Die Ratingagentur S&P Global hat Oracles Kreditwürdigkeit am 9. Juli 2026 von BBB auf BBB- herabgestuft – nur eine Stufe über Ramschniveau. Grund ist laut S&P die wachsende Abhängigkeit von OpenAI, das nach eigenen Angaben etwa die Hälfte von Oracles offenem Auftragsbestand ausmacht. Die Oracle-Aktie büßte am 13. Juli mehr als sechs Prozent ein.
Auftragsbestand hängt zur Hälfte an einem Kunden
S&P begründet die Herabstufung mit der Konzentration von Oracles Auftragsbestand auf einen einzigen Großkunden. Der offene Auftragsbestand, in der Finanzsprache Remaining Performance Obligations genannt, liegt bei rund 638 Milliarden Dollar. Etwa die Hälfte davon entfällt der Ratinganalyse zufolge auf Verträge mit OpenAI. Sollte das Unternehmen seinen Zahlungsverpflichtungen nicht nachkommen können, bliebe Oracle nach Einschätzung der S&P-Analysten Andrew Chang und Christian Frank auf langfristigen Rechenzentrumsverträgen sitzen. Diese ließen sich kaum kurzfristig kündigen. Eine Weitergabe an neue Mieter wäre nur zu deutlich schlechteren Konditionen möglich. Oracle hatte im vergangenen Jahr einen milliardenschweren Infrastrukturvertrag mit OpenAI geschlossen. Der Deal machte das Unternehmen zum wichtigsten Wachstumstreiber der vergangenen zwölf Monate, zugleich aber auch zum größten Klumpenrisiko in der Bilanz. Die Kreditausfallversicherungen für Oracle-Anleihen verteuerten sich bereits im Anschluss an die Vertragsunterzeichnung spürbar und kletterten auf rund 184 Basispunkte, ein frühes Warnsignal der Anleihemärkte für steigendes Ausfallrisiko. S&P hatte den Rating-Ausblick für Oracle bereits zuvor auf negativ gesetzt und damit früh signalisiert, dass die Agentur die wachsende Konzentration auf einen Großkunden kritisch beobachtet.
Investitionsplan verdoppelt das erwartete Kassendefizit
Der zweite Kritikpunkt der Ratingagentur betrifft Oracles Investitionstempo beim Ausbau der KI-Infrastruktur. S&P rechnet für das Geschäftsjahr 2027 mit Investitionsausgaben von 90 bis 95 Milliarden Dollar, deutlich mehr als die zuvor veranschlagten 60 Milliarden Dollar. Gleichzeitig hat sich die Prognose für das freie operative Kassendefizit auf etwa 42 Milliarden Dollar nahezu verdoppelt, zuvor waren rund 24 Milliarden Dollar erwartet worden. Diese Zahl beruht auf der S&P-eigenen Modellrechnung und ist unabhängig nicht vollständig verifiziert. Um die Lücke zu schließen, plant Oracle nach eigenen Angaben eine Kapitalerhöhung von 20 Milliarden Dollar im weiteren Verlauf des Jahres 2026. Hinzu kommen zusätzliche Fremd- und Eigenkapitalaufnahmen von mehreren Zehnmilliarden Dollar über die kommenden drei Jahre. Bereits im Februar 2026 hatte der Konzern Pflichtwandelvorzugsaktien im Wert von fünf Milliarden Dollar ausgegeben. Die Gesamtverschuldung liegt inzwischen bei rund 160 bis 167 Milliarden Dollar. Der Verschuldungsgrad dürfte laut S&P bis zum Geschäftsjahr 2027 auf das 4,5-Fache des Ergebnisses vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen steigen.
Aktie gerät zusätzlich durch Apples Klage unter Druck
Am Aktienmarkt reagierten Anleger zunächst gelassen: Nach der Herabstufung am 9. Juli legte die Oracle-Aktie sogar leicht zu. Am 13. Juli kippte die Stimmung jedoch, das Papier verlor mehr als sechs Prozent und fiel zeitweise auf ein neues Zwölfmonatstief von rund 132 Dollar. Über den vergangenen Monat summierte sich der Kursrückgang auf etwa 28 Prozent. Als zusätzlichen Belastungsfaktor nennt das Anlegermagazin Motley Fool Apples Klage gegen OpenAI wegen mutmaßlich gestohlener Geschäftsgeheimnisse, die neue Zweifel an OpenAIs finanzieller Stabilität nährt. Investoren befürchten, ein Rechtsstreit könnte die Fähigkeit des Start-ups schwächen, seine milliardenschweren Zahlungsverpflichtungen gegenüber Oracle zu erfüllen. Auch der Nachrichtendienst 24/7 Wall St. verweist auf diesen Zusammenhang und beziffert den Monatsverlust der Aktie. Im selben Zeitraum verzeichnete Apple laut Bloomberg deutliche Kursgewinne, da Investoren einem Teil ihres Kapitals aus stärker KI-exponierten Werten wie Oracle in vermeintlich sicherere Technologietitel umschichteten. Oracles Vorstandsvize Jeffrey Henley hatte bereits Ende Juni große Aktienpakete zu Kursen zwischen 156 und 165 Dollar verkauft, deutlich über dem aktuellen Niveau.
Entscheidend wird, ob Oracle die geplante Kapitalerhöhung von 20 Milliarden Dollar zu tragbaren Konditionen platzieren kann, ohne bestehende Aktionäre stark zu verwässern. Fällt die Bonität um eine weitere Stufe, würde Oracle erstmals in seiner Geschichte als Ramschanleihe eingestuft – mit spürbar höheren Finanzierungskosten für künftige Rechenzentrumsprojekte. Der Fall zeigt, wie eng die Bilanzen großer Cloud-Anbieter inzwischen mit der Zahlungsfähigkeit einzelner KI-Start-ups verwoben sind.


