Der Software- und Cloud-Konzern Oracle bereitet einem Bericht von Business Insider zufolge eine weitere Entlassungsrunde vor, mit der die milliardenschweren Investitionen in KI-Rechenzentren gegenfinanziert werden sollen. Die Kürzungen sollen laut einem internen Dokument vor dem Beginn des zweiten Geschäftsquartals am 1. September greifen. Manche Teams könnten dabei zweistellige Prozentanteile ihrer Belegschaft verlieren.
Investitionsausgaben verdoppeln sich auf 55,7 Milliarden Dollar
Oracle hat seine Kapitalausgaben im abgelaufenen Geschäftsjahr 2026 auf 55,7 Milliarden Dollar mehr als verdoppelt, nach 21,2 Milliarden Dollar im Vorjahr. Der Konzern gab dabei 23,7 Milliarden Dollar mehr Bargeld aus, als er einnahm. Um die Lücke zu schließen, nahm Oracle 43 Milliarden Dollar an neuen Schulden und 5 Milliarden Dollar an frischem Eigenkapital auf. Für das laufende Geschäftsjahr 2027 kündigte der Konzern weitere Nettoinvestitionen von rund 70 Milliarden Dollar in Rechenzentren an, zusätzlich zu Kundenvorauszahlungen von 20 bis 25 Milliarden Dollar. Gleichzeitig wuchs der Umsatz im Geschäftsjahr 2026 um 17 Prozent auf 67,4 Milliarden Dollar, das Cloud-Geschäft legte um 39 Prozent auf 34 Milliarden Dollar zu, und die offenen Auftragsbestände (Remaining Performance Obligations) stiegen auf 638 Milliarden Dollar. Als Grund für das Tempo nennt Oracle anhaltend hohe Nachfrage von Großkunden wie OpenAI, Meta und xAI nach Rechenkapazität, die das Angebot an eigenen und gemieteten Rechenzentren weiterhin übersteigt. Erst im Juli hatte die Ratingagentur S&P Global Oracles Kreditwürdigkeit wegen des OpenAI-Auftragsrisikos herabgestuft – ein Hinweis darauf, wie genau Investoren die Finanzierung des KI-Ausbaus inzwischen verfolgen.
Bericht nennt zweistellige Kürzungen in einzelnen Teams
Die Personalabteilung habe Führungskräfte angewiesen, betroffene Mitarbeitende zu benennen, berichtet Business Insider unter Berufung auf mit den Plänen vertraute Personen und ein internes Dokument. Bei einzelnen Teams könnten die Kürzungen demnach zweistellige Prozentanteile erreichen. Oracle hatte im Geschäftsjahr 2026 bereits rund 21.000 der zuvor 162.000 Stellen abgebaut, ein Rückgang von etwa 13 Prozent auf rund 141.000 Beschäftigte weltweit; als Grund nannte der Konzern unter anderem den verstärkten Einsatz von KI-Technologien in den eigenen Abläufen. Für die bereits abgeschlossene Reduzierung zahlte Oracle rund 1,8 Milliarden Dollar an Abfindungen und sonstigen Trennungskosten, deutlich mehr als die 374 Millionen Dollar im Vorjahr; für laufende Restrukturierungen rechnet der Konzern mit Gesamtkosten von bis zu 2,1 Milliarden Dollar. Eine Stellungnahme zu dem aktuellen Bericht lehnte Oracle ab. Bereits im Frühjahr 2026 hatte der Konzern in mehreren Wellen Stellen vor allem in der Cloud-Sparte gestrichen, was Beobachter inzwischen als Muster wiederkehrender Einschnitte werten. An der Börse reagierten Anleger verhalten: Die Aktie war zuvor bereits auf ein 52-Wochen-Tief gefallen und legte nach Bekanntwerden der neuen Pläne im nachbörslichen Handel leicht zu.
Weitere Tech-Konzerne begründen Stellenabbau mit KI-Investitionen
Oracle reiht sich damit in eine wachsende Liste von Unternehmen ein, die 2026 Stellenabbau ausdrücklich mit KI-Investitionen begründen. Der israelische Softwareanbieter Monday.com strich im Juli rund 620 Stellen für den Umbau zu einer KI-gestützten Arbeitsplattform, während Visa am Hauptsitz in Foster City 320 Stellen strich und den verstärkten KI-Einsatz als einen der Gründe nannte. Analysten werten die Investitionen in Nvidia-Chips und den Ausbau eigener Rechenzentren bei Oracle als direkte Wette auf große KI-Kunden wie OpenAI und Meta, deren Aufträge einen Großteil der offenen Bestellungen ausmachen. Anders als bei Monday.com oder Visa steht bei Oracle nicht in erster Linie der Ersatz von Arbeitskraft durch KI-Software im Vordergrund, sondern die Umschichtung von Personalkosten hin zu Zinsen und Abschreibungen für die eigene Rechenzentrums-Infrastruktur.
Offen bleibt, wie viele Stellen tatsächlich wegfallen und in welchen Bereichen – Oracle wollte sich dazu nicht äußern. Entscheidend wird, ob der Konzern die Kürzungen bei der für September erwarteten Vorlage der Zahlen zum ersten Quartal des Geschäftsjahres 2027 offiziell bestätigt und ob sich das Muster damit als dauerhafte Strategie zur Finanzierung des KI-Baubooms verfestigt.


