Der chinesische KI-Anbieter DeepSeek hat seinen annualisierten Umsatzlauf binnen weniger Monate auf eine Milliarde Dollar mehr als verdoppelt. Parallel soll eine neue Kapitalrunde über umgerechnet rund 7,5 Milliarden Dollar bei einer Bewertung von 75 Milliarden Dollar bis Ende Oktober abgeschlossen werden. Zugleich bereitet das Unternehmen über die Bank CITIC Securities einen Börsengang in Shanghai vor.
Preiserhöhungen treiben den Umsatzsprung
Firmenchef Liang Wenfeng habe die Umsatzzahl kürzlich Investoren mitgeteilt, berichtet The Information unter Berufung auf mit der Sache vertraute Personen. Noch vor wenigen Monaten habe der Umsatzlauf bei weniger als 500 Millionen Dollar gelegen. Grund für den Sprung seien Preiserhöhungen bei den API-Zugriffen im vergangenen Monat um das 2,3- bis 4,5-Fache.
Kunden seien trotz der höheren Preise nicht in nennenswertem Umfang abgewandert, so Liang laut Bericht. DeepSeek positioniere sich damit weiterhin als eines der günstigeren Angebote unter den großen KI-Anbietern, trotz des Anfang September veröffentlichten Nachfolgemodells DeepSeek-V4.1-Flash mit gestiegenen Testergebnissen. Mehr als 70 Prozent der Rechenkapazität fließen demnach weiterhin in das Training neuer Modelle, weniger als 30 Prozent in den laufenden Betrieb bestehender Modelle. Die Umsatzzahl selbst ist unabhängig nicht verifiziert, da DeepSeek als privates Unternehmen keine testierten Jahresabschlüsse veröffentlicht und die Zahl allein aus einem Investoren-Briefing stammt. Belastbare, extern geprüfte Geschäftszahlen chinesischer KI-Start-ups bleiben damit weiterhin die Ausnahme, anders als bei börsennotierten US-Konkurrenten mit regelmäßiger Quartalsberichtspflicht.
Kapitalrunde soll bis Ende Oktober stehen
Die aktuelle Runde über 50 Milliarden Yuan folgt auf die erste externe Finanzierung von DeepSeek. Das Unternehmen hatte im Sommer bereits rund 50 Milliarden Yuan, etwa 7,4 Milliarden Dollar, bei einer Bewertung von gut 50 Milliarden Dollar eingesammelt. Größter Einzelinvestor war damals Firmenchef Liang Wenfeng selbst mit 20 Milliarden Yuan, gefolgt von Tencent mit 10 Milliarden Yuan und dem Batteriehersteller CATL mit 5 Milliarden Yuan. NetEase, JD.com und IDG Capital brachten je 3 Milliarden Yuan ein, Chinas staatlicher KI-Investitionsfonds steuerte 1 Milliarde Yuan bei.
Die Zielbewertung war seither mehrfach gestiegen: Im Juli hatte DeepSeek zunächst 70 Milliarden Dollar angepeilt, im August 74 Milliarden Dollar. Mit nun 500 Milliarden Yuan, umgerechnet etwa 75 Milliarden Dollar, und einem Zielabschluss bis Ende Oktober nimmt die Runde offenbar konkrete Form an, nachdem sie im Juli zwischenzeitlich pausiert hatte. Das frische Kapital soll vor allem den Ausbau der Recheninfrastruktur, die Weiterentwicklung eigener Modelle und den Erhalt von Fachpersonal finanzieren.
Berater CITIC Securities bereitet Börsengang vor
Unabhängig von der Kapitalrunde hat DeepSeek laut Reuters die Bank CITIC Securities beauftragt. Sie soll eine Notierung am Shanghaier STAR-Market vorbereiten – demselben Marktsegment, an dem auch der Robotikhersteller Unitree im August debütierte. Der Prozess solle noch in diesem Jahr beginnen, Zeitpunkt, Volumen und Zielbewertung des eigentlichen Börsengangs stünden aber noch nicht fest.
Ein Börsengang diene DeepSeek Reuters zufolge auch dazu, eine Vergütungsstruktur aufzubauen, mit der sich wichtige Ingenieure und Forscher halten ließen. Das Unternehmen habe zuletzt Abgänge an Konkurrenten wie ByteDance und Xiaomi verzeichnet. In China müssen Firmen vor einer Notierung im Inland zunächst eine Wertpapierfirma für die Antragsvorbereitung beauftragen – das Mandat an CITIC gilt daher als konkreter Schritt in Richtung Börsengang.
Mit einer Zielbewertung von 75 Milliarden Dollar bleibt DeepSeek deutlich hinter den Ambitionen der US-Konkurrenz zurück. Anthropic strebt Berichten zufolge rund zwei Billionen Dollar an, OpenAI etwa eine Billion Dollar. Entscheidend wird, ob DeepSeek die für Ende Oktober anvisierte Kapitalrunde diesmal tatsächlich abschließt – die vorherige Zielmarke hatte sich zwischen Juli und August bereits zweimal verschoben.


