktur und an Googles Vertex-AI-Plattform. Mit der Serie-C-Runde lag die Gesamtfinanzierung bei rund 327 Millionen Dollar; nach der aktuellen Runde summiert sich das eingesammelte Kapital auf mehr als 1,8 Milliarden Dollar. Die Beteiligung von Nvidia unterstreicht die enge Verzahnung zwischen Chip- und Infrastrukturanbietern im derzeitigen KI-Markt: Der Chiphersteller hat in den vergangenen Monaten in mehrere Inferenz-Spezialisten investiert, um die eigene Chip-Nachfrage langfristig zu sichern.
Umsatz und Tokenvolumen wachsen im Rekordtempo
Nach Unternehmensangaben überschreitet die jährliche Umsatzrate von Fireworks AI erstmals eine Milliarde Dollar, eine Verfünffachung im Jahresvergleich. Die Plattform verarbeitet inzwischen mehr als 40 Billionen Token pro Tag, gegenüber rund 15 Billionen zu Jahresbeginn. Mehr als 95 Prozent dieser Token stammen laut Fireworks aus Modellen, die Kunden individuell auf eigene Daten zugeschnitten haben, statt aus unveränderten Standardmodellen. Diese Umsatzzahlen sind unabhängig nicht verifiziert. Zu den genannten Kunden zählen die Programmierplattform Cursor und der Rechtsdienstleister Harvey. Die Plattform bietet mehr als 200 offene Modelle für Text, Bild und weitere Formate an und unterstützt nach eigenen Angaben neue Open-Source-Veröffentlichungen innerhalb kurzer Zeit nach deren Erscheinen. Der starke Anstieg des Tokenvolumens spiegelt einen breiteren Trend wider: Immer mehr Unternehmen setzen KI-Anwendungen inzwischen produktiv statt nur experimentell ein, was die Nachfrage nach schneller und günstiger Inferenz-Kapazität erhöht. Die Plattform umfasst zudem einen Agenten, der Hyperparameter automatisch optimiert und Trainingsdatensätze mit sogenannten DPO-Dateien erweitert – nach Unternehmensangaben ein Weg, die Modellqualität ohne zusätzlichen manuellen Aufwand zu verbessern.
Fireworks positioniert sich im Wettbewerb der Inferenz-Anbieter
Fireworks AI konkurriert mit Anbietern wie Together AI und Baseten um Unternehmen, die eigene KI-Modelle statt fertiger Chatbot-Produkte einsetzen wollen. Mitgründerin und Geschäftsführerin Lin Qiao begründet die Strategie damit, dass Firmen aus ihren eigenen Daten und Arbeitsabläufen einen eigenständigen Wissensvorsprung entwickeln könnten, den allgemeine Modelle nicht abbilden könnten. Die Plattform bietet dafür serverlose und dedizierte Inferenzdienste, mehrere Verfahren für verteiltes Training sowie ein System, das Trainingsdaten automatisch erweitert und Modelle komprimiert. Zu den weiteren Kunden zählen laut einem Bericht von Pulse2 auch Uber, Shopify, Samsung Electronics und GitLab. Kunden können auf der Plattform zudem mehrere offene Modelle parallel testen und automatisiert für einzelne Aufgaben auswählen lassen. Der Sprung von vier auf 17,5 Milliarden Dollar binnen weniger Monate zeigt, wie stark Investoren derzeit auf spezialisierte KI-Infrastruktur setzen, während die Bewertungen großer Foundation-Model-Anbieter zunehmend kritisch diskutiert werden. Anders als Anbieter, die eigene Basismodelle entwickeln, verzichtet Fireworks bewusst auf ein eigenes Foundation-Modell und positioniert sich stattdessen als Infrastrukturschicht für offene Modelle unterschiedlicher Hersteller. Einen konkreten Zeitplan für einen möglichen Börsengang nannte Fireworks nicht.
Offen bleibt, ob Fireworks das Umsatzwachstum halten kann, wenn Cloud-Anbieter wie AWS und Google Cloud ihre eigenen Inferenzdienste weiter ausbauen. Einen Termin für einen Börsengang oder weitere Großrunden hat das Unternehmen bislang nicht angekündigt.


