Das US-Start-up Bunkerhill Health hat in einer Serie-B-Runde unter Führung von Khosla Ventures zusätzliches Kapital eingesammelt und die Gesamtfinanzierung auf 55 Millionen Dollar erhöht. Die Plattform Carebricks ermöglicht es Krankenhäusern, eigene KI-Agenten für klinische und administrative Abläufe zu entwickeln und zu betreiben. Mit dem Geld baut das Unternehmen die Software bei weiteren US-Kliniken aus.
Klinik-KI-Agenten übernehmen konkrete Versorgungsaufgaben
Carebricks funktioniert nach Angaben von Bunkerhill Health als eine Art Betriebssystem für KI-Agenten in Kliniken: Fachabteilungen bauen darüber eigene Assistenten für wiederkehrende Aufgaben, ohne auf einzelne Software-Anbieter angewiesen zu sein. An der University of Texas Medical Branch (UTMB) laufen bereits mehr als zwanzig solcher Agenten im Produktivbetrieb. Ein Agent zur Erkennung von Herzkranzgefäßverkalkungen erkannte im ersten Monat einen Patienten mit akutem Infarktrisiko, der daraufhin notfallmäßig einen dreifachen Bypass erhielt. Ein Agent für die nephrologische Ersteinschätzung senkte die Wartezeit auf einen Facharzttermin um mehr als die Hälfte, ein weiterer beschleunigte bei Lungenknoten die Bearbeitung dringender Fälle um 80 Prozent und verdoppelte leitliniengerechte Folgeuntersuchungen. Diese Zahlen stammen ausschließlich vom Unternehmen selbst und sind unabhängig nicht verifiziert. Neun der eingesetzten Algorithmen verfügen bereits über eine Zulassung der US-Arzneimittelbehörde FDA für den klinischen Einsatz. Insgesamt nutzen nach Unternehmensangaben mindestens fünfzehn Gesundheitssysteme die Plattform, darunter neben UTMB auch Cleveland Clinic, Mayo Clinic, Ballad Health und Intermountain Health.
Investoren wetten auf operative statt diagnostische KI
Die Finanzierungsrunde wird von Khosla Ventures angeführt, zu den bestehenden Geldgebern zählen Sequoia Capital, Felicis, Optum Ventures und Y Combinator. Khosla erklärt laut Fortune, der Engpass bei KI im Gesundheitswesen sei nie die Technologie gewesen, sondern die Fähigkeit der Kliniken, sie tatsächlich im Betrieb einzusetzen. Bunkerhill positioniert sich damit bewusst gegen einen Großteil der Konkurrenz, die vor allem auf einzelne diagnostische Anwendungen setzt. Firmenchef Nishith Khandwala begründet den Ansatz damit, dass jedes führende Gesundheitssystem mehr Möglichkeiten zur Verbesserung der Patientenversorgung habe, als seine Belegschaft an Kapazität aufbringen könne. UTMB-Chief-AI-Officer Peter McCaffrey sagt, man brauche für die größten Probleme der Klinik keine Superintelligenz, sondern durchschnittliche Intelligenz in großem Maßstab. Bunkerhill Health wurde 2019 von den Stanford-Absolventen Nishith Khandwala und David Eng gegründet und konzentriert sich anders als viele Wettbewerber auf administrative statt rein diagnostische Prozesse. Die aktuelle Runde folgt auf eine Seed- und eine Series-A-Finanzierung, deren einzelne Beträge das Unternehmen nicht gesondert ausweist, sondern nur in der Gesamtsumme von 55 Millionen Dollar nennt.
Entscheidend wird, ob sich Bunkerhills Wette auf operative Prozesse auch dann noch auszahlt, wenn die Plattform über die aktuellen fünfzehn Gesundheitssysteme hinaus skaliert. Bislang veröffentlicht das Unternehmen ausschließlich eigene Erfolgszahlen einzelner Pilotagenten, eine unabhängige Untersuchung zu Fehlerrate oder abgelehnten Fällen der Agenten steht bislang aus. Wie viele neue Klinikpartnerschaften noch in diesem Jahr hinzukommen, hat Bunkerhill Health nicht beziffert.


